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Die Wahrheit des Wortes

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Helmut Schmidt und das neue Deutschland

4. März 2008

Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) spricht verschiedene Themen immer wieder an. So bleibt vor allem auch die wichtige Aussage, dass dieses Jahrhundert ein schreckliches, vor allem aber ein wesentlich schrecklicheres, als das letzte werden wird. Kaum vorstellbar nach zwei Weltkriegen und einem wirtschaftlichen Wandel, der scheinbar alles immer besser werden lässt. Aber versuchen wir doch ein Mal mehr in die Tiefe zu gehen und beschäftigen uns mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der globalisierten Welt und das mit einem Blickwinkel speziell auf die Bundesrepublik Deutschland.

Der gesellschaftliche Zerfall

Eine Studie von Prof. Dr. Michael Hartmann von der TU Darmstadt, zeigt sehr schön auf, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland immer größer wird, vor allem aber das dies ein Deutschland spezifisches Problem ist. Die Mittelschicht stirbt aus und so platt es klingen mag, die Reichen werden im reicher und die Armen immer ärmer. Dies liegt auf der einen Seite an den Verschlechterungen, die sich in vielen Fällen zum Beispiel durch Hartz IV ergeben, aber auch durch die Stagnation dessen, was im Geldbeutel übrig bleibt. Immerhin haben wir mittlerweile eine Inflationsrate von fast 3 % in diesem Staat erreicht. Im Gegenzug scheint es aber weder steuerliche, noch marktwirtschaftliche Regulatoren zu geben, die die Anhäufung von Großkapital auch nur im Ansatz begrenzen. An dieser Stelle sprechen wir noch nicht ein Mal im Detail über ethische oder moralische Grundsätze des Gesamtkomplexes.

Porsche kauft sich im großen Stil bei VW ein, VW hält bald die Mehrheit an Scania und schon haben wir einen weiteren Großkonzern, der meines Erachtens nach, allein schon aus kartellrechtlichen Erwägungen, mehr als bedenklich scheint. Natürlich beschwören alle beteiligten Wirtschaftsbosse, dass es kein Abbau von Arbeitsplätzen zur Folge haben wird, was sie bekanntlich an dieser Stelle immer tun. Der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen darf aber wohl bezweifelt werden. Gebetsmühlenartig sind ja auch immer wieder die Aussagen, wie gut es diesem Land geht. BMW, Telekom, PIN, Siemens und Nokia sind nur einige Firmen, die mir spontan einfallen, wenn es um den massiven Abbau von Arbeitsplätzen geht. Erstaunlich, dass so massiv an Arbeitsplätzen gespart werden muss, obwohl es uns so gut geht. Entweder geht es der deutschen Wirtschaft nicht im Ansatz so gut, wie es über die Medien kommuniziert wird oder man will auf Kosten der Gesellschaft, die Gewinne und den Profit einer gewissen Elite noch weiter erhöhen. Genauso etwas spaltet allerdings eine Gesellschaft, was letztendlich zu deren Zerfall führt.

Der gesellschaftliche Wandel

Der Wandel in der Gesellschaft ist spürbar, soviel steht fest. Zwangsläufig sollten auch die Menschen in der breiten Masse überlegen, wo es sinnvoll ist aktiv zu werden. Persönlich bin ich gelangweilt von den Gewerkschaftsaktivitäten von Ver.di bis GDL, wo man das Gefühl bekommt, es geht gar nicht wirklich um die Belegschaften, sondern um die Profilierungssucht gewisser Personen in leitenden Funktionen. So etwas hilft den Arbeitnehmern am Ende des Tages auch nicht. Zu meiner Schulzeit, in den 1980er, waren Arbeitskämpfe in Deutschland noch anders betont. Allerdings waren Arbeitsplätze in Großkonzernen, wie der Bayer AG, was die Sicherheit des Arbeitsplatzes angeht, auch noch durchaus mit denen des Beamtentums vergleichbar. Damals konnte man noch entspannt auf 30 oder mehr Jahre sein Haus, seine Altersversorgung finanzieren. Heute ist dies schon ein gefährlicheres Unterfangen, denn mit Hartz IV sein Reihenhaus zu finanzieren, ist eigentlich nicht machbar. Genauso wenig mit einem Job, zu einem Dumpinglohn, in einem ausgegliederten Unternehmensbereich.

Dr. Theo Sommer, Autor der Zeit und langjähriger Freund von Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), sagte über seinen alten Freund, wenn Schmidt (SPD) 30 Jahre jünger wäre, würde man ihn in Deutschland direkt zum Kanzler wählen. So freundlich bzw. freundschaftlich diese Aussage auch sein mag, für so falsch halte ich sie auch. Ganz davon abgesehen das Schmidt (SPD) zum Beispiel auf die Schwierigkeit der Trennung des Antisemitismus in Deutschland von der israelischen Außen- und Sicherheitspolitik, im Kontext zum israelischen Verhalten gegen über den Palästinensern hinweist, was für so ziemlich jeden anderen Politiker in Deutschland das schlichte Aus bedeuten würde, bleibt auch festzuhalten, dass eine Personen mit einer solchen Vorstellung von Ethik und Moral, heute nicht mehr gefragt ist. Deshalb bezweifele ich, dass ein Mensch mit diesen Grundregeln die Schmidt (SPD) verfolgt, mit diesen Vorstellungen von Staat, Wirtschaft und Kirche heute eine reale Chance hätte in der Politik zu bestehen.

Die neuen Helden

Heute haben Menschen Erfolg wie Herr Dr. Klaus Zumwinkel, gegen den ein Haftbefehl wegen Steuerhinterziehung beantragt wurde. Heute sind Menschen gesellschaftlich hoch anerkannt, wie Heinrich von Pierer, dessen Rolle in der Schmiergeldaffäre bei Siemens bis heute wohl nicht nur in meinen Augen nicht geklärt ist und der offensichtlich auch andere Prioritäten hat, als an der Lösung dieses Skandals mitzuwirken. Diese Liste lässt sich nun beliebig fortsetzen und bald wird einem klar, was für eine ethische und moralische Denkweise, die vermeintlichen neuen Helden der Berliner Republik, die Elite dieses Landes, an den Tag legt. Da darf man sich nicht wundern, wenn der Mensch, das Soziale im Abseits steht.

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Kategorie: Gesellschaft · Wirtschaft

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 Das Egoismusprinzip im Nachtwächterstaat « DirkGrund - über Suboptimales // 29. Mrz 2008 at 15:42

    [...] zu einer Stagflation, also Inflation plus Stagnation führten. Mit der Regierungsübernahme durch Helmut Schmidt wurde die Ablösung vom Keynesianismus vorbereitet. Eine von nun an nur noch halbherzig [...]

  • 2 Jens // 9. Jan 2010 at 13:32

    Gleich zu Beginn des neuen Jahres 2010 steigen die Kindergeldsätze um 20 Euro. Aber von Hartz IV betroffene Familien mit Kindern gehen leer dabei aus. Gemäß § 6 des Bundeskindergeldgesetzes gelten der Kinderzuschlag und das Kindergeld als Einkommen und müssen dem jeweiligen Kind zugerechnet werden. Dies hat auch für das Kindergeld Gültigkeit, welches der Bedarfsgemeinschaft angehörende Kinder erhalten, soweit es zur Sicherung des Lebensunterhaltes für das jeweilige Kind benötigt wird.

    Klartext: Das Kindergeld wird beim ALG II oder bei der Sozialhilfe als Einkommen des Kindes oder des Kindergeldberechtigten angerechnet und die Leistung um die Erhöhung gekürzt. Kurz gesagt: Mit der Erhöhung des Kindergeldes werden die Hartz IV-Leistungen gekürzt.

    Ebenso wenig profitieren die alleinerziehenden Hartz-IV-Empfänger von der Kindergelderhöhung: Neben dem Kindergeld wird auch Unterhalt beim ALG II als Einkommen gewertet und somit beim Regelsatz wieder abgezogen. In Deutschland sind über 40 % der Alleinerziehenden auf staatliche Hilfen angewiesen.

    Eine Ungerechtigkeit, die man kaum in Worte fassen kann. Es sind doch besonders Kinder aus Hartz-IV-Familien die eine Erhöhung dringend benötigen. Bisher hat die Bundesregierung keinen Schritt unternommen, diese Regelung zu ändern, um damit den wirklich Bedürftigen zu helfen.

    Ich fordere einen sofortigen Stopp vom „Märchen der Familienförderung“ und verlangen eine Familienpolitik, die sich für ALLE Familien einsetzt!

  • 3 Dipl.-Ing. Polak // 13. Mrz 2010 at 09:43

    Herr Altbundeskanzer Helmut Schmidt . . .

    . . . er hat von uns allen die höchste Achtung verdient! Er blickt in diesem Land und um das herum
    wie kein Anderer. Das sage ich schon seit über 25 Jahren! . . . nur es will keiner hören. Die Wahrheit hört bekanntlich Niemand gerne.

    Er ist bisher der einzigste Bundeskanzer, den Deutschland je hatte, da er sich nämlich um das Wohlergehen des Bürgers und des Staates gleichermaßen gesorgt hat und noch immer sorgt.

    Alle angeblich sonstigen Bundeskanzler sind Vollidioten, NULL-Nieten oder Betrüger, wie z.B. Helmut Kohl, der über über 80 Mio. Bürger nachweislich betrogen hat … laut StGB hat er dafür weit über 250 Jahre Gefängnis verdient … und das zurecht ! (Die Wiedervereinigung kostet uns keinen Pfenng… :-) …oder . . . zu einem späteren Zeitpunkt wäre sie nie möglich gewesen :-))

    Die sonstigen Möchtegern-Kanzler des hiesigen und letzten Jahrhunderts sind vornehmlich zu Rädern und zu Vierteilen und Ihre Vermögen explizit dem Volke zu übereignen! Eine solche Gefahrenabwehr für einen Rechtsstaat ist von der EU übrigens Gott-Sei-Dank gesetzlich legitimiert worden. Durch die Unterzeichnung des Lissabon-Vertrags durch Deutschland kann somit ein Aufruhr bzw. Aufstand verhindert werden … dies ist wichtig für eine funktionierende Gesellschaft …Aufbau von Vertrauen und Zuversicht zu den Lenkern!

    Wohl dem, der ein reines Gewissen hat und keinerlei Vorstrafen! … ich hab beides! … deshalb werfe ich hier meinen ersten Stein . . .

    MfG
    Dipl.-Ing. Polak

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