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Die Wahrheit des Wortes

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Helmut Kohl – Als die Einheit starb

19. Juni 2017

Ermöglicht durch: Ihr Name / Firmenname. Es war die große Schlagzeile kurz vor dem vergangenen Wochenende, Helmut Kohl verstarb am letzten Freitag mit 87 Jahren in seinem Haus in Oggersheim. Wie groß die Wucht dieser Nachricht war, zeigte sich sehr schnell, denn alle anderen Überschriften, viele Programminhalte etc. waren in kürzester Zeit von diesem Thema verdrängt. Die großen Meinungsmacher dieser Zeit waren plötzlich fast alle nur noch in gedeckten Farben oder gleich in Trauerkleidung zu sehen. Selbstverständlich sagt dies ziemlich viel über die Bedeutung des Verstorbenen aus. Der Dauerbundeskanzler, der dieses Amt immerhin von 1982 bis 1998 bekleidete, was bislang auf diese Dauer noch keine zweite Person tat, hat an vielen geschichtlichen Momente mitgearbeitet, allerdings ist das Meiste davon jetzt im gesamtgeschichtlichen Kontext noch gar nicht zu beurteilen. Dies liegt auch daran, dass Kohl einer der großen Protagonisten hinter dem vielkritisierten und längst gescheiterten System war. Sein Einfluss reicht übrigens bis in die Gegenwart und über seinen Tod hinaus, schließlich ist es längst seine Ziehtochter, die aktuelle Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), welche sein Erbe, mittlerweile im politischen Berlin, am Leben hält. Die Europäische Union (EU) ist samt Euro jetzt schon gescheitert und so wundervoll die Wiedervereinigung menschlich gesehen auch immer sein mag, liegt auch auf ihr ein dunkler Schatten. Außerdem gab es noch die Schwarzgeldaffäre, welche nie aufgeklärt wurde und somit auch nie angemessen juristisch aufgearbeitet wurde.

Saumagen und Wolfgangsee
Ausgerechnet genau 50 Jahre nach dem Tode von Konrad Adenauer ist Helmut Kohl verstorben und dies in einer Zeit, wo sich alles maßgeblich verändert. Es gab aber noch andere Fakten zu seinem Tode, die mindestens interessant waren, so verstarb am gleichen Tag auch Hans-Peter Schwarz, einer seiner großen Biografen, der sich vorher aber schon mit einem Standardwerk, eben über Adenauer, einen Namen gemacht hatte. Um nicht gleich ins Politische einzusteigen, muss erwähnt sein, dass Kohl es geschafft hatte, mindestens zwei Dinge weltberühmt zu machen, welche dies, ohne ihn, wohl kaum geschafft hätte. Es geht dabei um den Saumagen und den Wolfgangsee. Privat wurde es in den letzten Jahren eher immer trauriger, was seine Person anging und dies nahm 2001 seinen Lauf, nachdem sich seine Frau Hannelore wegen einer Lichtallergie das Leben genommen hatte. 2008 heiratete er ein zweites Mal und zwar die über drei Jahrzehnte jüngere Maike Richter. Dies sollte noch einmal viel verändern und er kapselte sich immer mehr von seinem bisherigen Umfeld ab, was sich sowohl auf politische Freunde, wie auch auf seine Familie bezog. Gesundheitlich ging es dann auch immer weiter bergab, warum er zum Schluss auch nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen war. Man sieht, man muss dieses Leben an dieser Stelle zweiteilig sehen. Dies merkte man ebenfalls in fast jedem Rückblick, in jedem Nachruf, welche in der Regel erstaunlich neutral daher kamen. Genau dies gilt allerdings auch für sein politisches Wirken, welches ebenfalls in zwei Teilen zu sehen ist. Man darf somit auch auf dieser Ebene nicht den Fehler machen und sein Wirken, seine Wirkung zu einseitig sehen.

König der Gescheiterten
Kohl wurde immer wieder für seinen Einsatz in Sachen Europäische Union (EU) und vor allem natürlich für die Wiedervereinigung gelobt, dessen Kanzler er für immer bleiben wird. Dies sind erst einmal die Fakten, welche man genauso unterstreichen kann. Aber die Zeiten haben sich längst verändert und jeder weiß, dass die meisten Versprechen zur Wiedervereinigung nicht gehalten wurden und es doch eher eine teure Übernahme durch den Westen wurde, was bis zum heutigen Tage zu den verschiedensten Schwierigkeiten führte. Die EU ist längst amtlich gescheitert und der erste offizielle Schritt beginnt am heutigen Tage in Brüssel. Deshalb noch einmal der Hinweis, man darf noch keine abschließende Beurteilung dieser Persönlichkeit vornehmen und wenn man es in diesen Tagen trotzdem tut, muss man wohl vom König der Gescheiterten sprechen und von nichts anderem. Außerdem bleibt die bereits angesprochene Schwarzgeldaffäre, welche auch in keiner Rückschau fehlte. Es sind übrigens genau solche Fakt, welche das vorherrschende System, welches er so mit geprägt hatte, so ablehnungswürdig macht und was am Ende auch zum Scheitern führte. Dies ist allerdings gar nicht einmal vornehmlich seine Schuld, denn es gab ausreichend Zeit für einen Systemwandel, diese wurde aber nicht genutzt, so dass es nun nur noch um einen Systemwechsel gehen kann. Am Ende bleibt eine Person, welche die Geschichte maßgeblich geprägt hat, in welchem Licht sich diese Prägung einmal zeigen wird, ist allerdings noch völlig offen. Dies liegt einfach daran, dass es ein Prozess ist, welcher noch läuft und gerade erst in eine entscheidende Richtung geht, welche noch vieles umkehren dürfte.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Politik

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