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Die Wahrheit des Wortes

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Hartplatzhelden gegen Holzkopfelite

11. April 2008

Da ist sie wieder, eine der beliebtesten deutschen Eigenschaften. Angst. Es geht um den Amateurfußball, aber auch um die rechtliche Lage im Internet und letztendlich auch ein Mal mehr um die Frage nach der Zensur durch Kapital. Beginnen wir aber mit den technischen Veränderungen, die all dies erst möglich gemacht haben. Als kleiner Junge stand ich in einem kleinen Leverkusener Vorortfußballverein im Tor. Damals gab es letztendlich nur die Möglichkeit für meine Familie und Freunde mich `live` vor Ort zu sehen. Dank dem technischen Fortschritt, gibt es für heutige Jung- und Amateurkicker ganz andere Möglichkeiten. So können diese Spiele einfach aufgenommen werden und später über das Internet weltweit verbreitet werden.

Demokratie im Sport

Nicht erst seit den Vorkommnissen im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008, wissen wir das Meinungsfreiheit und damit ein hohes Gut der Demokratie, auch im Sport sehr relativ ist. Aber es gibt weitere Bereiche in denen vor allem auch Unabhängigkeit scheinbar nicht gewünscht ist. Oliver Fritsch ist Geschäftsführer eines in Gießen ansässigen Unternehmens, welches die sehr innovative Idee hatte, all den weniger renommierten Fußballern in Deutschland eine Plattform zu geben. Auf Grund dieser Idee entstand hartplatzhelden.de. Hier haben Fußballverrückte die Möglichkeit Texte, Bilder und auch kleine Filme ihres Sports einzustellen und somit eben der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Als besonders positiv darf betrachtet werden, dass diese Möglichkeit kostenfrei besteht, was den Zugang natürlich noch ein Mal erleichtert. Es ist so etwas, wie YouTube für Fußballfans. In diesem Zusammenhang darf mit Spannung geschaut werden, ob es wie im Fall von hartplatzhelden.de, auch eine Klage gegen zum Beispiel YouTube geben wird. Denn diese Plattform basiert auf der gleichen Basis, geht nur weit über den Fußball hinweg.

Mit einer Plattform wie hartplatzhelden.de, bilden sich natürlich ganz andere Möglichkeiten, beginnend vom privaten Bereich her, dass zum Beispiel die Oma aus Hamburg sehr zeitnah das Spiel ihres Enkels in München sehen kann, ohne quer durch Republik fahren zu müssen. Aber auch Talentsucher und andere dem Sport verbundene Menschen, können sich so viel schneller einen Überblick über die gesamtfußballerische Lage der Nation machen. Man darf schon sagen, dass eine solche Idee, ein solches Portal wohl ein Zeichen dafür ist, dass es in Deutschland, wenn man genau hinschaut, noch wirklich so etwas wie Innovation gibt. Natürlich geht es hierbei auch um Kapital, denn zum Beispiel werden auf solchen Plattformen auch meistens Einnahmen erzielt und zwar in Form von Werbegeldern und genau hier scheint, neben der wirklich freien Berichterstattung, ein weiteres Problem für zum Beispiel den Württembergischen Fußballverband (WFV) zu liegen, der zur Zeit vor dem Landgericht Stuttgart klagt. Das Urteil soll am 8. Mai 2008 fallen.

Die Ware Fußball

Der Württembergische Fußballverband (WFV) stört sich zum Beispiel daran, dass mit seiner Ware Fußball nun andere Menschen Geld verdienen. Die Frage die sich stellt ist, wo ist das Problem für diesen Verband, wie auch für jeden anderen, solche Plattformen selber zur Verfügung zu stellen und in einer freien Marktwirtschaft wird sich die beste durchsetzen. Wenn man von Verbandsseite natürlich zum Beispiel ein kostenpflichtiges Portal aufbauen würde, dürfte bald klar sein wer den Kürzeren zieht. Aber noch ein Mal kurz zurück zur Ware Fußball, denn wenn ich hier richtig folgen kann, sind Amateurfußballer eine Ware, interessanterweise bedeutet dies, dass es eine Ware ist, die sich selber noch über Vereinsbeiträge ihre Existenz bezahlen darf und noch nicht ein Mal die Möglichkeit haben soll ihre persönlichen Highlights zu veröffentlichen. Wie weit soll dieses Spiel denn noch gehen, darf ich demnächst nur noch gegen vorherige Abgabe einer Lizenzgebühr über Fußball schreiben, da ich vielleicht mit einem solchen Artikel an irgendeiner Stelle Einnahmen generiere.

Vielleicht ist aber auch alles wieder ganz anders und es geht nur im Vordergrund um die Thematik Einnahmen, vielleicht geht es auch wieder Mal um Einfluss und Macht, denn desto mehr dieser unabhängigen, eigentlich für jeden zugänglichen Onlineplattformen entstehen, desto mehr wächst die Demokratie und schwindet der Einfluss von Verbänden, scheinbaren Eliten und anderen Organisationen. Meinungsvielfalt ist vielleicht auch gar nicht immer gewünscht, zu Mal dann nicht, wenn man seine eigenen Machtstrukturen auf der anderen Seite wieder in bare Münze umsetzt. Man erkennt nicht zu letzt auch in den höchsten deutschen Spielklassen, dass es mehr und mehr Einnahmegesteuerte Machtmonopole von München bis Hoffenheim sind, bei denen scheinbar das Kapital vor den menschlichen Belangen kommt. Alles in allem wirkt es aber für mich ein Mal mehr so, als hätten gewisse Funktionäre einen Trend verschlafen und sehen nun, sowohl eine Einnahmequelle, wie auch ein gewisses Machtpotential in Gefahr und anstatt jetzt frei nachdem Motto `Fair geht vor`, sich auf anderen Wegen mit dem Thema zu beschäftigen, wird die juristische Keule ausgepackt. Fair ist halt, wie so vieles andere im Sport auch, sehr relativ.

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Kategorie: Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Steffen Wenzel // 17. Apr 2008 at 08:59

    Danke für den Artikel, der m.E. die wichtigsten Sachverhalte aufgreift und kritisch beleuchtet. Wir hoffen natürlich, dass es der Richter am 8. Mai auch so sieht ;-) Daumen drücken!

  • 2 Thomas Schmittner // 16. Dez 2008 at 12:09

    Der Richter sah es am 8. Maileider nicht so…
    Aber am 18.12.2008 steht übrigens das Rückspiel an, wollen wir mal hoffen, dass der Richter ein anderes Urteil fällt.
    Viele Grüße,
    Thomas

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