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Die Wahrheit des Wortes

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Haiti – Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe

20. Januar 2010

Die Zeit wird immer schnelllebiger und dies ist offensichtlich vielfach ein großer Nachteil. Erst am Montag wurde hier berichtet, warum das Ausmaß der Erdbebenkatastrophe in Haiti hätte nicht so tragisch und grausam sein müssen und schon zeigt sich, dass man genau die Fehler, die Mitschuld an der Größe der Tragödie hatten, wieder begeht. Alle sind sehr bemüht der leidenden Bevölkerung nun zu helfen und das ist natürlich auch richtig und wichtig aber man sollte bei alldem auch die Zukunft nicht aus den Augen verlieren. Das Problem ist, dass auf dieser Welt Nachhaltigkeit kaum eine Rolle mehr zu spielen scheint, was natürlich langfristige Blicke in die Zukunft erschwert bzw. verhindert. Ein Hauptproblem, warum sich die Opferzahlen immer mehr in Richtung derer der Tsunamikatastrophe von 2004 bewegen, war die schlechte bzw. nicht vorhandene Bausubstanz, gerade auch in den Slums und nun kommen neue Zeltstädte, die für längere Zeit 1,5 Millionen Menschen als neue Heimat, als neues Lebensumfeld dienen sollen. Man muss nicht Wahrsagen können, um zu erahnen was der nächste Tropensturm dort anrichten wird.

Jeder Euro zählt
Es ist ganz wichtig, dass im Moment soviel Geld wie möglich gesammelt wird. Dies ist gar keine Frage, aber es muss eben auch auf die Nachhaltigkeit der Projekte geschaut werden. Natürlich spendet nun alles was Rang und Namen hat und es ist eine Art der PR, die den ärmsten Menschen hilft und damit erst einmal als etwas Positives zu bewerten. Allerdings schaut man sich die Zahlen an, die aktuell weltweit in diesem Kontext durch die Medien gehen, fragt man sich natürlich auch, warum den Menschen in Haiti nicht schon vor der Katastrophe im ausreichendem Maße geholfen wurde, so hätte man schon im Vorfeld für weniger Opfer sorgen können. Nun sollen die Überlebenden in Randgebieten der Hauptstadt Port au Prince in Zeltstädten leben, was natürlich im Moment auch wesentlich besser ist, als wenn sie auf den Strassen und Trümmerfeldern der Hauptstadt zwischen den Leichen dahin vegetieren. Aber was passiert dann? Es entstehen wieder nur neue Slums, in denen die Menschen wieder keine Behausungen haben, die ihnen Schutz vor den Naturgewalten bieten könnten. Man kann sich so ganz einfach die Ausmaße des nächst größeren Tropensturms vorstellen. Hier ist die nächste Katastrophe quasi schon vorprogrammiert.

Fakt ist auch, dass natürlich die Versorgung der Überlebenden mit Nahrung, Trinkwasser und ähnlichem höchste Priorität hat, genau wie die medizinische Versorgung all der Verletzten und Erkrankten. Man muss aber natürlich auch weit über diesen Punkt hinaus denken und schauen, wie man die Armut im Land bekämpfen kann, damit eine Katastrophe, wie diese es ist, beim nächsten Mal wesentlich weniger Opfer mit sich bringt. In einigen Tagen bzw. Wochen werden die Medien so gut wie ganz aus dem Krisengebiet verschwinden und somit natürlich auch die Spendenbereitschaft sinken. Vielleicht erlaubt man sich 2015, also nach fünf Jahren, noch einmal zurückzuschauen, wie man es Ende des letzten Jahres auch mit der Tsunamikatastrophe tat. Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass es im Moment noch einige andere Flecken auf der Erde gibt, wo man mit großen Problemen zu kämpfen hat. So lange die reichen Länder hier nicht entgültig für eine nachhaltige Verbesserung der Situation sorgen, wird es schon bald die nächste Katastrophe dieser Größenordnung zu beklagen geben und es kann nicht sein, dass ständig die Ausrede angeführt wird, dass die Menschen auch vorher schon in Armut gelebt haben, was natürlich auch zu den Fakten zählt. Diese Armut stellt allerdings eher ein Indiz für das Versagen der Politik und Wirtschaft dar, als das man es nun als Alibi nehmen könnte.

Wie ein Friedensnobelpreisträger für eine bessere Welt kämpft
Natürlich spielt der US-Präsident Barack Obama auch bei diesem Problem eine ganz entscheidende Rolle, ob diese allerdings von ihm ausgefüllt werden kann, wird sich, wie auch bei vielen anderen Sachverhalten die den Präsidenten ansonsten berühren, erst noch zeigen müssen. Im Moment sprechen viele Mensch auch in den Medien schon von einer Art der Besetzung des Landes und Obama will auch noch gut 10.000 weitere Soldaten für diesen Zweck in den Karibikstaat entsenden. Man kennt diese Vorgehensweise Obamas zum Beispiel auch aus Afghanistan und konnte sich in dieser Woche im Regierungsviertel von Kabul auch davon überzeugen, wie gut die Hilfe funktioniert. Denn 20-30 Talibankämpfer reichten aus, um im Regierungsviertel durch ihre Angriff auf Ministerien und den Regierungssitz für Angst und Schrecken zu sorgen. Natürlich sind die Hintergründe hier völlig andere, wobei man auch hier das Problem einer unzufriedenen Bevölkerung hat. Es ist aber wohl so, dass man mit dem Militär einfach nicht jedes Problem lösen kann. Genau diese Taktik ist aber scheinbar ein großer Baustein der amerikanischen Außenpolitik. Mit seiner Rede bei der Annahme des Friedensnobelpreises im letzten Jahr legitimierte Barack Obama auch direkt Gewalt als Mittel der Problemlösung und auch dies zeigt nun erste Wirkungen.

Unruhen und Plünderungen sind in Haiti auch ein immer größer werdendes Probleme und hier stellt man eine Veränderung in der Berichterstattung der Medien fest. Denn man versucht nun auch dieses Verhalten zu legitimieren, in dem man immer wieder auf die Aussichtslosigkeit der Menschen hinweist. In was für einer Welt leben wir nur alle, wenn sich jetzt doch mehr und mehr das Gesetz des Stärkeren durchsetzt. In der Wirtschaft hat man sich daran schon fast gewöhnt aber hier reden wir noch einmal von etwas ganz anderem. Natürlich ist es verständlich, dass Menschen letztendlich auch nichts anderes tun, als Barack Obama es vorlebt und Gewalt einsetzen, um ihre persönlichen Probleme zu lösen. Allerdings wird dieses Verhalten in gar nicht allzu langer Zeit zu einem so großen Problem werden, dass selbst ein Barack Obama irgendwann keine Soldaten mehr hat aber soweit wird im Moment scheinbar nicht gedacht. Gewalt als den neuen Pfad der Tugend einzuführen war eine ganz schlechte Idee, diese dann auch noch mit dem Friedensnobelpreis zu würdigen, eine noch schlechtere. Am Ende sei übrigens auch noch einmal darauf hingewiesen, dass der Großteil der Bevölkerung friedlich ist und es wohl auch um viele einfache Kriminelle bei solchen Aktionen geht, so sind zum Beispiel über 1.000 Straftäter ausgebrochen und haben sich beim Sturm eines Waffenlagers mit Waffen und Munition eingedeckt.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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