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Die Wahrheit des Wortes

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Haiti – Eine abwendbare Katastrophe

18. Januar 2010

Wie bereits im Zitat der Woche angekündigt, wollten wir mit der Berichterstattung über die Erdbebenkatastrophe in Haiti einige Tage warten bis die Nachrichtenlage verlässlicher geworden ist. Nun ist fast eine Woche vergangen aber von wirklich verlässlichen Nachrichten kann man bis zur Stunde noch immer nicht sprechen. Deshalb versuchen wir uns hier gerade auch im Bereich von Opferzahlen und ähnlichem zurückzuhalten, denn egal wie hoch die Opferzahlen noch klettern werden, steht zu mindestens fest, dass man von einer der größten humanitären Katastrophen seit der Tsunamikatastrophe von Weihnachten 2004 reden muss. Das Leid ist unvorstellbar groß und man muss leider festhalten, dass es Parallelen zur Tsunamikatastrophe gibt, denn mit Haiti hat es das Armenhaus Amerikas getroffen und genau hier werden die großen Probleme sehr deutlich. Solche Katastrophen treffen vor allem auch die Menschen, die so oder so schon gar nichts mehr haben und bei einer genauen Analyse stellt man fest, dass dies kein Zufall.

Da würde jede Bank nur lachen
Am Donnerstag brachte die Bundesregierung erste Soforthilfen von 1,5 Millionen Euro auf den Weg, eine Summe mit der sich als Hilfe wohl kaum irgendein deutsches Finanzunternehmen zufrieden geben würde und genau hier kommen wir dem Problem näher. Man tut gerade so, als sei hier eine riesige Summe auf den Weg gebracht worden. Haiti mit seinen gut neun Millionen Einwohner, von denen gut zwei Millionen Menschen in der Hauptstadt Port au Prince wohnen, von der wohl fast 85 Prozent zerstört sind, wie ein amerikanischer Radiosender berichtete, gilt als das Armenhaus der westlichen Welt. Auch wenn das Erdbeben, mit einer Stärke von über sieben auf der nach oben offenen Richterskala, unter anderem den soliden Präsidentenpalast so gut wie völlig zerstört hat, sind es vor allem die Slums die hier am härtesten getroffen wurden und hier beginnt die Parallele zu der Tsunamikatastrophe, denn auch hier war oft der ärmste Teil der Bevölkerung unter den Opfern und natürlich passiert dies nicht durch Zufall, sondern ist ganz logisch zu erklären. Das man dies so einfach erklären kann, macht es auch so tragisch, denn wenn man um die Probleme weiß, stellt sich die Frage, warum man nicht vorher etwas unternommen hat und so hätte viele Menschenleben retten können.

Die Bausubstanz der Slums, sofern man hier überhaupt von so etwas sprechen mag, ist nicht im Ansatz in der Lage einer solchen Katastrophe irgendetwas entgegenzusetzen und auch hier müsste man die Kalkulation, so zynisch es klingen mag, einmal ganz anderes aufmachen. In einer raubtierkapitalistischen Weltordnung haben unproduktiven Leben einfach keinen Wert. Eine einfache Erklärung, die für internationale Versicherungskonzerne teuersten Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte, waren die großen Erdbeben in den 1990er in den USA und im japanischen Kobe. Beide Katastrophen rangieren noch vor der Tsunamikatastrophe von 2004. Um den Vergleich noch etwas deutlicher zu machen, in Kobe starben fast 6.500 Menschen, Weihnachten 2004 wurden durch den Tsunami gut 250.000 Menschenleben ausgelöscht aber dies war für die Versicherungen erheblich preiswerter. Da sieht man, warum es aus finanzmathematischer Sicht keinen Sinn machen würde, den armen Menschen dieser Welt im Vorfeld zu helfen. Natürlich werden diese Zeilen wieder Proteste wegen Unmenschlichkeit hervorrufen aber die Frage ist doch, warum die Fakten belegen, dass das System nun einmal unmenschlich ist.

Die Sache mit Gott
Nun sieht man sie wieder auf allen Kanälen, die Medien sind voll mit Spendenaufrufen und hier findet man ein weiteres perfides Detail des heutigen Lebens. Im Vorfeld solcher Katastrophen könnte die Weltgemeinschaft etwas tun und damit würde es weniger Armut, weniger Slums und am Ende des Tages weniger Opfer solcher Katastrophen geben. Allerdings würde dies Löcher in die Bilanzen bzw. in die Haushalte reißen, kommt es nun zu einer Katastrophe ist die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung der reichen Staaten so groß, dass es, wie die Tsunamikatastrophe gezeigt hat, ein Leichtes ist dafür zu sorgen, dass es Teilen der Überlebenden nachher sogar besser geht als vorher und das ganz ohne große Verluste in den Haushalten. Den Konzernen bringt es sogar noch ein Exportplus in den Bilanzen, wenn sie sich in diesen Staaten am Wiederaufbau beteiligen. Aus Sicht der Wirtschaft einfach nur großartig, ethisch und moralisch einfach nur verwerflich aber diese Fakten scheinen in unserer heutigen Zeit so oder so keine Rolle mehr zu spielen. Am Rande sei erwähnt, dass auch die Politik hier völlig versagt hat, denn auch hier kommt man im Kontext der Armutsbekämpfung schon seit Jahrzehnten nicht wirklich weiter und trägt so natürlich auch eine Mitschuld an solchen Katastrophen.

Zum Schluss ist da noch die Sache mit Gott und auch dies ist irgendwie beängstigend. Wenn man Bilder aus diesem Katastrophengebiet oder auch aus anderen sieht, spielt der Glaube, die Religion auch immer eine sehr große Rolle, was natürlich an einem Punkt fast völliger Hoffnungslosigkeit auch irgendwo zum Teil nachvollziehbar ist. Man muss sich nur auch fragen, ob es Gott gibt oder wo er an solchen Punkten, wo Hunderttausende von Menschen sterben, ist. Natürlich gibt es in der Bibel für all dies Erklärungen aber man darf auch sagen, dass solche Opferzahlen eigentlich durch nichts zu erklären sind, weder durch Politik, noch durch irgendwelche wirtschaftlichen Interessen und auch nicht durch die Bibel, Gott oder gar durch die Kirche. Aber in einer solchen Lage scheint alles erlaubt und Fragen, wie zum Beispiel, warum man die Armut auch an dieser Ecke der Welt nicht vorher bekämpft hat sind nicht opportun, da ist es scheinbar schon angenehmer, wenn ein Barack Obama verkündet auch Guantanamo zur Bekämpfung der Katastrophe mitzunutzen und dies obwohl dieses Lager laut seinen Versprechen schon längst nicht mehr existieren sollte. Auch hier gibt es noch eine Randbemerkung und zwar die, dass die USA im Moment vor allem militärisch auf Haiti aktiv sind und man schon denken kann, dass hier einmal wieder der amerikanische Einflussbereich massiv ausgeweitet werden soll. So sieht man sehr schön, dass von der Politik über die Wirtschaft bis hin zur Religion alle selbst im Moment der größten Not noch ihren Profit und Nutzen aus der Situation ziehen.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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