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Die Wahrheit des Wortes

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Großdeutsches Reich 2.0

9. Oktober 2009

Geschichte darf sich nicht wiederholen und ähnliche Sätze bekommt man in der Bundesrepublik Deutschland ab dem Kindesalter eingetrichtert. Wenn man in diesen Tagen die Medien verfolgt, scheinen sich solche oder ähnliche Sätze aber nur auf Menschen jüdischen Glaubens zu beziehen, andere in ähnliche Richtung gehende Tendenzen sind davon scheinbar nicht betroffen und das ist doch sehr bedenklich. Wenn man sich anschaut, welche Auswirkungen die Aussagen von Thilo Sarrazin (SPD) hinsichtlich der Migranten in Deutschland hat, kann einem komisch werden. Manchmal beschleicht einen das Gefühl, dass nun nur noch jemand fehlt der ein Konjunkturpaket zum Bau neuer Autobahnen plant, Arbeitlose für ein solches Vorhaben wird man in Deutschland bald schon ausreichend haben. Als nächsten Schritt kommen dann vielleicht Aufkleber mit einem gelben Halbmond, den man an die Fenster von Menschen mit Migrationshintergrund klebt. Dann fehlt nur noch, dass nachher alle sagen, dass haben wir nicht mitbekommen.

Der Mensch

Man sollte annehmen, dass in einem freien und demokratischen Land, wie Deutschland, ein Mensch auch als solcher gesehen wird und dies unabhängig von seinem Glauben, seiner Hautfarbe, dem kulturellen Hintergrund oder auch seiner sexuellen Ausrichtung. Hier scheint aber nun Bewegung hineinzukommen. Das Bundesbankvorstandsmitglied Thilo Sarrazin (SPD) holte zum großen Schlag gegen Araber und Türken aber auch gegen Hartz IV-Empfänger aus. `Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt.` Dies war eine seiner Aussagen. Es sei angemerkt, dass dies ein Mensch sagt, der für den Staat arbeitet und damit auch von diesem lebt. Nun ist Herr Sarrazin (SPD) für solche, wie es scheint, geistigen Tiefflüge bekannt aber man muss schauen, ob es wirklich ein solcher war, denn immerhin hat er es geschafft Hetze gegen Randgruppen wieder in Mode zu bringen. Man fragt sich da natürlich, ob es wirklich ein solcher Tiefflug war oder nicht doch eher Kalkül. Ganz bitter an dieser Situation ist natürlich, dass so etwas wieder von einem Mitglied der deutschen Arbeiterpartei ausgeht. Die Politik und die Medien springen in jedem Fall voll darauf an und was man in Sendungen, wie zum Beispiel `Hart aber fair` in der ARD hört, ist zum Teil einfach nur erschreckend. So stellte sich die Frage, ob man nicht das Kindergeld abschaffen könnte, wenn die Kinder der deutschen Sprache nicht mächtig wären und an dieser Stelle erahnt man wo der Hase lang läuft, Deutschland braucht Geld und muss deshalb sparen.

In wirtschaftlich schlechten Zeiten entsteht leicht eine Stimmung gegen Ausländer und andersdenkende Menschen, eben gegen Randgruppen und natürlich gießt man da Öl ins Feuer, wenn man solche Fragen an Finanzen gekoppelt diskutiert. Am Stammtisch kommen durch solche Gedankenspiele dann natürlich Fragen auf, wie die danach, was uns die Ausländer eigentlich allgemein kosten. Oder man fragt sich auch, ob diese nicht vielleicht den Deutschen die Jobs wegnehmen. Klingt alles so als hätte man es schon einmal gehört aber es geht noch weiter. Als nächster Schritt könnte dann natürlich darüber nachgedacht werden, wer denn überhaupt ein Deutscher ist. Durch die Vielzahl an Menschen mit Migrationshintergrund kann man so etwas vielleicht schon gar nicht mehr am Pass ausmachen. Vielleicht ist nur der ein guter Deutscher, der blonde Haare und stahlblaue Augen hat. Wie war das noch gleich mit der Geschichte, die sich nicht wiederholen darf? Grundsätzlich ist eine Analyse, wo Gewalt und Arbeitslosigkeit herkommen gar nicht verkehrt aber dann doch bitte um eine zielgenaue Hilfe zu bieten und nicht um zu hetzen. In den Diskussionen geht es mittlerweile schon um die negativen Seiten der arabischen Kultur, vielleicht sollte man diese in Deutschland gleich ganz verbieten und die Bücher mit arabischen Lettern könnte man dann auch auf große Haufen verwerfen und verbrennen. Es ist erschreckend, was sich in Deutschland in diesen Tagen, wo man mit Stolz den 60. Geburtstag der Bundesrepublik feiert, alles in den Köpfen abspielt.

Ein Funke

Wenn man solche Dinge in Deutschland abermals in einer wirtschaftlich miserablen Zeit aufkommen lässt, spielt man mit dem Feuer. Verfestigen sich diese Gedanken in der Gesellschaft, reicht ein kleiner Funke aus, um einen unkontrollierbaren Flächenbrand zu entfachen. Man stelle sich einmal vor, es würde in einer solch aufgeheizten Stimmung auch noch einen Terroranschlag mit vielen Toten und einem islamistischen Hintergrund geben, da könnte man dann wahrscheinlich die Uhr nach stellen, wann die Imbissbuden von Menschen mit Migrationshintergrund brennen oder gar islamische Gotteshäuser in Flammen aufgehen. Alles Dinge die man bei den ganzen, teilweise absurd geführten Diskussionen scheinbar nicht berücksichtigt. Man vermisst kreative Ansätze, wie man das Problem bewältigen will, außer eben auf der Ebene, dass man sagt, es sei ein Lösungsansatz diesen unproduktiven und gewalttätigen Menschen die Gelder zu streichen. Gut, dies würde dem völlig überschuldeten Staat erst einmal weiterhelfen bis der große Knall käme aber danach hätte man dann wieder viel aufzubauen und könnte ein neues Wirtschaftswunder schaffen. In der Folge dieses Booms bräuchte man dann wahrscheinlich wieder ausländische Hilfsarbeiter, die man dann nicht integriert, weil man davon ausgeht, dass sie das Land irgendwann wieder verlassen, denn genauso war es in den Zeiten des Booms nachdem Zweiten Weltkrieg.

Auch wir hier in der Redaktion haben ein Problem damit, wenn Menschen versuchen in Deutschland den Heiligen Krieg anzuzetteln und es ist nicht hinnehmbar, dass ein Bekkay Harrach versucht mit Terrordrohung Einfluss auf die Bundestagswahl zu nehmen. Ebenso wenig ist es aber auch hinnehmbar, wenn deutsche Politiker versuchen aus diesem Staat einen Überwachungsstaat zu machen. Denn Deutschland hat weder ein Gottesstaat, noch ein Überwachungsstaat zu sein. Es ist nicht hinnehmbar, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund die öffentliche Sicherheit gefährden aber dies ist auch bei deutschen Jugendlichen ohne diesen Hintergrund nicht hinnehmbar. Bevor wir Diskussionen lostreten, welche Minderheiten wir dazu benutzen könnten, diesen von vermeintlichen Eliten und Experten ruinierten Staat zu sanieren, sollte man darüber nachdenken, die in die Haftung zu nehmen, die den Schaden auch verursacht haben und damit natürlich auch ihren Teil zu dieser Diskussion mit beigetragen haben. Denn wäre die soziale Lage in Deutschland nicht so wahnsinnig miserabel, würde es das Thema sehr wahrscheinlich in dieser Form gar nicht geben. Es ist wichtig darauf zu achten, dass nicht irgendwelche Kräfte versuchen durch die Hintertür ein Großdeutsches Reich 2.0 zu installieren.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

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