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Die Wahrheit des Wortes

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Greift Horst Schlämmer und seine HSP die Demokratie an?

5. August 2009

Unterhaltung und Spaß müssen sein, dass ist soweit richtig und der Alltag in Deutschland ist gerade auch in Zeiten der Krise oft genug eintönig genug aber trotzdem sollte es auch hier klare Grenzen geben. Ab dem 20.08.2009 ist Hape Kerkeling in seiner neusten Rolle als Kanzlerkandidat Horst Schlämmer von der HSP, der Horst-Schlämmer-Partei, im Kino zu sehen. Nun ist es wirklich nichts Neues, dass er in eine andere Rolle schlüpft und ob man seine Arbeit nun gut oder schlecht findet, muss wohl jeder für sich beurteilen aber Fakt bleibt, dass mit diesem Film Grenzen überschritten werden, die man gerade im Superwahljahr 2009 nicht überschreiten sollte. Es ist anzunehmen, dass all das was in diesem Land unternommen wird, um der Politikmüdigkeit entgegen zu treten, diese am Ende des Tages nur noch forciert. Die Frage die bleibt, steckt dort ein System hinter oder ist all dies nur Zufall.

Hape Kerkeling der Geschäftsmann

Man muss Hape Kerkeling schon dazu gratulieren, was für ein grandioser Geschäftsmann er ist. Denn sein aktueller Film, in dem er den Kanzlerkandidaten Horst Schlämmer gibt, hätte natürlich nicht besser platziert werden können, als mitten im realen Wahlkampf des Superwahljahres 2009, wenn auch dieser im Moment noch etwas schleppend anläuft. Allerdings ist dies ein Spiel mit dem Feuer. Denn in einer Zeit in der Nachrichten immer mehr verwässern und es mehr um Gerüchte und Werbung zu gehen scheint, als um klare Fakten, sind die Menschen schon sehr irritiert über all dies, was ihnen die Medien täglich auftischen und somit entsteht eine große Oberflächlichkeit, die nur allzu oft im Desinteresse der Gesellschaft mündet. Die Folgen, gerade auch von politischem Desinteresse, konnte man sich zuletzt noch bei den Europawahlen vor einigen Wochen anschauen. Bildung ist und wird in unserem Land zu einem immer größeren Problem, ob es da hilfreich ist, wenn jemand Demokratie meint und von Demografie spricht, ist wohl eher als außerordentlich negativ einzustufen. Sich dann immer wieder hinter dem Begriff Satire zu verstecken, ist zu einfach und zeigt an dieser Stelle nicht gerade ein großes Demokratieverständnis, da man diese letztendlich genauso untergräbt und ins lächerliche zieht.

Noch schlimmer ist es allerdings, wenn dann die Fiktion, die Satire mit dem realen Leben vermischt wird. So konnte man vor einigen Stunden in der ARD ein Interview zwischen Werner Sonne, dem ARD-Politikexperten und Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer sehen in dem er klar Stellung zu Angela Merkel (CDU) bezog und sich ablehnend zum Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) und seinem Deutschlandplan äußerte, spätestens hier ist die Grenze endgültig überschritten. Dieses gesamte Thema ist gerade in der jetzigen Zeit, wo die Wirtschaft in Deutschland in ihrer größten Krise seit bestehen der Republik steckt, nicht für eine solche Art von Geschäftemacherei geeignet und es darf bezweifelt werden, dass es überhaupt einen passenden Zeitpunkt geben könnte. Noch erschreckender bei alldem ist, dass es sich bei diesem Machwerk um eine Co-Produktion des ZDF handelt, was nicht gerade für ein großartiges Politik-bzw. Demokratieverständnis dieses öffentlich-rechtlichen Senders spricht, der aber gerade auch damit antritt für Seriosität zu stehen. Natürlich steckt aber hinter einem solchen Film scheinbar auch ein klares Ziel, man möchte die Menschen unterhalten, sie ablenken vom Wesentlichen, denn in diesem Zustand sind sie am besten zu lenken und zu manipulieren, was gerade auch in Zeiten anstehender Massenarbeitslosigkeit und immer größer werdender Armut ein großes anliegen des Staates zu sein scheint.

Geht nicht wählen!

Hape Kerkeling ist aber nicht alleine mit seiner Art sich in die Politik einzumischen. So gab es vor einigen Wochen eine Kampagne, in der einige Stars und Sternchen aus dem Bereich Film, Fernsehen und Musik dazu aufgerufen haben, nicht wählen zu gehen. Menschen die sich mit Nachrichten beschäftigen, war direkt klar was hier passierte. Wie so oft kopierte man einfach einen Teil des amerikanischen Politikalltags. Denn diese Kampagne entspringt dem letzten US-Wahlkampf, wobei es im Original direkt aufgelöst wurde. In der deutschen Kopie, ließ man sich allerdings einige Tage Zeit bis die Protagonisten alles aufklärten und klar machten, dass man natürlich wählen gehen sollte. Das Risiko dieser deutschen Version ist, dass es einen gewissen Prozentsatz an Medienkonsumenten gegeben haben wird, die die Auflösung gar nicht mehr mitbekommen haben und genau dieser Anteil dürfte auch noch einmal durch den Fakt nach oben geschraubt worden sein, dass durch die Ferienzeit viele Menschen zur Auflösung gar nicht mehr im Land waren. So schafft man keine Wähler, sondern noch mehr Nichtwähler. Allerdings dürfte diese Zweiteilung der Kampagne natürlich den Betreibern ein vielfaches an Clicks beschert haben, was natürlich wirtschaftlich betrachtet positiv zu bewerten wäre, würde es hierbei nicht um Politik bzw. die Demokratie gehen. Man sieht, dass auch hier, wie auch im Fall Hape Kerkeling, ein gefährliches Spiel mit dem hohen Gut der Demokratie gespielt wurde. Demokratie ist ein Gut mit dem man nicht spielt und es schon mal gar nicht gefährdet, dies sollte jedem freiheitsliebenden Mensch bewusst sein, leider ist dem oftmals aber offensichtlich nicht so.

Die heutige Zeit, ist eine Zeit des Umbruchs auch in Deutschland, allerdings nicht zu Gunsten der arbeitenden Bevölkerung, dass dürfte in den letzten Monate wohl jeder bemerkt haben. Die Demarkationslinie zwischen den vermeintlichen Eliten und denen die ihr Leben finanzieren sollen, wird immer deutlicher. Genau in einer solchen Zeit braucht es starken politischen Einfluss, damit die Gesellschaft nicht völlig gibt. Eine Regulierung durch den Staat, durch ein demokratisches Gebilde, ist sehr wichtig und man muss natürlich auch darauf achten, dass es sich nicht in ein falsches Extrem, wie zum Beispiel in Richtung Kommunismus oder Sozialismus, entwickelt. Genau in dieser Zeit die Früchte der Demokratie in diesem Land durch gewinnorientierte Unterhaltungsprodukte, wie Horst Schlämmer sie darstellt, zu torpedieren, muss wohl im höchsten Maße als demokratiefeindlich eingestuft werden und es ist traurig, dass sich wahrscheinlich sehr viele Menschen dieser Entwicklung anschließen und sich diesen Film ansehen werden. Unterhaltung und Spaß muss, wie zu Beginn dieses Artikels bereits erwähnt, sein aber man muss bei alldem auf die Dosierung und die Art achten. Außerdem darf man sich nicht allzu sehr von alldem blenden lassen und sich dann später irritiert zeigen, wenn sich die Entwicklung in Deutschland zu noch mehr, von der Politik nicht kontrolliertem, Raubtierkapitalismus ausbreitet unter dem letztendlich die breite Masse der Bevölkerung, durch immer mehr Armut und immer weniger Solidarität, leidet.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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