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Die Wahrheit des Wortes

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Gott hat Auschwitz zugelassen

7. Februar 2008

Dies war nur eine, der interessanten Thesen von Altkanzler Helmut Schmidt (SPD), bei seinem Treffen mit Altbundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU), in der ARD Sendung `Menschen bei Maischberger`. Dieses Treffen der Urgesteine deutscher Politik, zeigte viele Facetten des politischen und gesellschaftlichen Lebens in der Bundesrepublik Deutschland der letzten Dekaden auf. Es wurden aber, in einer sehr freundschaftlichen Atmosphäre, auch Gedankengänge zur Zukunft der Republik ausgetauscht, die nicht minder interessant waren.

Der Glaube an Gott

War eines der Themen, welches relativ zum Ende der Sendung behandelt wurde. Der 87-jährige von Weizsäcker (CDU) machte sehr deutlich, dass der Glaube ein Thema ist, zu dem er sich in der Öffentlichkeit nicht äußern würde. Ganz anders sein 88-jähriger Gegenüber Schmidt (SPD), der erklärte, dass er früher sehr wohl Gottvertrauen besaß, allerdings über die Jahre zu der Auffassung gelangt sei, sich nicht auf jemanden verlassen zu können, der die Ermordung von sechs Millionen Juden, Auschwitz und zwei Weltkriege zu gelassen hätte. Es gab aber noch einen weiteren Bereich der Sendung, in dem es um den Glauben ging, allerdings gaben hierzu alle Beide, die beide 1937 Abitur gemacht hatten, ein klares Statement ab.

In Bezug auf den `Clash of Civilization` von Samuel Huntington, ging es unter anderem um die Frage, für wie wahrscheinlich die beiden dieses Szenario hielten. Dazu plauderte von Weizsäcker (CDU) sehr interessant aus dem Nähkästchen. Er hatte in Sarajevo, immerhin der Stadt, wo der 1. Weltkrieg begann, mit einem Islamführer über dieses Buch geredet und dieser meinte, dass es eine solche Auseinandersetzung der Zivilisationen niemals geben könnte. Denn würde so etwas passieren, wäre eine der beiden beteiligten Parteien, eine Barbarei. Ein außerordentlich interessanter Aspekt in diesem Kontext, der die Welt nun schon etwas länger, auf verschiedenen Ebenen beschäftigt.

Ansätze weiser Männer

Überhaupt waren die Ansätze zweier so weiser Männer, für mich mehr als lehrreich. Man verzieh Schmidt sogar mit einem Lächeln, dass es immer wieder Themenbereiche gab, die er scheinbar nicht aufgreifen wollte und mit einem entspannten `das weiß ich nicht mehr` oder ähnlichen Kommentaren überging. Ganz und gar nicht übergehen, wollte er das Thema Wirtschaft, wo er als Hauptproblem, die Machtumschichtungen im Finanzsektor anzeigte. War die Macht vor Jahren noch bei den Banken, so sei sie heute bei gut 9.000 Hedgefonds, die ihren Firmensitz vielfach auf kleinen Inseln im Mittelmeer und der Karibik hätten und damit nicht mehr greifbar seien. Darin das dies zu einer Unkontrolliertheit der weltweiten Geldströme geführt hätte, waren sich beide ein Mal mehr einig. Von Weizsäcker (CDU) mahnte hier drüber hinaus sogar noch an, dass sowohl die Weltbank, wie auch der Internationale Währungsfonds (IWF) heute schlecht funktionieren würden.

Ähnlich interessante Ansätze gab es zur Thematik Bevölkerungspolitik, denn Schmidt (SPD) ließ erkennen, dass er das grundsätzliche bemühen Chinas, einer weiteren Bevölkerungsexplosion entgegen zu wirken, als positiv einstufte. Auch hier zu gab es eine nette Anmerkung, aus dem langen Politikerleben des von Weizsäckers (CDU). Er traf ein Mal, von China kommend, den indischen Präsidenten und fragte ihn, warum die chinesische Bevölkerungspolitik, in Indien nicht funktionieren würde. Die Antwort war ganz schlicht, es sei darin begründet, dass Indien ebene eine Demokratie sei. Egal ob man die Ansätze des Gottvertrauens im Kontext zu Auschwitz nimmt, oder Aussagen von Weizsäckers (CDU), die dahin gingen, dass die Kirchen ihre geistige Arbeit etwas eingestellt hätten, merkte man mit welcher Bedachtheit, diese beiden weisen Männer, die Worte für ihre Ansätze und Thesen gewählt hatten. Manch anderer, hätte wohl sehr viel mehr Probleme mit diesen Themenkomplexen gehabt.

Zwischen Pessimismus und Realismus

Als sehr positiv empfand ich auch die Art, wie über die heutige Politik philosophiert wurde, denn beide hielten sich hier sehr zurück, wenn auch oftmals mit der Aussage, dass man eine Regierung nach 1 ½ Jahren nicht beurteilen könne. Die einzige Erwartung die Schmidt (SPD) an die jetzige große Koalition hatte, war, dass aus ihr nicht die gleichen Folgen, wie aus der ersten großen Koalition, entstehen dürften. Das Dritte Reich. Wobei er auch darauf hinwies, dass es eines der größten Probleme der heutigen Politikergeneration sei, dass sie alle keinen wirklichen Krieg erlebt hätten und somit anders mit diesem Thema umgehen würden, als Menschen, die Krieg erlebt hätten. Auch wenn er den 3. Weltkrieg für dieses Jahrhundert ausschloss, blieb die Mahnung, dass es ein schlimmes Jahrhundert würde.

In der Hauptsache machte Schmidt (SPD) dies daran fest, dass man um 1900 noch eine Weltbevölkerung von gut 1,5 Milliarden Menschen hatte, heute schon um die 6,5 Milliarden und circa 2050 etwa 9 Milliarden Menschen auf diesem Planeten verweilen würden. Dies wird außer der rasant ansteigenden Probleme mit fossilen Energien und die Folgen derer Nutzung für die Umwelt, auch das Problem mit sich bringen, dass wir nicht mehr nebeneinander, sondern 15 bis 20-stöckig übereinander leben müssten. Durch eine Hysterisierbarkeit über Fernsehen und das Internet, könnten so Konflikte, nie da gewesener Dimensionen, entstehen. Auf die Fragen danach, ob man mit solchen Vorstellungen nicht als Pessimist eingestuft werden müsste, waren sich Schmidt (SPD) und von Weizsäcker (CDU) wieder einig in der Aussage, dass so etwas nichts mit Pessimismus, sondern mit Realismus zu tun hätte.

Wenn man diese beiden Politikerurgesteine reden hört, wird zu mindestens mir klar, was in der heutigen Politik, aber auch Gesellschaft, leider Mangelware geworden ist. Menschen mit solch einem Wissen und dem richtigen Gespür es einzusetzen und zu vermitteln.


Kategorie: Gesellschaft · Politik

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Bernd // 7. Feb 2008 at 10:32

    Ich merke gerade, dass zuviele Kommas noch lästiger sind als zuwenige.

  • 2 fairschreiben // 7. Feb 2008 at 11:19

    Das ist das traurige an diesem Land. Das Menschen zu so einem Beitrag nicht mehr einfällt, mein lieber Bernd.

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