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Die Wahrheit des Wortes

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Glaubensstaat als Antwort auf den Gottesstaat

23. April 2009

In Deutschland legt man immer viel Wert darauf, dass Staat und Kirche getrennt sind. Auf der anderen Seite ist diese Republik natürlich auch ein sehr stark christlich geprägtes Land. Wie weit diese christliche Prägung geht, sieht man unter anderem an der Kirchensteuer, die wohl die meisten in diesem Land bezahlen. Aber es gibt auch noch weitere Hinweise, wie weit dieses Prägung geht. So ist es in Deutschland zum Beispiel nicht gerne gesehen, die Kirche oder gar den christlichen Glauben in Frage zu stellen, da gerät man ganz schnell an die Grenzen der, sonst so gern hervorgehobenen, Toleranz in diesem Land. Es stellen sich natürlich auch gerade nach Ostern und den damit verbundenen wichtigen Predigten, einige Fragen, die wir hier ein Mal versuchen wollen kritisch aufzuarbeiten. Es soll aber auch um das gerade angesprochene  Thema der Toleranz im Kontext zum Glauben und zur Religion gehen.

Religion und Gesellschaft

Es ist wohl das gute Recht eines jeden Menschen zu glauben was immer er mag und in einer zivilisierten Gesellschaft sollte es auch möglich sein über Glaubensfragen in einer angemessenen Form zu diskutieren. So fällt es doch immer wieder auf, dass sich gerade auch  die Kirche als nicht sehr demokratisch zeigt. Es ist dieser alleinige Anspruch den man hier hat und dem die Gläubigen, die so genannten Schäfchen, einfach zu gehorchen haben. Jedem der dies nicht tut, werden Strafen und Sanktionen angedroht, dies klingt nicht gerade nach demokratischen Strukturen oder nach Freiheit. Hier muss man natürlich differenzieren, denn es geht nicht darum die Werte dieses Landes oder die kulturellen Erfolge, die natürlich auch einen gewissen Kontext zur Religion und zur Kirche haben, zu kritisieren aber man muss in einer toleranten Gesellschaft auch jedem freistellen, wie er mit seinem Glauben umgeht und diesen ausübt. Natürlich gibt es in diesem Staat die gesetzlich verbriefte Religionsfreiheit aber wie an vielen anderen Stellen gilt auch hier, dass der gesellschaftliche Druck doch sehr massiv ist, wenn man sich auf dieses Recht beruft. Es gibt ein schönes Beispiel aus dem Film `Super Size me`, in dem es um die Überfettung der amerikanischen Gesellschaft geht. Hier wird gesagt, dass es gesellschaftlich anerkannt ist, negativ mit Rauchern umzugehen und diese zum Beispiel in der Öffentlichkeit auf ihre Selbstzerstörung hinzuweisen. Bei fettleibigen Menschen ist dies natürlich ganz und gar nicht anerkannt und es wäre ein Affront, wenn man eine dicke Person in der Öffentlichkeit auf ihre Selbstzerstörung ansprechen würde.

Ähnlich sieht es in Deutschland mit Fragen zur Religion aus. Es ist gesellschaftlich nicht anerkannt, kritische Fragen im Kontext zur Kirche zu stellen. Denn der christliche Glaube stellt sich selber über alles und schafft sich somit auch eine eigene Freiheit von jeglichen Fehlern. Nehmen wir die Erdbebenkatastrophe in den Abruzzen, natürlich gibt es sicherlich auch eine Antwort auf die Frage, warum es Gott zu ließ das Hunderte von Menschen ihr Leben in dieser Katastrophe verlieren mussten. Ganz irdisch ist aber da die Frage, warum sich Papst Benedikt der XVI. wochenlang Zeit lässt, dass Katastrophengebiet zu besuchen. Man hat förmlich das Gefühl, dass er sich der Katastrophe in ihrem vollen Ausmaß verweigert. Ein anderes Beispiel, in der Osterzeit waren überall die Predigten nach Abkehr von der Gier und ähnlichem zu hören, was sehr spannend war, denn gerade die christliche Kirche, wie auch andere Religionsgemeinschaften, sind auch immer so etwas wie große Wirtschaftsunternehmen und auch die Kirche lässt letztendlich einen Großteil ihrer Bibeln in China produzieren, ganz im Stil gieriger Weltkonzerne. Noch drastischer zeigt sich dies alles natürlich in Machtfragen und dies gilt gerade auch für die drei großen Weltreligionen. Genau hier scheint auch das immer stärker werdende Konfliktpotenzial von vielen Brennpunkten dieser Erde zu liegen. Da spricht Papst Benedikt der XVI. vom Frieden im Heiligen Land, was auch sehr interessant ist, da natürlich auch das Christentum das Heiligen Land beansprucht. Gäbe es die Konflikte zwischen den Religionsgemeinschaften nicht, gäbe es dort gar keinen Konflikt, dies sollte man auch bei der christlichen Kirche immer berücksichtigen, bevor man sich zu weit aus dem Fenster lehnt.

Toleranz ist das Zauberwort

Wenn in Deutschland Moscheen gebaut werden sollen, gibt es immer wieder zwei massive Probleme. Zum einen die Höhe des Minaretts und zum anderen die Lärmbelästigung durch den Ruf des Muezzins. Beim ersten Punkt wären wir wieder bei der Machtfrage, denn die Kirche sollte schon einen höheren Turm haben als das Minarett der Moschee, alles andere würde ganz offensichtlich einem Machtverlust gleichkommen. Zum Ruf des Muezzins ist zu sagen, dass es natürlich einen Lärmpegel bedeutet, der Menschen auch stören kann aber dies ist mit dem Glockengeläut nichts anderes. Man stelle sich nun aber ein Mal vor, ein Anwohner in einem bayrischen Dorf würde sich über das Geläut der Kirchenglocken beschweren. Der Aufstand wäre wohl vorprogrammiert. Dies alles darf nun aber auch nicht als Freifahrtschein für eine Islamisierung Deutschlands verstanden werden. Denn wenn eine Religion zu diesem Land gehört, ist dies natürlich weit vor dem Islam und dem Judentum, das Christentum. Gerade wenn man sich in manch islamischen Staat umsieht, wird einem klar, dass dort Toleranz Andersgläubigen gegenüber nicht gerade ganz oben auf der Tagesordnung steht. In sofern muss man natürlich eine gewisse Toleranz auch ganz klar in Deutschland sehen, denn es gibt viele Staaten auf dieser Welt, wo man besser nicht versuchen sollte eine Kirche zu errichten, auch dies ist eine Wahrheit im Kontext zur Religion, die man nicht vergessen darf. Aber nur weil es wo anders noch intoleranter in manchen Fragen zu geht, als in der Bundesrepublik Deutschland, heißt dies nicht, dass wir in Deutschland schon ein ausreichendes Maß an Toleranz erreicht haben.

Es wäre schön, wenn man sich in dieser so toleranten Gesellschaft auch offener mit Glaubensfragen auseinandersetzen könnte, ohne gleich negatives Feedback von der breiten Masse zu erhalten. Es gibt immer wieder die Auseinandersetzung im Kontext mit atheistischen Buswerbungen, die immer wieder für großes Aufsehen sorgen. Werbung für das Christentum wird allerdings problemlos hingenommen. Bei der Werbung der Atheisten, heißt es immer wieder, dass dadurch gläubige Menschen in ihrem Glauben verletzt würden, der umgekehrte Ansatz scheint nicht zulässig zu sein. Man stelle sich vor man würde behaupten, dass einen die Religion oder die Hinweise, wie Kreuze in Hotelzimmern oder eben das Glockengeläut, stören würde, man würde wohl mehr als nur skeptische Blicke ernten. Wenn man sich die täglichen Nachrichten anschaut, kommt so oder so schnell die Frage auf, wo so etwas wie ein Gott sein soll. Wenn man sich dann noch überlegt, wie viel weniger Krieg und Gewalt es auf diesem Planet ohne die Konflikte der Religionen geben würde, stellen sich natürlich noch ganz andere Fragen. Genau diese Fragen bleiben aber weitestgehend unbeantwortet und zeigen letztendlich wieder, wie wenig Toleranz, in der Welt der Religionen, eine Rolle spielt und dies wird wohl auch immer so bleiben. Denn zu viel Freiheit und Toleranz würde den Religionen letztendlich schaden, zu mindestens in der Art wie die meisten Religionen aufgebaut sind. Dies ist eigentlich sehr schade, da natürlich der Glaube an sich etwas elementar positives ist.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik

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