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Die Wahrheit des Wortes

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Glaube ist Privatsache

21. November 2011

Glauben ist etwas sehr persönliches, nicht umsonst heißt es: der persönliche Glaube. Ist man in Deutschland allerdings gläubiger Christ, war dies auch die letzte Stelle, wo man von umsonst sprechen kann. Man muss Kirchensteuer bezahlen und die Kollekte ist eigentlich auch moralisch bindend. Genau hier beginnen dann auch die Probleme im Kontext des Glaubens, denn da ist einmal der reine Glaube, an was auch immer und dann gibt es die verschiedensten Organisationen des Glaubens, wie eben auch die Kirchen. Nun sollte der Glaube allerdings reine Privatsache sein, völlig losgelöst von Organisationsstrukturen, Staaten oder ähnlichem, dann könnte man damit allerdings vor allem kein riesiges Geschäft machen. Denn wenn man sich die Strukturen und auch die Verbindung zum Staat zum Beispiel im Kontext der Kirchen in Deutschland anschaut, erkennt man wo hier die Vorteile liegen, von der Bekenntnis zur Kirchensteuer durch die Taufe bis zu den Sonderreglungen für Arbeitgeber mit dem ganz besonderen Draht nach oben. Aber was hat Kapital mit dem Glauben zu tun, um beim Christentum zu bleiben, warum muss man dafür bezahlen, wie für die Benutzung einer öffentlichen Toilette? Immer weniger Menschen verstehen dies noch und machen somit ihren Glauben wirklich zur völligen Privatsache und dies ganz kostenfrei.

Taufe verpflichtet
In Deutschland bekommt jeder, egal ob geschäftsfähig oder nicht, seine Steuernummer verpasst und ist spätestens beim Erwerb irgendwelcher Waren oder Dienstleistungen steuerlich auch voll mit dabei. Allerdings redet man hier auch vom Staat, der mit Glauben sehr wenig zu tun hat, den gerade die aktuellste Welle der Weltwirtschaftskrise beweist einmal mehr, dass man hier auch nichts glauben sollte. Bei den Kirchen sieht es da natürlich ganz anders aus, gibt man sich doch hier für so etwas, wie den Hafen des Glaubens aus. Im Ergebnis sieht es allerdings erst einmal ähnlich aus, wie beim Staat. Mitgliedschaft kostet und nennt sich auch hier Steuer. Ein geschickter Schachzug ist hier natürlich die Taufe, die viele Eltern mit ihren Kindern vollziehen, während diese mit Sicherheit noch nicht über das Thema Religion und ihre Folgen nachdenken. Irgendwann setzt dieser Prozess in vielen Fällen genauso ein, wie die Abführung der Kirchensteuer. Nun ist der Punkt gekommen, wo man selbst aktiv werden muss und aus der Kirche austreten muss, in die man in den meisten Fällen ohne eine eigene Willenserklärung abgegeben zu haben, eingetreten worden ist. Dies ist ein Schritt der auch in den heutigen Tagen noch vielen Menschen Probleme bereitet, also zahlen sie lieber weiter.

Eine Geschäftsidee, wie sie brillanter nicht sein könnte, die allerdings in der Privatwirtschaft kaum durchzusetzen sein dürfte. Aber hier geht es schließlich um Gott, Glaube, Religion und die Kirche und da gelten andere Maßstäbe. So kann man zum Beispiel ganz in der Nähe der Redaktion an After Works Gottesdiensten teilnehmen. Unklar bleibt an dieser Stelle, ob es bei diesen Veranstaltungen auch eine Happy Hour gibt, wo man nur die Hälfte der Kollekte zahlen muss. Es soll bedeuten, an solchen Punkten kann man sich ganz zeitgemäß zeigen, um Kunden, und Gläubige sind scheinbar für die Kirchen schon länger nichts anderes mehr, zu gewinnen, während man sich an wesentlich wichtigeren Punkten auf Traditionen der letzten Jahrhunderte bzw. Jahrtausende bezieht, denen man sich verpflichtet fühlt, womit man wieder mitten im Thema der Heuchelei wäre. Ein After Work Gottesdienst ist übrigens kein Einzelfall, schaut man sich zum Beispiel einen zwitschernden Papst Benedikt XVI. an. Hier erkennt man eben auch wieder deutlich, wie modern und zeitgemäß die Kirche sich geben kann. Wichtig wäre es, einmal klarzustellen, welche Positionen man eigentlich wirklich einnehmen will. Gewinnmaximierung ist man aus anderen Lebensbereichen schon ausreichend gewöhnt, dafür braucht man keine Kirche. Gewinnmaximierung scheint aber auch dort ein Hauptthema zu sein, holt man doch schon die Jüngsten mit ins Boot und es gibt noch ganz andere, ebenfalls fragwürdige Geschäftspraktiken, um möglichst viel Gewinn zu machen.

Das Spiel mit der Angst
Geht man nun einmal vom Lebensbeginn zum Lebensende über und denkt gar nicht erst über die jahrelange Zahlungsverpflichtung dazwischen nach, kommt man zu einem weiteren erträglichen Geschäftsfeld der Kirchen, der Lebensabend. Hier betreibt man eine Vielzahl an nicht wirklich preiswerten Einrichtungen, dessen Preisleistungsverhältnis auch schon einmal Fragen mit sich bringt und dies, obwohl man hier als Arbeitgeber auch noch Privilegien hat, die einem schon auch einen großen Wettbewerbsvorteil verschaffen, dass dies zu immer größer werdenden Protesten führt, stört bei den Kirchen natürlich niemanden, würde ein Einlenken doch im schlimmsten Fall finanzielle Verluste mit sich bringen. Das man sich damit im vollen Umfang an den Spielregeln des globalisierten Raubtierkapitalismus beteiligt, ist schon an sich ein großes Problem, dass man sich allerdings auch noch das Spiel mit der Angst zum Geldeintreiber macht, was selbst in der Wirtschaft zu einem gewissen Teil noch umstritten ist, ist schon unfassbar. Gut sein im Namen Gottes, also im Namen der Kirche ist nur allzu oft auch mit Spenden und ähnlichem verbunden, was den Rückschluss für manchen Christen zu lässt, er könne sich mit Kapitalverschiebungen zu Lebzeiten, eine bessere Zeit nach dem Tod erkaufen. Eine Masche die man so ähnlich in der Versicherungsbranche findet, auch hier werden Horrorszenarien aufgebaut, für den Fall, dass man sich gegen manche Risiken nicht absichert. Dies gilt hier übrigens nicht wirklich als seriös.

All dies zeigt auf, wie die Kirchen vom Tag der Geburt bzw. der Taufe an bis zum Tag des Ablebens ihre Einnahmestrategien haben und dies alles auf Basis eines Buches und einem richtig guten Netzwerk. Man sieht, um auch noch etwas Positives herauszuarbeiten, man kann von den Kirchen durchaus lernen. Es gilt auch festzuhalten, dass all dies keine reine Geschichte des Christentums ist, in anderen Glaubensrichtungen sieht es auch nicht zwingend besser aus aber in Deutschland überwiegt noch immer das Christentum, warum man sich auch hier kritisch damit beschäftigt. Kommerz und Heuchelei im Kontext von Glauben ist natürlich nicht vereinbar, außer man glaubt nur an die Macht des Kapitals und der Lüge, was eigentlich klar gegen die Kirchen, den Vatikan und Papst Benedikt XVI. sprechen sollte. Natürlich sollte man sich auch im politischen Berlin genau überlegen, wie weit man so etwas unterstützen möchte oder sich auch noch in diesem Bereich unglaubwürdig machen will. Eine Glaubenssteuer in einem Land in dem Religion und Staat als getrennt gelten, ist in sich schon wirklich unschlüssig. Den Oberhirten dann auch noch im Bundestag anzuhören macht den Staat noch unglaubwürdiger, was in der aktuellen Situation auch kein Eigeninteresse sein kann. Für all die Gläubigen im Land und das sind wohl am Ende des Tages alle, denn auch die, die nicht glauben, glauben schließlich daran nicht zu glauben, sollte gelten, Glaube ist nichts Schlechtes, Glauben auszunutzen um damit ein Geschäft oder gar Politik zu machen,  ist allerdings verwerflich und gehört kategorisch abgelehnt.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Kultur · Politik

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