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Die Wahrheit des Wortes

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Gibt es in Tunis bald den Euro?

18. Januar 2011

Die Lage in Tunesien bleibt unübersichtlich, dies gilt auch weiterhin, obwohl die Clique, die das Land ausgeplündert hat vom Volk verjagt wurde. Wie es dort weitergehen wird, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Sehr interessant sind aber die Reaktionen aus der westlichen Welt und hier vor allem aus der Europäischen Union (EU), wo man bisher mit den Unrechtsherrschaften Nordafrikas eher kein größeres Problem hatte. Aber auch hier ändern sich die Zeiten scheinbar und man hört schon wieder den Willen, Demokratien nach westlichem Vorbild installieren zu wollen, auch ein Thema, welches einem in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht zum ersten Mal begegnet. Man sieht, es gibt viele gute Gründe sich den Gesamtkomplex einmal im Detail anzusehen und da wird einem von Desertec bis zum Flüchtlingsstrom aus Afrika einiges klar. Es geht auch diesmal wahrscheinlich wieder nicht um die Menschen und deren Leid und dies sollte ihnen auch bewusst sein, denn sonst schreiten sie direkt in die nächste Falle.

Die Wüste muss sicher werden
Viele deutsche Globalplayer von der Deutschen Bank bis Schott Solar haben sich zusammengefunden, um mit Desertec in der Sahara Solarstrom zu fördern. Im besten Falle soll dieser einmal ganz Europa mit Energie versorgen. Dieses lukrative Mammutvorhaben hat nur einige Probleme, die es zu bewältigen gilt. Eines ist die instabile Lage in vielen Staaten Nordafrikas, die so ganz und gar nicht den oft zitierten westlichen Standards entspricht. Da kommen Probleme, wie die aktuellen in Tunesien, natürlich dem ein oder anderen mit Sicherheit gerade recht, vor allem wenn man so quasi durch die Hintertür die gerade angesprochenen Standards einführen kann, wie es die USA in ölreichen Staaten, wie dem Irak oder Afghanistan schon länger versuchen. Kolonialisierung läuft in der heutigen Zeit eben etwas anders, als es noch vor Jahrhunderten der Fall war. Es geht aber auch diesmal um das ganz große Geld. In den Medien war zu hören, das in Tunesien bewaffnete Europäer verhaftet worden seien, darunter wohl auch vier Deutsche. Manch einer mag bei dem gerade geschilderten Kontext an den Bundesnachrichtendienst (BND) denken, leider wird man die Wahrheit in diesem Zusammenhang wohl kaum erfahren, obwohl es natürlich spannend wäre zu wissen, ob und welche Rolle Deutschland hier spielt.

Erstaunlich ist nur, wie westliche Medien, die natürlich auch von vielen Auswanderern aus dieser Region genutzt werden, immer wieder andere Staaten aus der Region mit ins Spiel bringen. Es wirkt zum Teil gar so, als fände man eine Ausweitung der Situation auf weitere Staaten der Region bis hin nach Ägypten gar nicht einmal so verkehrt. Es kommt natürlich die Frage auf, was all dies bringen soll und man darf natürlich voraussetzen, dass es nicht nur ein Vorteil für Desertec wäre, wenn hier Demokratien nach westlichem Vorbild eingeführt würden. Dieser schleichende Prozess, der sich gerade an den verschiedensten Stellen der Welt abspielt, deckt gleich mehrere Punkte ab. Viele Menschen werden meinen, dass es ihnen so besser gehen würde, als es aktuell der Fall ist und in den meisten Fällen dürfte es Generationen dauern, bis sie begreifen, dass dem nicht so ist, denn auch die so genannten westlichen Demokratien verfolgen mittlerweile vor allem gewinnmaximierende und machterhaltende Ziele für eine kleine Clique von vermeintlichen Experten und Eliten. Ein weiterer Fakt ist, dass man durchaus von einer christlichen Prägung sprechen darf, dies bedeutet, dass auf diesem Weg natürlich auch eine Verbreitung des Christentums stattfinden wird, also quasi eine Gegenbewegung zur oft gefürchteten Islamisierung dieser Welt.

Schutzwall gegen die Einwanderung
Es gibt aber noch einen weiteren ganz wesentlichen Aspekt und zwar die Flüchtlingsproblematik aus Afrika in Richtung Europa. Da die westliche Welt scheinbar nicht gewillt ist Afrika nachhaltig bei seinen Problemen zu helfen, werden natürlich auch weiterhin die Massen versuchen den Kontinent zu verlassen und dies geschieht nun einmal in der Regel über Nordafrika in Richtung Europa. Fördert man nun diese Staaten und gibt ihnen ein paar Krümel des vermeintlich so großen Kuchens der EU ab, in dem man sie zum Beispiel als Mittelmeeranrainerstaaten mit in den Euroraum aufnimmt, könnte sich das Flüchtlingsproblem kurzfristig etwas verbessern, da es so neue Ziele für die Flüchtlinge in Nordafrika geben würde. Was dies für neue Probleme für die Region bedeuten würde, mag man sich gar nicht überlegen aber so funktioniert heutige Politik nun einmal, es zählen kurzfristige, wenn auch oftmals nur scheinbare Erfolge und Nachhaltigkeit ist nicht mehr gefragt. Spannend wäre es auch zu wissen, wie die Türkei mit solchen Gedankenspielen umgehen würde. Nur am Rande sei erwähnt, dass sich Probleme die noch lösbar wären, so auftürmen, dass sie irgendwann nicht mehr lösbar sein werden. In Deutschland sieht man dies im Moment sehr schön im Bereich des Gesundheitswesens und beim Rentenversicherungssystem.

Zurück nach Tunesien. Es ist wichtig, dass die Menschen hier begreifen, dass sie darauf achten müssen, dass nicht einfach nur die Machthaber durchgetauscht werden und sie am Ende des Tages wieder als Verlierer da stehen. Man muss ihnen auch klar machen, dass Europa und die hier gelebten Ideologien lange schon nicht mehr das hergeben, was man vielfach denken mag. In Spanien geht man mit dem Militär gegen Streikende vor, in Ungarn versucht man die Pressefreiheit massiv einzuschränken und in Deutschland gibt es scheinbar Kräfte, die sich nichts mehr als einen Überwachungsstaat wünschen. Finanziell sieht es auch nicht so rosig aus und viele Staaten stehen näher am Bankrott, als man es die Menschen offiziell wissen lassen will und irgendwann werden auch die immer größer werdenden Rettungsschirme dem totalen Finanzchaos nichts mehr entgegenzusetzen haben. Der Kollaps Europas steht bevor. Dies sind natürlich Bilder von Europa, die man nicht wirklich sehen will aber hier interessiert man sich auch mehr für die schönen Urlaubsstrände Afrikas, als für die Armut und das Leid auf den Strassen Afrikas. Es ist also für beide Seiten, sowohl für Europa, wie auch für Afrika sehr wichtig sich die Entwicklungen in Nordafrika ganz genau vor Augen zu halten.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Politik · Technik · Wirtschaft

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