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Die Wahrheit des Wortes

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Gewinner und Verlierer mit historischem Blick zur Seite

18. November 2008

Aus journalistischer Sicht kann nichts Besseres passieren, als das, was jetzt wirtschaftlich vorgeht. Der Stoff fürs Schreiben wird täglich geliefert, manchmal sogar wie das Dauerfeuer eines Maschinengewehrs. Und klammheimlich ertappt man sich als Angehörige der schreibenden Zunft, wie gut sich das anfühlt, wenn die Fassaden der Luftgeschäfte wie ein Kartenhaus in sich zusammen brechen. Dann finden sich in den Trümmern dieses Kartenhauses auch Gewinner und so mancher gesellschaftlicher Zündstoff.

So gibt es viele Verlierer und ein paar wenige Gewinner in Österreich. Diese sind die vom Kärntner Peter Löscher geführte Siemens und die Unternehmen, die Energieausweise herstellen. Das sind genau jene Firmen, die eine von der EU gesetzlich verordnete Dienstleistung anbieten. Und das alles wegen der CO2 -Debatte. Der Energieausweis ist bei allen Neubauten vorgeschrieben und ab 2009 auch bei allen Objekten, die vermietet oder verkauft werden. Der Objekteigentümer trägt die Kosten dafür. Vor allem öffentliche Objekteigentümer stehen jetzt Schlange, um einen solchen Energieausweis zu bekommen. Arbeit quillt hier über. Von Kurzarbeit ist bei diesen Unternehmen nicht die Rede.

Wohl aber gehen Unternehmen wie Swarowski, AT&S (der Leiterplattenhersteller), die Post AG und Betriebe der Autoindustrie noch einen Schritt weiter: statt Kurzarbeit gleich Entlassung. Tausende Jobs wackeln und AT&S bietet heuer noch 350 MitarbeiterInnen “freigestellte Weihnachten” zu verbringen. Zwar ist das Öl heute so billig wie vor drei Jahren, doch das rettet nicht über tausende Kündigungen hinweg. Und allein in der Baubranche rechnet man für Frühjahr 2009 gute 60000 Arbeitssuchende. Das ist die Zusammenfassung der ZIB 1 im ORF von diesem Abend.

Man beschönigt noch ein wenig: Österreich schrumpft wirtschaftlich, ist noch nicht in der Rezession. Doch das kommt auch noch, denn Österreich machte in der Vergangenheit zeitverzögert immer das mit, was Deutschland vorlebte. Dort ist die Rezession bereits präsent. Man erinnere sich an dieser Stelle, dass vor einem Monat noch lauthals verkündet wurde, Rezession werde es keine geben. So schnell ändern sich die Zeiten. Übrigens, auch vor einem Monat meinte man bei den Zuständigen in Wien, die AUA müsse österreichisch bleiben. Jetzt gehen die “Mozartbomber” an die Lufthansa - “aua” kann man da nur sagen. Vereint fliegt es sich halt leichter. Oder ist das gar der erste Schritt zur “Wiedervereinigung”? Damals wollte ja auch niemand diesen Staat “Österreich”. Damals vor 90 Jahren konnte man mit diesem geschrumpften Überbleibsel der Monarchie nicht viel anfangen. Und damals hat man statt Energieausweise mit exzessiven Straßenbauprojekten die Menschen aus der Arbeitslosigkeit geholt. In Österreich sind nämlich in den Dreißigerjahren die meisten Hochalpenstraßen, Ausflugsstraßen und Durchzugsrouten entstanden.  Hoffen wir, dass die Entwicklung eine andere nimmt, als jene nach dem Ersten Weltkrieg.

AMW

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Kategorie: Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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