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Die Wahrheit des Wortes

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GEREIZT – Die brennende Insel

11. August 2011

Griechenland, Frankreich und jetzt England, die Liste wird auch in Europa immer länger, wenn man von schweren Unruhen spricht. Die Mächtigen Europas müssen sich glücklich schätzen, dass sich all dies noch nicht wirklich globalisiert abspielt, denn dann könnte bald schon ganz Europa brennen und auch diese Warnung ist nicht neu. Während man die Lage in England nur sehr schwer bis gar nicht unter Kontrolle bekommt, laufen natürlich auch die Fragen nach den Hintergründen auf Hochtouren. In England spricht man jetzt schon von einer verlorenen Generation. Hier wird natürlich wieder einmal versucht ein grundlegendes, riesiges Problem der westlichen Welt auf ein kleines Einzelproblem des Ganzen zu kanalisieren, denn verlorene Generationen gibt es wohl überall in Europa und das ist noch lange nicht alles. Wenn man sich all die schweren Ausschreitungen, die diesen Kontinent in den letzten Jahren immer wieder überrollten, anschaut, kommt man unter verschiedenen Definitionen immer wieder an den Punkt der Armut, die auch auf diesem Kontinent stetig anwächst und für immer mehr Leid und auch Wut sorgt. Durch die verschiedensten Auslöser kommt es dann immer wieder zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen von den Pariser Vorstädten bis in die Zentren von Athen und London. So sieht sie aus, die Spaltung der Gesellschaft. Wie gesagt, noch ist all dies nur lokal organisiert und man kann noch nicht von einer globalisierten Front sprechen, trotzdem ist es jetzt schon oftmals so, dass die Staatsmacht am Ende zu sein scheint.

Immer mehr Polizei?
In London brauchte man in der Spitze bislang 16.000 Einsatzkräfte um die Lage ansatzweise unter Kontrolle zu bekommen, logischerweise fehlten diese Einsatzkräfte an anderer Stelle, so dass sich die Ausschreitungen natürlich auf andere Städte ausbreiteten und manch einer schon von einer brennenden Insel spricht. Auch in Deutschland gibt es ähnliche Probleme, auch wenn Politiker dies natürlich verneinen. So wird es immer schwerer Großveranstaltungen so zu terminieren, dass ausreichend Staatsmacht vorhanden ist, um die Kontrolle noch zu behalten. Die Belastungsgrenzen der Staatsmacht sind hier schon lange erreicht. In England macht die Politik trotzdem so weiter, als würde man hier nur einige Ausnahmefälle sehen, wo Jugendliche völlig ausrasten. Ein fataler Fehler die Lage so zu beurteilen. Die Vorkommnisse in London und vor allem die Plünderungen haben gezeigt, wie klar der Bezug zur Armut hier ist und wenn ein globalisiertes, raubtierkapitalistisches System mit der Hilfe eines eng gewobenen Netzwerkes aus Politik und Wirtschaft immer mehr Menschen an den Rand der Gesellschaft drängt, reagieren diese eben mehr und mehr mit solchen Aktionen. Es geht hier nicht um die Rechtfertigung von Gewalt, es geht hier um eine realistische Analyse der Hintergründe, die ansonsten oftmals einfach nicht über die allgemein seit Jahren und Jahrzehnten bekannten Floskeln hinausgeht. Man kann weiter von einer verlorenen Generation in England, von Problemen mit Einwanderern in Frankreich und Sparopfern in Griechenland sprechen und versuchen die Probleme so zu separieren, es wird aber am Ende des Tages auch nicht helfen.

Auch im Kontext der schweren Krawalle in England versuchte man das Militär zum Schutz der Bevölkerung mit ins Spiel zu bringen. Der Einsatz von Militär bei inneren Angelegenheiten ist in Europa leider schon länger nichts Neues mehr, wie man es auch schon in Spanien im Kontext des Fluglotsenstreiks erleben musste. Auch hier sieht man, dass scheinbar eher noch die demokratischen und freiheitlichen Spielregeln gebrochen werden, bevor man auch nur einen Millimeter von seinem verfehlten Kurs abrückt. Dies zeigt sich auch, wenn in England zum Denunzieren bei Facebook aufgerufen wird und es im Moment so aussieht, als hätte die Bildung so genannter Bürgwehren, schon die ersten drei Todesopfer gefordert. Eine sehr schlechte Entwicklung die Europa auch auf dieser Ebene gerade durchläuft. Denn immer mehr Einsatzkräfte werden auf Dauer nichts bringen und sollte das Vorgehen dieser wesentlich brutaler werden, würde man sich Zuständen annähern, wie man sie zum Beispiel auch gerade in Syrien so massiv ablehnt. Der große Fehler deutscher, wie aber auch europäischer Politik ist es, sich nicht mit den tatsächlichen Problemen zu beschäftigen, um auf diesem Weg die Stimmung wieder anzuheben. Es bleibt eine Politik, die scheinbar nur noch für eine kleine Minderheit arbeitet und den Rest zurücklässt. Was diese zurückgelassenen Massen alles anrichten, wenn sie die Kontrolle verlieren, sieht man in diesen Tagen immer häufiger und sollte sich auch an solche Bilder, wie die aktuellen aus England, gewöhnen. Die Stimmung in der Gesellschaft wird immer gereizter, da der Druck auf die Massen immer mehr anwächst, Spalterei, wie die des aktuellen Premiers David Cameron in Großbritannien, der die Bevölkerung scheinbar gegeneinander aufwiegelt, macht die Lage nur noch schlimmer.

Eine verlorene Gesellschaft?
Man hat Jahrzehnte damit verbracht den Menschen vorzugaukeln, dass es ihnen bald schon besser gehen würde und wenn man jetzt von einer verlorenen Generation in England spricht, muss man sich darüber im Klaren sein, dass dies nicht die erste verlorene Generation ist und das dies auch kein rein englisches Problem ist. Wenn man diese Faktoren nun zusammen nimmt, muss man sich natürlich fragen, ob es nicht an der Zeit ist realistisch einzuräumen, dass man von einer verlorenen Gesellschaft sprechen muss. Es gab viele Möglichkeiten dies zu verhindern aber da man den Mächtigen der Welt immer wieder geglaubt hat, da sie natürlich mit einem Großteil der etablierten Massenmedien auch starke Verbündete hatten und haben, die all ihre Unwahrheiten entweder vorsätzlich oder aus mangelnder, nicht ausreichender Recherche einfach so verbreiteten konnten, kam es bislang nicht zu einem nachhaltigen Systemwechsel. Man sollte aber nicht nur dem hier angesprochenen Teil der Medien einen Vorwurf machen, denn es gibt auch noch andere Teile der Gesellschaft denen man große Bedeutung nachsagte, von denen man meinte, sie würden sich besonders gesellschaftlichen engagieren. An dieser Stelle gilt es immer wieder die Gewerkschaften und Kirchen zu erwähnen aber auch hier kam nicht im Ansatz, dass was man von hier erwartet hätte. Wäre auf diesen Ebenen einiges anders gelaufen und man auch hier nicht so blind und systemtreu gewesen bzw. mit massiven eigenen Problemen behaftet, stünde die Gesellschaft jetzt wohl kaum so nah am Abgrund, wie sie es in diesen Stunden und Tagen tut.

Nun wird es die Gesellschaft nicht sehr viel weiterbringen, wenn man auf den Schuldigen an dieser Situation herumhackt, man sollte sie ignorieren, denn sie haben ihre gesellschaftliche Bedeutung und ihre Ansprüche in den letzten Jahrzehnten gänzlich verspielt. Es geht nun darum ganz neue Strukturen, systemfreie Strukturen aufzubauen, die sich bemühen für eine wirklich freiheitliche und demokratische Welt einzustehen und dafür zu kämpfen. Die Menschen müssen endlich begreifen, dass ihnen auch die nächsten hohen Ziele und Versprechungen von Aufschwung und Besserung nichts bringen werden, außer die immer wieder zitierte Eigenverantwortung. Dies bedeutet dann wiederum, dass sie noch weniger in der Tasche haben werden und sehen müssen, wie sie den, von den Medien vorgegebenen, Standards nachkommen können. Die Situation in England zeigt, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich ihre Standards auf dem Weg realisieren, dass sie plündernd durch die Strassen ziehen und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, ein Weg den sich wohl niemand in einer freiheitlich, demokratisch geordneten Welt wünscht. Auf der anderen Seite will auch niemand, dass eine kleine vermeintliche Elite sich auf Grund von juristischen Schlupflöchern und ähnlichen Faktoren, die die Beteiligten aus der Politik unter den verschiedensten Ausreden auch nicht schließen können oder wollen, sich die Taschen immer voller stopfen, denn auch dies ist nichts anderes, als die Plünderungen, die man auf der Insel in den letzten Tagen erleben konnte. Es ist also nicht schwer zu erkennen, was sich ändern muss und das der Welt die Zeit davon rennt, sollte auch jeder begriffen haben.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Der BALLacker » Heute kein Fußball! // 12. Aug 2011 at 07:35

    [...] Freundschaftsspiels zwischen England und den Niederlanden, welches im Kontext einer fast schon als brennend zu bezeichnenden Insel abergesagt werden musste. Jeder der sich auch nur im Ansatz mit Fußball beschäftigt, [...]

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