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Die Wahrheit des Wortes

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Gekaufte Eliten und Experten

24. August 2009

Es scheint als würde die Krise Deutschland noch länger fest im Griff halten, auch wenn viele vermeintliche Experten das Gegenteil behaupten. Anstehende Massenarbeitslosigkeit und die dadurch entstehenden Schäden für die Steuereinnahmen, wie aber auch für die Binnenkonjunktur und die Gesellschaft an sich, werden da gerne schon einmal ignoriert. Auch das dieses laue Lüftchen an Aufschwung, über welches wir im Moment reden, für Billionen an Staatsgeldern erkauft wurde und man selbst hier noch nicht einmal mit Sicherheit sagen kann, ob sich diese massive Investition von Steuergeldern überhaupt auch für die Bevölkerung, die letztendlich dafür aufkommt, gelohnt hat, wird oftmals vergessen. Wie kommen aber nun die vermeintlichen Experten zu ihren Schlüssen und vor allem, warum muss man eigentlich von vermeintlichen Experten sprechen?

Doktortitel im Sonderangebot?

Am Wochenende verbreitete sich in Deutschland einmal mehr eine Nachricht, die einen echten Skandal darstellt. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 100 Professoren der verschiedensten Fakultäten bundesweit. Der Verdacht der im Raum steht ist, dass sie Menschen zu akademischen Titeln verholfen haben, denen diese ansonsten wohl nicht zugänglich gewesen wären. Das Zauberwort heißt wohl auch hier Bestechung. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein Institut in Bergisch Gladbach, welches gegen Gebühren, die dann wohl oft genug auch in Schmiergelder investiert wurden, dafür sorgte, dass Menschen einen Doktortitel erhielten, deren Examensnote zum Beispiel unter normalen Umständen nicht ausgereicht hätte. So gab es scheinbar Doktortitel im Sonderangebot. Im Klartext bedeutet dies, dass wohl viele Menschen in diesem Land herumlaufen, von denen man denkt sie wären außerordentlich gut qualifiziert, da sie einen Doktortitel haben. Tatsächlich hätten sie diesen allerdings auf normalen Weg nie erlangen können. Wie bei so vielen anderen Skandalen auch, stellt sich nun die Frage, ob wir nicht auch hier nur von der Spitze eines Eisberges reden müssen. Diese Entwicklung scheint aber auch eine von vielen Gründen zu sein, warum wir auch immer mehr Experten haben und was die uns in den letzten Wochen und Monaten beschert haben, ist nun hinlänglich bekannt.

Expertenmeinungen, die gerade auch in Zeiten der Krise scheinbar als immer wichtiger eingestuft worden sind, stehen plötzlich auf tönernen Füßen, zu mindestens zu einem noch nicht genau zu quantifizierenden Anteil. Die Meinung vieler Menschen, die man auf Grund ihrer Titel für besonders qualifiziert hielt, bewegen Aktienkurse, sind maßgeblich mitverantwortlich für große Entscheidungen in der Politik und Wirtschaft und nun dieser Skandal. Natürlich erklärt sich so auch sehr schön, warum Expertenmeinungen oftmals nicht viel mit der Realität zu tun haben, denn wenn Menschen akademische Grade erhalten, die ihnen auf Grund ihrer Leistung, ihres Wissenstandes und ähnlichem her gar nicht zu stehen, sind Fehler natürlich nicht wirklich überraschend. Man darf bei alldem nicht vergessen, dass hiermit letztendlich auch wieder der Steuerzahler geschädigt wird, die Gesellschaft wird einmal mehr zum Opfer einer vermeintlichen Elite. Denn man muss auch berücksichtigen, dass sich ein gewisser Teil von Akademiker schon einer gewissen Elite zugehörig fühlt. Nun scheint aber ein Teil dieser vermeintlichen Elite nicht auf Wissen zu basieren, sondern schlicht und einfach auf Kapital. Ob eine Wissenselite basierend auf Kapital, anstatt auf Wissen nun wirklich etwas Positives für die Gesellschaft darstellt, darf wohl bezweifelt werden.

Die Spitze des Eisbergs?

Natürlich darf man davon ausgehen, dass dies kein rein deutsches Problem ist, sondern ein Problem, welches auch an anderen Orten in Europa und dem Rest der Welt auftritt, dies macht die Situation allerdings für ein Land, welches sich einen hohen Bildungsstandard auf die Fahne geschrieben hat, auch nicht besser. An dieser Stelle ist natürlich wieder einmal die Politik gefordert, um Mittel und Wege zu finden, dass sich solche Skandale nicht wiederholen. Aber auch die Medien sollten sich genau überlegen, wen sie ihrem Publikum so alles als Experten präsentieren und hier genau prüfen. In diesem Fall gilt dies übrigens oft auch unabhängig von irgendwelchen akademischen Graden. Denn wer einem in der heutigen Zeit in den Medien alles als Experte vorgesetzt wird, ist phasenweise schon mehr als bedenklich. An dieser Stelle kommen wir allerdings zu einem weiteren Problem. Wie dieser aktuelle Skandal sehr schön deutlich macht, nimmt auch hier Kapital mehr und mehr Einfluss auf Wissen und auf die Verbreitung wissenschaftlicher Inhalte, einem Gut, welches letztendlich jedem freizugänglich sein sollte. Wenn sich nun aber einen Wissenselite herausbildet, die nicht mehr auf geistiger Arbeit basiert, sondern auf dem Einfluss von Kapital, stellt dies ein großes Problem dar. Denn so nimmt Kapital direkten Einfluss auf die Gestaltung und Verbreitung geistiger Arbeit und kann diese natürlich auch jederzeit nach belieben für die eigenen Zwecke manipulieren.

Da es, wie bereits erwähnt, noch nicht sicher ist, ob der Fall von Bergisch Gladbach, der sich letztendlich auf das ganze Bundesgebiet bezieht, nicht nur die Spitze eines Eisberges ist, muss man genau im Auge behalten, welche Auswirkungen dies auf das gesamte System hat. Eine sehr genaue und vor allem unabhängige Prüfung sollte hier höchste Priorität haben. Man müsste schauen, wie viele dieser Menschen, die ihren akademischen Grad zu unrecht erhalten haben, im Moment in welchen Positionen sitzen und welchen Einfluss auf die Politik und die Wirtschaft haben und natürlich darf es nicht dazu kommen, dass diese Menschen irgend einen Einfluss auf die Aufklärung oder den Umgang mit diesem Skandal nehmen können. Wenn man hört, dass nun schon die Frage im Raum steht, ob man diesen Menschen ihre Titel aberkennen sollte, wird man nachdenklich, ob dies im Moment der Fall ist. Denn eigentlich dürfte sich diese Frage gar nicht stellen, denn wenn zum Beispiel Noten nicht ausreichten, steht diesen Menschen der Titel nicht zu. Andernfalls würde in diesem gesamten System wohl etwas massiv nicht stimmen. Man darf sich auch gar nicht überlegen, wie hoch der Schaden der von diesen Menschen ausgeht ist, den sie gegebenenfalls schon in der Wirtschaft und Politik angerichtet haben, denn ganz offensichtlich ist ein gewisser Teil der vermeintlichen Eliten und Experten, die hier wichtige Entscheidungen fällen, dazu nicht wirklich in der Lage. Hiermit erklärt sich aber nicht nur, warum man von vermeintlichen Eliten und Experten sprechen muss, sondern ganz offensichtlich auch, warum in diesem System, gerade auch in Zeiten der Krise, so vieles falsch läuft.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Nativ Peltier Leonhardt // 24. Mrz 2010 at 19:45

    Entscheidend ist anscheinend das Können Autodidakten und nicht die Verbildeten einser Kandidaten.
    Das System soll dem den Vortritt lassen der es kann und will ganz unabhängig vom viel zu Hoch gehängtem Akademischen Grad. Bildung wird ohnehin viel zu ernst genommen andere menschen sind auch Klug und Intelligent auch ohne Titel und Abitur.
    Aufhören einem Funktionstitel zu trauen, besser einem Menschen trauen VERTRAUEN auf grund von Menschlicher Überzeugung und nicht aufgrund von Titeln.
    Deutschland hat viele Verbildete die Uns auch noch Regieren, das ist Schlimm.

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