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Die Wahrheit des Wortes

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Geiz ist geil und Gier ist in – nur bis zum 28. März 2009!

14. Februar 2009

So könnte man die momentane Diskussion um Österreich´s Managergehälter umschreiben. Während laut Armuts- und Reichtumsbericht für Österreich rund zwei Millionen Menschen Probleme haben, mit ihrem Einkommen auszukommen – das sind die so genannten “working poor”, verkünden Spitzenmanager ihre mangelnde soziale Kompetenz indem sie weiterhin Prämien kassieren. Um sich rein zu waschen, geben sie sogar an, ihre Dienstautos aus dem Privatvermögen heraus zu erwerben, damit die Debatte darum vom Tisch ist. Wie muss es um ein Privatvermögen bestellt sein, wenn der Audi Q7 aus dem eigenen Börserl locker bezahlt werden kann?

Attac Austria startet in der kommenden Woche einen Kinospot und zeigt dabei, welchen Anteil die Banken und das Finanzwesen an der Krise haben. Ein Systemwechsel wird gefordert, wobei die Politik den Rahmen vorzugeben hat, in dem sich das Finanzwesen bewegen soll. Derzeit sei es umgekehrt, denn die Politik arbeitet dem maroden Finanzsystem zu. Geld, das für die soziale Absicherung, für Bildung und Gesundheit gebraucht würde, fließe jetzt zu denjenigen, die die Krise verursacht haben. So ruft man, gemeinsam mit dem Weltsozialforum zum Protesttag auf. Am 28. März 2009 ist Demonstrationstag für eine neue Weltwirtschaftsordnung, nicht nur in Österreich, sondern weltweit!

Da stellt es dem sprichwörtlichen Hausverstand die Nackenhaare auf. Die Regierung verkündete gestern ein Körberlgeld als Ostergeschenk. Bei 2000 Euro Bruttoverdienst stünden einem 152,00 Euro Bonus zu, bei rund 6000 Euro Bruttoverdienst fast satte 500,00 Euro Bonus. Wie das? Wie kann es sein, dass derjenige, der sowieso schon über ein knappes Einkommen verfügt nur Anspruch auf 152,00 Euro hat? Oder will man den Kleinverdienern nicht mehr Geld in die Hand geben, weil diese damit nicht umzugehen wüssten? Große Kohle für Gutverdiener, kleine Kohle für den Kleinverdiener – alles nur eine Sache der Gewöhnung an Zahlen. Oder anders gesagt: “Geiz ist geil und Gier ist in.” Diese Maßnahme passt der österreichischen Bundesregierung ins Konzept: “Kleine Einkommen stiegen schwach, hohe Einkommen stark.”, so liest man es im ÖGPP-Bericht. Denn im untersten Einkommensdrittel stiegen die Einkommen in den letzten zehn Jahren um neun Prozent, im obersten Drittel gar um über vierzig (!) Prozent. So denkt und handelt sie also, diese Bundesregierung. Ja nicht das satte Körberlgeld aus Prämien der Spitzenverdiener abstreitig machen. Oder spiegelt sich darin die Zusammensetzung der Regierung wider: die Hälfte sind Beamte, und den Beamten ging es in Österreich immer gut, den pragmatisierten Spitzenverdienern, wenn man noch rechtzeitig in diesen Job eingestiegen war.

Der Hausverstand fragt hier einmal nach und meint, ob es denn möglich wäre, Spitzengehälter zu beschränken. Nein, da putzt man sich ab und wird verlegen. Man kauft sich den Dienstwagen sowieso vom eigenen Geld, meint der Betriebsrat der VOEST im Interview. Also wozu aufregen, liebe Österreicher, ist doch gar nicht so schlimm. Und der Präsident Leitl der Wirtschaftskammer Österreich glaubt, die zunehmende Schwarzarbeit sei eine logische Folgeerscheinung der Wirtschaftskrise. Diese könne man in den Griff bekommen, indem “haushaltsnahe Dienstleistung” von der Steuer absetzbar gemacht werden soll. Hat da der Herr Leitl vergessen, dass “Pfuschen” plus Vollzeitarbeitsplatz ein Kündigungsgrund sein kann? Oder hat man da beim Arbeitsrecht gefehlt – das WIFI hätte da einen Kurs dazu, sprich die “Unternehmerprüfung”. Also lassen wir uns das einmal erklären, wie der Pfuscher eine Rechnung legen soll, ohne dass sein Arbeitgeber drauf kommt, was er noch so tut? Und selbst wenn dieses legal erfolgt, stellt es auch einen Kündigungsgrund dar: entweder arbeiten bei der Firma oder selbständig sein. Beides geht nicht. Doch Herr Wirtschaftskammerpräsident träumt von 700 Euro Zusatzverdienst durch Schwarzarbeit: “Das ist durchaus möglich.”

Vielleicht wird der 28. März 2009 wirklich ein Aktionstag, der diesen Spitzenverdienern und praxisfernen Entscheidungsträgern und ihrem System einmal ordentlich einheizt. Denn mit Hausverstand sind derartige Maßnahmen und Argumente nicht nachvollziehbar. Working poor bleibt working poor und Spitzenverdiener bleibt Spitzenverdiener, Geld fließt dorthin, wo man die Löcher des bereits kollabierten Systems nochmals stopft und so nebenbei buhlen die Banken bereits ums kleine Geld der einfachen Leute. Vier Prozent Fixzinsen und mehr werden da versprochen, schon bei einer Einlage von 1000 Euro aufs Konto. Und das in Zeiten der Senkung von Leitzinsen, dem Auffangen eines bankrotten EU-Landes (Island) und der hoch schnellenden Arbeitslosigkeit. Aber vielleicht braucht man dieses Geld um die Kreditverluste in den Ostländern in der Höhe von 260 Milliarden Euro auszugleichen.

AMW

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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