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Die Wahrheit des Wortes

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Geht von der aktuellen Verschuldung eine wirkliche Gefahr aus?

8. März 2010

Von unserem Gastautor Martin Glogger

Grundsätzlich sind Staatschulden (in erträglichem Maß) ja nicht gleich ein Problem. Auch China, Indien und andere ostasiatische Länder haben Staatsschulden, aber dass sind aufwärts strebende Völker, die nachweislich dabei sind ihren Wohlstand aufzubauen. Wir (Deutschland und im Grunde alle westlichen Industrieländer) dagegen sind abwärts strebende Völker, die ihren Wohlstand immer weiter abbauen. In diesem Fall sind die Schulden also existenzgefährdend und zwar für einen großen Teil der Bevölkerung. Nicht zu vergessen der auf die immer weiter wachsenden Schulden wirkende ZinsesZins-Effekt. Zur Verdeutlichung des Ganzen beziehe ich das Schuldenproblem auf einzelne Menschen. Es ist doch ein deutlicher Unterschied ob ein Heer von Langzeitarbeitslosen Schulden hat oder ob viele motivierte Unternehmer mit erfolgversprechenden Produkten/Diensten Schulden haben. Während die Aussichten der Gläubiger, das Geld zurück zu bekommen, bei den Langzeitarbeitslosen äußerst schlecht sind, sind sie bei den Unternehmern relativ hoch.

Die Lage ist ernst
Mittlerweile leben laut Statistik fast 60 % aller Menschen in unserer Gesellschaft, in irgendeiner Form vom Staat (also vom Steuerzahler), das sind riesige Ausgaben und die Einnahmequellen schwinden in kaum vorstellbarer Geschwindigkeit (Stichwort: Deindustrialisierung). Kein Staat, bei dem so ein Prozess über mehrere Jahre abläuft, kann das auf Dauer schultern.
Viele denken, dass die vielen neuen, häufig kreditfinanzierten Häuser oder mit gigantischen Schulden finanzierten, staatlichen Großprojekte (Straßenbau, Bau und Renovierung von Staatsgebäuden, Kanalerneuerung,…), die sie sehen, unseren materiellen Reichtum wiederspiegeln. Das ist alles nur eine Fassade um die wahre Situation zu verschleiern.
Es ist dringend notwendig, endlich damit aufzuhören, die Gesellschaft (bzw. den Staat) als Füllhorn zu sehen, an dem sich jeder nach Lust und Laune bedienen kann. Vielmehr muss jeder seinen sinnvollen Beitrag zum Allgemeinwohl leisten, anstatt weit über seine Verhältnisse zu leben, gedankenlos zu konsumieren und tatenlos abzuwarten, bis der nächste Aufschwung da ist.
Leider  haben viele Menschen große Angst vor den zukünftigen Entwicklungen und können bzw. wollen deshalb nichts von gesellschaftlichem Wandel bzw. den notwendigen Änderungen bei sich selbst hören. Sie scheinen wie gelähmt, angesichts der Ereignisse, die wir die letzten Jahre erlebt haben (Finanzkrise, Deindustrialisierung, …).
Wenn man mit den, ich nenne sie mal Massenmenschen, spricht, dann stellt man fest, dass sie es nicht einmal böse meinen – sie wissen einfach viel zu wenig über die wichtigen Dinge des Lebens. Die meisten sind so sehr mit sich und ihrem näheren Umfeld beschäftigt, dass sie die gesellschaftlichen Problem (die ja immer auch auf den einzelnen zurückwirken) nur sehr oberflächlich wahrnehmen.

Das wahre Vermögen einer Gesellschaft ist ihre Kreativität und Innovationskraft
Das wahre Vermögen einer Gesellschaft sind nicht die Sachwerte (Immobilien, Autos, Straßen, …), die sie besitzt, sondern es ist die Kreativität bzw. die Innovationskraft der Menschen in dieser Gesellschaft. Die Sachwerte kosten viel Geld bei der Anschaffung und fortlaufend Geld für die Reparatur und Wartung – es sind also in Wahrheit Verbindlichkeiten. Kreativität und Innovation dagegen sind die Grundlage dafür das Geld nicht ausgegeben werden muss (Einsparungsideen) und/oder Geld verdient werden kann – durch die Entwicklung entsprechender Produkte und Dienste.
Diese Kreativität/Innovationskraft entsteht in einer Gesellschaft in der sich Menschen wohlfühlen und sich deshalb aus sich selbst heraus bestmöglich einbringen. Das bedeutet dass sie ihr Bestes geben (ihr ernsthaftes Engagement, ihre Fähigkeiten, ihre Kreativität, …), also ihre Begabungen, Leidenschaften und Werte entfalten und auf diese Weise qualitativ hochwertige bzw. innovative Produkte und Dienste in die Welt bringen. Der Wert jedes Einzelnen addiert sich hier zu einem unbezahlbaren Schatz.
Aber Menschen, die an ihrer Vergangenheit festhalten, sind weder innovativ noch kreativ. Bei einer Gesellschaft bei der viele in einem sicheren Angestelltenverhältnis arbeiten möchten und die Risiken und Unsicherheiten, die mit der Gründung eines Unternehmens verbunden sind, scheuen, bei einer Gesellschaft bei der die Zahl derer die vom Staat abhängig sind (momentan ca. 60 % ), stark zunimmt, wird ein Großinvestor langfristig kein Geld investieren, wenn er es nicht verlieren möchte.

Colanis Aussage
Die Chinesen, die Inder und andere aktive und unternehmerisch denkende Völker werden immer stabiler und damit wächst ihr wirtschaftlicher Einfluss. Wie ich von einigen Menschen, die in China gearbeitet haben oder dort im Urlaub waren, erfahren habe, haben diese nicht nur Ansprüche, sondern sind auch bereit sehr viel dafür zu tun. Die entwickeln sich rasch weiter.
Der weltberühmte Designer “Luigi Colani” aus Karlsruhe beispielsweise hat bei einem Interview mit Franz Gernstl gesagt, dass wir bald die verlängerte Werkbank von China sein werden, wenn wir uns nicht weiterentwickeln. Er sagte die Chinesen und auch andere ostasiatische Staaten haben Hunger (die wollen was), sie scheuen keine Aufwände und vor allem haben die Chinesen sehr viel Geld. Was haben wir als Deutsche und noch schlimmer als Europa da entgegenzusetzen.
In die Staatsanleihen (Bundeswertpapiere) so einer Gesellschaft investieren die Großinvestoren und nicht in eine Gesellschaft, die ihre Kräfte in Bürokratie und unnötigen Konkurrenzkämpfen verzehrt und sich ihre Sachwerte auf Kredite und Hypotheken anschafft. So eine Gesellschaft endet im Staatsbankrott, der sie auf den Boden der Tatsachen wirft. Viele (die sagen, es geht doch noch) werden dann zum Handeln gezwungen. Das Ende der rücksichtslosen und verantwortungslosen Schuldenmacherei bzw. der Abbau der aufgetürmten Schuldenberge steht bevor.
Die wichtigste Eigenschaft eines erfolgreichen Großinvestors ist das langfristige Denken. Diese Großinvestoren warten also bis China, Indien usw. entsprechend stabile wirtschaftliche Verhältnisse haben und dann geht alles Schlag auf Schlag. Ein Großinvestor sagt sich: “Ich zieh mein ganzes Geld aus den deutschen Staatsanleihen ab, weil ich nicht mehr an den Erfolg einer Gesellschaft glauben kann, bei der die Mehrheit vom Staat lebt und bei der viele Führungskräfte eisern an der Vergangenheit festhalten. Ich nehme meine vielen Millionen bzw. Milliarden und investiere sie in die Staatsanleihen der Völker (im Osten), die gerne denken, lernen und kreativ sind.

Ein mögliches Zukunftsszenario
Gut es wird also weitergehen wie bisher, bis am Tage x folgendes passiert: Der Herdentrieb des Menschen wird sofort dafür sorgen, das alle anderen Großinvestoren ebenfalls ihr Geld abziehen. Dies führt zur sofortigen starken Entwertung unseres Papiergeldes (Hyperinflation). Die kleinen Investoren werden also ihr ganzes Vermögen verlieren, weil es im Zuge der Hyperinflation blitzartig entwertet wird und sie es erst zu spät erkennen werden. Ich erinnere mich gerade an die Geschichte eines deutschen Beamten der Jahrzehnte, alles was er übrig hatte in Staatanleihen investierte und mit diesem (eigentlich) stattlichem Vermögen dann am Ende nur noch einen Laib Brot kaufen konnte.
Das genannte Szenario gilt übrigens nicht nur für Deutschland, sondern ist sehr real auch für den ganzen Westen denkbar. Denn alle westlichen Industrienation (USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, …) sind hochverschuldet und im wirtschaftlichen Niedergang (Stichwort: Dekadenz).
Natürlich muss es nicht wie eben in diesem Szenario beschrieben ablaufen, das Schuldenproblem kann auch über eine lange, schleichende Geldentwertung gelöst werden – dann dauert das Leiden jener, die nicht vom System profitieren, also dem Großteil der Bevölkerung, halt entsprechend länger.

Letztendlich muss das Schuldenproblem durch eine Währungsreform gelöst werden
Am Ende einer Hyperinflation, gezielten Geldentwertung oder Flucht aus den Staatsanleihen gibt eine Währungsreform, wie wir sie bereits 1923 und 1948 hatten.
Wenn man sich über die Zeiten vor und nach den Währungsreformen 1923 und 1948 informiert, so kann man erkennen, dass auch damals die Masse das Schuldenproblem gar nicht als solches erkannt hatte. Als es schließlich dämmerte, dachte ein Grossteil der Bevölkerung, die Schulden gehen sie nichts an. Wie die Weltgeschichte eindrucksvoll beweist, war das eine Illusion.
Wir sind Staatsbürger und müssen für die Schulden, die die Regierung, also die Minister und ihr Millionenheer von Beamten bei uns bzw. ausländischen Investoren machen, am Ende gerade stehen. Die Bürger müssen laut Gesetz für die Schulden des Staates bürgen, deshalb der Begriff “Staatsbürger”. Die Vermögenden werden bei einer Hyperinflation bzw. Währungsreform alles oder zumindest einen Grossteil ihrer Papiergeld-Vermögen verlieren und die anderen deutschen Staatsbürger, werden ihre Schulden bei den ausländischen Gläubigern abarbeiten müssen. Momentan beträgt unsere Pro-Kopf-Verschuldung ca. 20.000 Euro.
Was in diesem Zusammenhang auch noch interessant ist: Die Bundesfinanzagentur ist als GmbH eingetragen, also als Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschafter, der die Stammeinlage (mind. 25.000 Euro) wirksam geleistet hat, kann von den Gläubigern grundsätzlich nicht für die gesamten Schulden der Gesellschaft haftbar gemacht werden. Die Regierung haftet also mit ihrer Stammeinlage von 25.000 Euro und wir mit unserer Arbeitskraft.

Es muss hinterher nicht zwangläufig gut weitergehen
Ein neuer Aufschwung kommt nicht von selbst (etwa durch die unsichtbare Kraft eines Naturgesetzes), sondern nur indem sich einzelne Menschen ernsthafte und tiefgründige Gedanken darüber machen, wie es gut weitergehen kann. Ein Konzept für eine neue Gesellschaft bzw. neue Systeme und Werte wachsen nicht auf den Bäumen, sondern sind die Kopfgeburt von Menschen, die sich mit Hingabe und Disziplin, für uns alle die betreffenden Technologien und Konzepte überlegen und nach jahrelangem, beharrlichem Denken, Lernen und kreativ sein schließlich in die Welt bringen.
Damit dieses Handeln nicht im Chaos endet, formulieren wir ein entsprechendes gemeinsames Ziel und neue Systeme, Werte und Regeln, die unsere Gesellschaft wieder auf den Erfolgskurs zurückführt. Das gemeinsame Handeln als Gesellschaft ist deshalb so wichtig, weil viele Probleme, die eine Gesellschaft hat, immer auch auf jeden Einzelnen voll zurückwirkt – den meisten ist es nur nicht bewusst.
Mögliche, neue Systeme, Werte und Regeln beschreibe ich übrigens auf meiner Website.
Natürlich müssen diese Systeme, Werte und Regeln, am Besten von allen, die daran interessiert sind, dass es hinterher gut weitergeht, diskutiert werden, beispielsweise über die noch aufzubauende gemeinsame Entscheidungsplattform.
Wo wären wir denn heute, wenn unsere Vorfahren alle einfach gesagt hätten, das geht doch nicht, und niemand den Weg gegangen wäre, um wirklich zu sehen, was Menschen erreichen können, wenn sie sich mutig, entschlossen und tatkräftig auf den Weg machen, um sicherzustellen ob etwas wirklich nicht geht?

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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