fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

G8 Nachbarn sagen: Yes we camp!

10. Juli 2009

Da traf sie sich einmal mehr, die vermeintliche politische Weltelite. Es war wieder die Zeit des G8-Gipfels und man traf sich in den Abruzzen, genau dort, wo vor fast genau drei Monaten noch Hunderte Menschen starben und Tausende ihr Heim verloren. Drei große Themen beschäftigten diesen Gipfel. Zum einen natürlich der Klimawandel, dann war da aber auch noch die Weltwirtschaftskrise und natürlich war auch der Iran ein Thema. Richtig ist auch, dass sich genau diese Menschen, etwa auch vor drei Monaten, in einer etwas größeren Runde in London getroffen hatten und es gibt eine klare Parallele zwischen diesen beiden Treffen. Denn wie auch schon in London, wurden auch in L´Aquila vor allem Absichtserklärungen verfasst und die vermeintlichen Ergebnisse klingen oftmals als stammten sie direkt aus der Feder der Gebrüder Grimm.

Zu Gast bei Freunden in Trümmern

Eigentlich sollte dieses G8-Treffen auf der wunderschönen italienischen Mittelmeerinsel Sardinien stattfinden. Allerdings kam die Erdbebenkatastrophe in den Abruzzen dazwischen und so entschied man sich den Tagungsort direkt in das Katastrophengebiet zu verlegen, auch wenn dort in diesen Tagen noch immer die Erde bebt. Selbst wenn dieses Gipfeltreffen als Hilfe für die Erdebenopfer deklariert wurde, denen zum großen Teil bis zum heutigen Tage noch niemand wirklich nachhaltig geholfen hat, muss man wohl einmal mehr von dem puren Zynismus sprechen. Ihrem Unmut darüber machten auch Demonstranten Luft, in dem sie an einem Abhang, der vom Tagungsort aus gut einzusehen war, in großen Lettern `Yes we camp` in Szene setzten. Dies war als Anspielung auf den Werbeslogan des US-Präsidenten Barack Obama zu verstehen, der sagte `Ja wir können` und hier sagte man eben ganz realistisch: `Ja wir campen`. Die ARD sagte zu diesem Gipfeltreffen, in Anlehnung an die Fußball-WM 2006 in Deutschland, `zu Gast bei Freunden in Trümmern` und besser könnte man es nicht beschreiben. Das Schlimme ist nur, dass auch dieses europäische Problem, sobald es als Kulisse für die Großen der Welt ausgedient hat, wieder in Vergessenheit versinken wird, wie so viele andere Probleme, die man nach diesem Schema auch schon benutzte. Genau dies scheint allerdings auch der Spirit solcher Veranstaltungen zu sein.

Die Mächtigen der Welt stellten sich dieser Tage auch einmal wieder über die Natur und beschlossen in Italien, dass sich die Erde nicht um mehr als zwei Grad Celsius bis zum Ende des Jahrtausends zu erwärmen hat. Vermessener kann man wohl kaum sein. Um diese großen Ziele zum Klimaschutz zu untermauern, lief man aber auch gerne in die Kamerasequenzen, um zu zeigen wie sparsam man selber mit den Ressourcen dieses Planeten umgeht. Vergessen wird dabei, wie sehr die Umwelt durch die Anreise all dieser Gipfelteilnehmer und hier machen die Staats-und Regierungschefs nur einen kleinen Teil aus, belastet wird und das alles für ein paar Absichtserklärungen. Im Zeitalter elektronischer Kommunikation hätte man all dies auch im Internet lösen können und die Umwelt so wirklich schonen können. Immerhin hat auf dieser Basis der jetzige US-Präsident seinen Wahlkampf gewonnen. Einziger Haken an dieser Lösung wäre natürlich, dass es nicht so wirksam in Sachen Promotion gewesen wäre, wie es nun Mal ist, wenn diese Weltführer mit trauriger Miene durch die Trümmer dieser Region schreiten. Man hat immer häufiger das Gefühl, als sei nationale, wie aber natürlich auch internationale Politik nur noch eine billige Seifenoper, geschrieben von den Lenkern der Wirtschaft, damit die Menschen, auch die in Europa, denken sie würden noch in Freiheit leben.

Von der Krise bis zum Iran

Die große Zeit der Proteste im Iran für Neuwahlen, für Mirhossein Mussawi und gegen Mahmud Ahmadinedschad scheint auch vorbei zu sein, da fällt es kaum auf, dass diese Geschehnisse auch kein großes Thema auf dem G8-Gipfel in L´Aquila waren, sondern einfach nur wieder weiter um das Atomprogramm des Irans geschachert wurde, als sei man auf einem ortsansässigen Bazar in Teheran unterwegs. Auch dies zeigte ganz eindeutig, warum man bei diesen Menschen ganz offensichtlich nur noch von vermeintlichen Weltführern sprechen kann. Wie man es von anderen Gipfeln dieser Art schon gewohnt ist, sollte auch dieser wieder mit historischen Entscheidungen in die Geschichte eingehen. Taten sie das nicht irgendwie alle? Die Frage, die sich dann nur wieder stellt ist, warum auf diesem Planeten trotz dieser ständigen Gipfel  und deren historischen Entscheidungen, soviel schief läuft und sich so wenig in die richtigen Bahnen bewegt. In Folge des Gipfels von London, sollte sich in den verschiedensten Bereichen vieles nachhaltig verändern, getan hat sich so gut wie gar nichts. Ob die Mächtigen der Welt nicht merken, dass sie sich jedes Mal ein Stück mehr an Berechtigung nehmen, denn letztendlich sind es alles Volksvertreter und das Volk darf gerade im Moment das Fehlverhalten dieser vermeintlichen Eliten ausbaden und dies bezieht sich natürlich vor allem auch auf wirtschaftliche Kontexte.

In London wurde versprochen, dass sich die Wirtschaftssysteme verändern würden und nun liegen schon wieder Massen an Öltankern vor der niederländischen Küste, bis oben hin voll mit Öl damit gezockt werden kann. Ein schöner Beweis dafür, dass man sich das Geld, wie natürlich auch die Klimaschädigung dieses Gipfels, hätte sparen können. Es hat sich nichts verändert und es wird sich auch nichts verändern. Es wird weiter gezockt, die Staatsverschuldungen explodieren etwa so rasant, wie die Summe des Geldes, welches immer wieder, zu immer niedrigeren Zinsen in die Märkte gepumpt wird und die sich, so gerne als frei deklarierenden Medien spielen auch weitestgehend mit und erklären auch in diesen Tagen wieder munter, dass die Regierung meint, dass alles gut werden würde. Genau wie man scheinbar ungeprüft auch Parolen weiterverbreitet hatte, dass die Krise Deutschland nicht so schlimm treffen würde. Alle wollen offensichtlich etwas vom großen Kuchen des Raubtierkapitalismus ab haben und sind auch bereit dafür fast alles zu tun. Womit auch geklärt wäre, warum dieses System noch immer so gut funktioniert. Allerdings werden noch viele Menschen, die sich in diesen Tagen noch zu den so genannten Gewinnern der Krise zählen, auf die Nase fallen. Dies bedeutet natürlich auch, dass die unzufriedenen Massen immer größer werden und dies könnte dann tatsächlich zu einem Systemwechsel führen. Allerdings ist dann die Frage, ob dieser dann noch friedlich vonstatten gehen wird.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu