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Die Wahrheit des Wortes

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Fusion frisst Jobs

4. September 2008

Seitdem Wochenende ist es Fakt, die Commerzbank schluckt die Dresdner Bank. Man hatte lange Zeit das Gefühl, dass diese Fusionsgerüchte nur den Sinn haben, die Kurse nach oben zu treiben. Ein Gedankengang der in der heutigen Wirtschaftswelt sehr schnell aufkommt. Denn solche Gerüchte entstehen jeden Tag und haben ganz offensichtlich oft nur ein Ziel und zwar die Kurse fleißig nach oben zu treiben. Denn auch so kann man Geschäfte machen. Auch die gerade angesprochene Fusion war schon oft besprochen und geplant worden aber letztendlich dann doch immer wieder gescheitert. Dies Mal kam es allerdings anders, denn nun sind Fakten entstanden und genau diese betreffen viele Menschen. Die Auswirkungen dieser Fusion werden weit über die Bankenmetropole Frankfurt hinaus zu spüren sein.

Konkurrenzlos

Die Nummer zwei am deutschen Bankenmarkt, die Commerzbank übernimmt die Nummer drei, die Dresdner Bank. Somit entsteht nach der Deutschen Bank, Deutschlands zweitgrößtes Bankenimperium. Jetzt mag manch einer positiv angetan sein, von einer solchen deutschen Großbank, gerade auch hinsichtlich globalisierter Märkte, wo Größe auch immer einen Schutz vor Übernahme darstellt. Allerdings wird man hier beim genaueren betrachten der Fakten schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, denn legt man ein internationales Ranking zu Grunde, ist die neue deutsche Großbank gerade Mal auf Platz 26 und somit sehr wohl noch ein Übernahmekandidat. Natürlich ist die Position gestärkt aber man hat bei weitem noch nicht die Gefahrenzone verlassen. Was in dieser Gefahrenzone alles droht, zeigt gerade auch ganz aktuell der Verkauf der Mittelstandsbank IKB an die amerikanische Heuschrecke Lonestar, die mit einem Schlag Einfluss auf 20.000 mittelständische Unternehmen nehmen könnten.

Ob die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank für den Markt, außerhalb des Marktes der Anleger, positiv sein wird, bleibt abzuwarten. Denn es geht auch hier, wie in der gesamten deutschen Wirtschaft, immer weiter im Bereich der Konsolidierung. Die Vorteile liegen auf der Hand, die Kosten werden gesenkt und die Marktpositionen gestärkt. Aber die Konkurrenz wird auch mehr und mehr eingeschmolzen. Immer häufiger sieht es am Ende des Tages so aus, dass einige wenige Großunternehmen bleiben und dies kann einfach, gerade auch aus wettbewerbstechnischer Sicht, nicht gut für den Kunden sein. Denn seine Auswahlmöglichkeiten schrumpfen täglich weiter, während sich die Preisspirale kontinuierlich immer weiter nach oben schraubt. Beste Beispiele hier für findet man auch auf dem Energiemarkt, begonnen von Energieversorgung bis hin zu den Tankstellen. Genau diese Beispiele zeigen ein Mal mehr sehr schön die Gesamtbreite und Allgemeingültigkeit solcher Fusionen auf.

Arbeitsplätze kosten auch Wählerstimmen

Nicht nur das man das Gefühl nicht los wird, dass genau solche wirtschaftlichen Elefantenhochzeiten immer mehr dafür sorgen, dass scheinbar der Markt selbst und viel weniger der freie Wettbewerb die Preise bestimmt, kosten sie auch immer wieder massiv Jobs. Auch die 9.000 Arbeitslätze die im Fall der angesprochenen Bankenfusion zur Disposition stehen werden in der Statistik kaum auffallen, denn es gibt ausreichend Arbeit in Deutschland. Wie die persönlichen Schicksale hinter den Kulissen aussehen ist dabei zweitrangig. Man hat es bei einem anderen deutschen Wirtschaftsriesen gerade erst wieder erleben dürfen. Die Telekom schließt einen großen Teil ihrer Callcenter. Wobei dies nicht gleichbedeutend mit Arbeitsplatzabbau ist. Die Menschen dürfen an den verbleibenden Standorten weiter arbeiten, dass dies für viele, gerade auch Teilzeitbeschäftigte, nicht mehr lukrativ sein wird, liegt ganz offensichtlich nicht im Einflussbereich des Unternehmens.

Die Veränderungen die die Globalisierung mit sich bringt, werden auch in Deutschland immer spürbarer. Die Vernichtung der Sozialenmarktwirtschaft schreitet immer weiter voran und die Schere zwischen denen die so gut wie Nichts haben und den Superreichen wird immer größer. Auch dies ist ein Ergebnis der Agenda 2010, die gerade gestern erst im bayrischen Wahlkampf durch Franz Müntefering (SPD) noch ein Mal hochgehalten wurde. Es scheint nur noch um Gewinnmaximierung zu gehen, darum das die Aktionäre zufrieden sind. Umso erschreckender ist es, dass ein solcher Kurs von einer Arbeiterpartei unterstützt und sogar mitgetragen wird. Auch wenn man die Rückkehr Franz Münteferings (SPD) wohl als einer der politischen Comebacks des Jahres ansehen muss, ist seine Haltung auch im Sinne der SPD nicht nachvollziehbar. Solch turbokapitalistische Ansätze in dieser Partei sind die, die dafür sorgen, dass sie gerade Mal noch bei gut 20 Prozent der Wählerstimmen liegt. Am Ende des Tages bleibt die Erkenntnis, dass immer mehr Jobs gefressen werden die ein Leben ermöglichen und immer mehr bleiben mit denen man bestenfalls noch überleben kann und die Politik forciert dies alles auch noch.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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