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Die Wahrheit des Wortes

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Fukushima – Schon vergessen?

16. Mai 2011

Es ist nun fast genau zwei Monate her, dass es zu einem schweren Seebeben vor der japanischen Küstenstadt Sendai kam. In Folge dieses Bebens wurde ein Tsunami ausgelöst der, genau wie das Beben selbst, zu einer bislang noch nicht abschließend geklärten Opferzahl führte und Japan vor riesige Probleme stellen sollte, denn es sollte noch viel schlimmer kommen. Durch die Kombination dieser Naturkatastrophen kam es im Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima zu einem Super-GAU und man muss sagen, dass weder Japan, noch der Rest der Welt bislang wirklich ausreichend über die Folgen, gerade auch die Langzeitfolgen, dieser Atomkatastrophe informiert worden sind, stattdessen setzt man auch hier wieder auf Verdrängung und folgt damit der Tradition von Tschernobyl. Speziell in Deutschland zeigte sich im Kontext dieser Katastrophe auch ein interessanter Ablauf, denn die Katastrophe fand kurz vor den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg statt und wurde von so gut wie allen politischen Kräften doch sehr massiv zur Positionierung genutzt. Der große Sieger in diesem Kontext waren die Grünen. Nun nach zwei Monaten wird es schon wieder ruhiger und man kehrt zum politischen Alltag zurück und dies in einer Art, die die Frage aufwirft, ob man Fukushima eigentlich schon vergessen hat.

Hat Fukushima ausgedient?
In kürzester Zeit nach dem Atomunfall im Atomkraftwerk (AKW) im japanischen Fukushima waren auch deutsche AKWs nicht mehr sicher und wurden zum Teil vom Netz genommen. Die gesamte deutsche Atompolitik sollte sich plötzlich völlig neu gestalten und dies alles in einer Form, die erahnen ließ, dass man den Super-GAU von Tschernobyl, dessen 25. Jahrestag man gerade erst beging, schon völlig aus dem Bewusstsein gelöscht hatte. Denn für die durch Fukushima ausgelöste Atomdebatte, hätte man diesen zweiten Super-GAU binnen eines Vierteljahrhunderts nicht gebraucht, denn alle Fakten waren auch vorher schon bekannt und hätten wirklich niemanden überraschen dürfen. Genau diese Verhalten der Politik, lässt die Vermutung aufkommen, dass die Atomkatastrophe von Fukushima gezielt für den Wahlkampf genutzt wurde und nun wohl ausgedient hat. Schon längst mussten die Nachrichten aus Nordjapan, denen zum Krieg in Libyen und der Erschießung von Osama bin Laden weichen, was auch nur bedingt verständlich ist. Noch schlimmer ist allerdings, wie sich dieser Verdrängungsprozess, an dem natürlich auch die Medien maßgeblich beteiligt sind, auf die aktuelle Atompolitik auswirkt, denn auch hier entspannt sich doch wieder einiges und die Hektik, die kurz vor den Wahlen noch herrschte, ist längst dem üblichen Politikschach gewichen und es scheint oftmals so, als sei alles nicht so schlimm gewesen.

Hatte man kurz nach der Atomkatastrophe und kurz vor den Landtagswahlen noch das Gefühl vermittelt bekommen, als könnte einem jede Sekunde gleich ein AKW in Deutschland um die Ohren fliegen, scheint die Gefahr, ganz ohne eine Veränderung der Situation, nun erst einmal gebannt zu sein. Deutschland, das Land in dem Ethik und Moral so oder so schon seit Jahren auf dem Rückmarsch sind, verfügt immerhin über eine Ethikkommission, die sich nun auch mit dem plötzlich so wichtig gewordenem Thema schneller Atomausstieg beschäftigte und zu dem Ergebnis kam, man sollte bis 2021 aussteigen, also innerhalb der nächsten zehn Jahre. Dieser Wert klingt nun mehr, wie ein für alle Seiten annehmbarer statistischer Wert, als eine wissenschaftlich fundierte Aussage. Statistik ist aber gerade im Fall von Super-GAUs etwas sehr fatales, denn rein statistisch betrachtet, kommt es `nur` alle 88 Jahre zu einer Katastrophe, wie der von Tschernobyl oder etwa Fukushima. Wie daneben diese Statistik in der Realität ist, weiß man jetzt auch seit gut zwei Monaten. Im Gesamten wird man das Gefühl nicht los, als würde nun alles, wie bisher auch, weitergehen und zwar ohne Rücksicht auf die genannten Katastrophen und damit auch ohne Rücksicht auf die Gesundheit und das Leben der Menschen und dies ist natürlich aus ethischen Gesichtspunkten, dann auch wieder sehr spannend, um es einmal sehr nett zu formulieren.

Die Leere nach Tschernobyl
Man hätte schon aus der Atomkatastrophe von Tschernobyl Lehren ziehen müssen, stattdessen blieb nur eine große Leere und diesmal scheint es wieder in diese Richtung gelenkt zu werden. In der letzten Woche gab es noch einen Jahrestag und zwar ging vor genau 45 Jahren in Rheinsberg das erste AKW der damaligen DDR ans Netz. Im WDR-Radio konnte man dazu einige spannende Fakten hören, so ging es unter anderem auch darum, wie man in der DDR damals mit Tschernobyl umging und wie unfassbar es doch war, wie die Folgen dieser Katastrophe verdrängt worden sind. Ein großer Vorwurf an den damaligen Klassenfeind, dabei war es in Westdeutschland damals nicht anders und schaut man sich an, wie verstrahlt Teile Süddeutschlands bis zum heutigen Tage sind, wird auch im wiedervereinigten Deutschland einiges verharmlost und dies auch nicht nur in einem geschichtlichen Kontext. Auch die Atomkatastrophe in Japan wird wieder verharmlost, zwar ganz anders als damals aber auch die Medienwelt hat sich in den letzten 25 Jahren entwickelt. Was bedeutet es für die Menschheit, dass der Meeresboden vorm Katastrophengebiet massiv verstrahlt ist, da man unendlich viel radioaktiv kontaminiertes Wasser einfach ins Meer leitete. Wie wird man in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit dem aktuellen Katastrophengebiet umgehen? Alles Fragen, die nur zwei Monate nach dem Knall schon keine große Relevanz mehr zu scheinen haben. Man scheint auch hier deutlich zu spüren, wer die Atompolitik wirklich bestimmt und dies sind scheinbar noch immer die Lobbyisten der großen Energiekonzerne.

Für ganz kurze Zeit war man im Kontext der Atompolitik auf dem richtigen Wege und hatte die Hoffnung, dass es mehr gewesen sein sollte, als nur Stimmenfang für zwei Landtagswahlen. Heute muss man festhalten, dass es aber leider auch im Zusammenhang mit einer solch unvorstellbaren Katastrophe nur um Stimmenfang, Macherhalt und Machtausbau zu gehen scheint. Das Verhalten der Politik und weiter Teile der etablierten Massenmedien, wirft natürlich auch wieder die Frage nach deren Berechtigung auf, denn wenn all dies scheinbar nur noch Schein ist und die Fäden in den Hinterzimmern der Wirtschaft gezogen werden, würde dies bedeuten, dass man in einer Scheindemokratie bzw. einer Wirtschaftsdiktatur lebt und dies sollte man sich als freiheitsliebender Mensch dann natürlich nicht bieten lassen. Man sieht auch an dieser Stelle steht die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr gerade wieder neugeordnetes Kabinett vor einer großen Aufgabe und moderieren hilft hier keinem weiter, denn es sind Taten gefragt, Taten mit denen man auch beweisen könnte und sollte, dass man nicht nur eine Marionette der Wirtschaft ist. Mit Spannung darf man verfolgen, wie es in den nächsten Wochen und Monaten bzw. Jahren nun weitergehen wird und dies  gilt natürlich vor allem auch für die Reaktoren in Fukushima und das Zeit das Problem nicht löst, sieht man auch an den Folgen von Tschernobyl, die man auch 25 Jahre nach der Katastrophe noch nicht wirklich im Griff hat. Ebenso spannend wird es aber auch sein, das politische Berlin im Auge zu behalten, denn auch hier ist nun endlich einmal Nachhaltigkeit gefordert, bevor man vom nächsten Super-GAU überrascht wird und dann vielleicht in Deutschland.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

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