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Die Wahrheit des Wortes

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Fukushima – Ein Jahrestag

25. März 2011

Das Leben ist manchmal einfach nur zynisch und dies zeigt sich in diesen Tagen ganz deutlich im japanischen Fukushima. Die Redaktion hatte sich vorgenommen, ziemlich genau in einem Monat, eine Reihe zum 25. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl zu veröffentlichen. All dies ist nun seit zwei Wochen Geschichte, denn seit dieser Zeit wird hier über fast nichts anderes mehr berichtet, als über die Atomkatastrophe, die sich genau jetzt in Japan abspielt. In einem tragischen Zusammenspiel von einem Seebeben vor der Küste von Sendai und einen dadurch ausgelösten Megatsunami, sowie wie der scheinbaren Inkompetenz eines wohl überforderten Kraftwerksbetreibers Tepco, kam es ganz aktuell zum GAU und der Super-GAU klopft scheinbar an die Tür. Somit beziehen sich die Warnungen im Kontext der Atomenergie gar nicht mehr so sehr auf ein Ereignis aus dem Jahre 1986, sondern auf ein ganz aktuelles Ereignis, welches sich gerade jetzt in einer der größten Industrienationen der Welt abspielt. Mit dieser erneuten Atomkatastrophe zeigt sich auch gleich, dass der Mensch offensichtlich nicht lernfähig ist.

Wer kennt die Folgen von Tschernobyl?
Es ist fast genau 25 Jahre her, dass sich in Tschernobyl ein Super-GAU ereignete und weite Landstriche der Region bis zum heutigen Tag unbewohnbar sind. Eine Welle der Skepsis und Ablehnung gegen Atomkraft breitete sich damals schlagartig aus. All die, immer wieder versprochene Sicherheit dieser Technologie wurde 1986 ganz plötzlich von atomaren Winden weggeweht. Auffällig in der damaligen Zeit war, wie auch hier darauf hingewirkt wurde, dass es ein Störfall war, der sich in den westlichen, hochtechnisierten Ländern niemals ereignen könnte. Die genaue Opferzahl der damaligen Atomkatastrophe ist bis zum heutigen Tage übrigens noch nicht seriös ermittelt worden. Scheinbar spielt hier auch ein gewisses politischen, wie aber natürlich gerade auch wirtschaftliches Desinteresse eine nicht unerhebliche Rolle. Heute brauchen wir nicht mehr 25 Jahre zurückzublicken, um zu überlegen, ob Atomkraft eine Energieversorgungsoption ist, die man ins Auge fassen sollte, man muss nur zwei Wochen zurückblicken, um zu erkennen, dass dem mit Sicherheit nicht so ist. Wobei man auch anmerken muss, dass die verlogene Informationspolitik von vor 25 Jahren auch jetzt noch die Agenda bestimmt und man somit davon ausgehen muss, auch diesmal wieder nur einen geringen Bruchteil der gesamten Katastrophe zu kennen.

Während weltweit Krebsraten und Allergieanfälligkeiten, von Missbildungen und ähnlichen gar nicht zu sprechen, immer weiter auf dem Vormarsch sind und die Medizin und die Pharmaindustrie außer immer neuen Verdienstmöglichkeiten, scheinbar kaum Antworten parat haben, werden auch diesmal wieder, auch direkt vor den Toren der Millionenmetropole Tokio, Massen an Menschen sterben. Dies scheint übrigens mehr und mehr der Preis für den Erhalt des globalisierten, raubtierkapitalistischen Systems zu sein. Man hat manchmal das Gefühl, dass hier tatsächlich Kilowattstunden gegen Menschenleben aufgerechnet werden. Lebensmittel bis hin zum Trinkwasser sind verseucht aber die Hauptsache scheint zu sein, dass nur keine Panik aufkommt. In dieser Woche konnte man auch lesen, dass die Strahlung mittlerweile auch Europa erreicht hat und auch dies ist realistisch betrachtet, keine Überraschung. 25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl weiß man, dass man nichts weiß, denn die wirklichen Folgeschäden sind auch nach dieser Zeitspanne noch nicht auszumachen und nun steht eine ähnliche Katastrophe wieder an, was die Situation auf diesem Planeten mit Sicherheit nicht verbessern dürfte.

Was bringen Schätzungen?
Es ist allgemein keine gute Zeit für die Menschheit, denn es gibt noch weitere Probleme von den Folgen des Bebens und des Tsunamis bis hin zum Krieg in Nordafrika. In einer solchen Situation wären verlässliche Fakten sehr wichtig, um den Menschen Sicherheit zu geben. Genau diese sind aber Mangelware, denn es gibt in diesen Tagen vor allem Schätzungen, Vermutungen und ähnliches. Dies gepaart mit einer weiteren Vermutung und zwar der, dass man auch noch an vielen Stellen massiv belogen wird, führt dann zu noch mehr Verunsicherung in der Bevölkerung, was die Gesamtsituation natürlich noch unerträglicher macht. Die Menschen um Fukushima, im Großraum Tokio, letztendlich auf der ganzen Welt haben ein Recht darauf über diese Katastrophe im vollen Umfang informiert zu werden, alleine schon um sich, so fern dies überhaupt möglich ist, bestmöglich zu schützen. Zu mindestens dies sollte man aus der Katastrophe von Tschernobyl gelernt haben. Wenn man sich aber betrachtet, wie in diesen Tagen die Informationspolitik läuft, fragt man sich, ob man in Japan wirklich von einem Land sprechen kann, welches man als Vorbild einer freiheitlichen Welt haben möchte oder ob die Auswirkungen der Diktatur des Kapitals nicht mindestens genauso schlimm sind, wie zum Beispiel die des Kommunismus.

All dies betrifft aber natürlich auch Deutschland direkt, wie man in den letzten Tagen erleben dürfte. Traurig nur, dass es scheinbar in der Politik nur Wahlkampfzwecken im Kontext der anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg dient. Bis vor einigen Tagen galt noch immer die These, die nun fast 25 Jahre lang galt, dass Tschernobyl in Deutschland gar nicht möglich sei, da man in der westlichen Welt und damit auch in Deutschland wesentlich andere und vor allem sicherere Atomreaktoren hätte. Diese These ist mit einem lauten, atomaren Feuerwerk gerade in Japan zerstört worden. Nun aus diesem Fakt ein Wahlkampfthema zu machen und hier sind alle Parteien angesprochen, ist an Ignoranz und Verantwortungslosigkeit gegenüber den Menschen und Wählern nicht mehr zu überbieten. Es zeigt aber auch sehr schön, wie nah die Politik noch an den Menschen ist und wer hier ganz offensichtlich bestimmt, wo es lang geht. Dies zeigt sich im übrigen auch über die Grenzen hinaus bis in die Europapolitik, denn auch auf der Ebene der Europäischen Union (EU) kann man sich nicht auf allgemeine Sicherheitsstandards einigen, wobei man doch sonst von Gurken bis zum vermeintlichen Nichtraucherschutz ein Meister des Reglementierens ist. Man kann nur hoffen, dass diese Katastrophe ausreicht damit der Druck von der Strasse, unabhängig von irgendwelchen Wahlen, diesmal ausreicht, um die Menschheit zu schützen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

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