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Die Wahrheit des Wortes

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Fukushima – Die lange Zeit des Lügens

21. April 2011

Morgen ist es soweit und die Atomkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima verseucht die Umwelt schon seit sechs Wochen und traurigerweise muss man anmerken, dass dies wohl nur ein minimaler Bruchteil der Zeit sein wird, die diese Verstrahlung insgesamt anhält. Fukushima ist aber noch mehr, es scheint nicht nur ein neues Synonym für die Lüge an sich zu werden, sondern zeigt auf zynische Weise auch auf, wo freiheitliche Demokratien an ihre Grenzen stoßen, denn man muss es wohl als unhaltbar einstufen, dass der japanische Staat noch immer nicht ausreichend gegen Tepco und dessen Chef Masataka Shimizu vorgeht. Natürlich erkennt man hier in Japan auch, wer in solchen Gesellschaften das tatsächliche Sagen hat und dies sieht ähnlich aus, wie in Deutschland, wo auch immer mehr die Lobbyisten, anstatt die vom Volk gewählten Politiker bestimmen, wo es lang gehen soll. Die Konsequenzen und dies bezieht sich nun natürlich erst einmal auf die Katastrophe im Norden Japans, werden noch unendlich viel Leid über die Opfer bringen aber bis dahin hat man die Ursache wahrscheinlich völlig verdrängt.

Ein ganz schlechter Witz
In nur wenigen Tagen steht der 25. Jahrestag der Tragödie des Super-GAUs von Tschernobyl an und Fakt ist, dass man mit den Folgen einen guten Beweis dafür hat, wie schlimm so etwas wirklich ist. Hier davon zu sprechen, dass man in Japan alles binnen neun Monaten unter Kontrolle haben will, kann einfach nur ein ganz schlechter Witz sein. Man muss berücksichtigen, dass es in Fukushima um wesentlich mehr radioaktives Material geht, als es in Tschernobyl der Fall war. Außerdem ist das Gebiet im Norden Japans wesentlich dichter besiedelt, von den Folgen des Bebens und des Tsunamis einmal ganz zu schweigen. Tepco und deren Chef Masataka Shimizu sind Meister des Verharmlosens, um nicht zu sagen, scheinbar auch gleich noch Großmeister des Lügens und wie es um diesen Konzern im Kontext von Vertuschung steht, dürfte auch jedem schon lange vorher bekannt gewesen sein. Es schien und scheint nur, gerade auch auf Regierungsseiten, kaum jemanden zu interessieren. Immerhin sorgt die täglich steigende Angst der Menschen für eine immer größere Mobilisierung und dies ist für die dortige Mentalität und die allgemeine Situation noch einmal etwas wirklich ganz besonderes.

Führt man sich die Katastrophe von vor einem viertel Jahrhundert in Tschernobyl noch einmal vor Augen und vor allem die Folgen, sieht man, wie auch im Moment in Japan wieder vertuscht wird bis sich die Balken biegen. In neun Monaten wird man schlicht gar nicht in der Lage sein eine Lösung gefunden zu haben, geschweige denn sie ausgeführt zu haben. Man hatte damals in Tschernobyl damit begonnen eine Schutzhülle, einen Sarkophag zu bauen, dieser war damals auf 30 Jahre ausgerichtet, was im Kontext der Halbwertzeiten, der dort strahlenden Materialien, einfach nur lächerlich ist. Diese Schutzhülle fängt nun schon seit Jahren an mehr und mehr an zu kollabieren und so beginnen die Sorgen, wenn auch abgeschwächt, wieder von vorne und man arbeitet an neuen Hüllenkonzepten. Die Kosten, die all dies nach sich zieht und an denen sich auch Deutschland beteiligt, sind unvorstellbar hoch aber natürlich hat auch Deutschland ein hohes Interesse daran, dass von dieser strahlenden Ruine keine Gefahr mehr ausgeht, schließlich sind Teile des Bundesgebiets bis zum heutigen Tage, auch nach 25 Jahren noch radioaktiv verstrahlt, denn vor so etwas schützt keine Grenze der Welt.

Ganz normale Probleme
Genau mit diesem Punkt erreicht man ein weiteres großes Problemfeld im Kontext der weltweiten Atompolitik, die Risiken, die hier aufgebaut werden, sind in der Konsequenz grenzüberschreitend, wie eben auch das gerade genannte Beispiel aufgezeigt hat. Man kann die hier verwendeten Materialien und auch dies geht in der aktuellen Debatte sehr oft etwas unter, nicht kontrollieren und dies gilt nicht nur für Katastrophen, wie die von Tschernobyl oder Fukushima, denn der entstehende Atommüll ist auch ein riesiges, strahlendes Problem, auch ganz aktuell in Deutschland. Bis zum heutigen Tage gibt es weltweit keine Antwort auf die Frage, wie man Atommüll auch nur im Ansatz sinnvoll und umweltschonend entsorgen will ohne für eine stetig steigende radioaktive Belastung für den Menschen zu sorgen. Dies scheint ganz schlicht daran zu liegen, dass es diese Möglichkeit letztendlich gar nicht zu geben scheint, was natürlich bei den Mengen an Atommüll der bis lang schon produziert wurde und zwischengelagert ist, mehr als nachdenklich stimmen sollte. Dies ist übrigens auch ein guter Beweis dafür, wie unverantwortlich die meisten Politiker mit dem Leben und der Gesundheit der Menschen, die sie vertreten und schützen sollten, umgehen.

Auf einen weiteren Punkt wurde die Redaktion durch einen sehr interessanten Leserkommentar zu einem älteren Artikel über die Katastrophe von Fukushima gebracht. Atomkraftwerke bieten natürlich auch für die Mächte auf dieser Welt, die nicht über eigene Atomwaffen verfügen, fast die gleichen Möglichkeiten atomare Gewalt, zum Beispiel auch gegen Deutschland, auszuüben, wie sie sonst nur die Atommächte haben. Die hier vorstellbaren Szenarien sind weitreichend, von einem Raketenangriff bis hin zu einem Hackerangriff der die Kühlsysteme oder ähnliches außer Kraft setzt, ist vieles denkbar. Man stelle sich einfach nur vor, einem libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi reicht es und er würde einmal mehr ein Passagierflugzeug, wie damals in Lockerbie, sprengen aber eben diesmal nicht in der wundervollen schottischen Idylle, sondern genau über einem deutschen Atomkraftwerk. Was würde hier wohl passieren? Wahrscheinlich würden auch deutschen Energiemanager erzählen, dass alles nicht so wirklich schlimm sei und man alles unter Kontrolle hätte, schließlich sind auch sie jetzt schon immer dabei zu erklären, wie sicher hier doch alles sei. Man sieht auch Deutschland ist näher an Fukushima, wie manch einer denken mag.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

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