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Die Wahrheit des Wortes

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Fünf Jahre mit dem Lesewurm im Vatikan

21. April 2010

Es ist in dieser Woche genau fünf Jahre her, dass weißer Rauch über dem Vatikan zu sehen war und es war keine Vulkanasche, wie man in den heutigen Tagen mutmaßen könnte. Damals, vor einem halben Jahrzehnt wurde Kardinal Joseph Ratzinger zu Papst Benedikt XVI. und damit wurde gleich ganz Deutschland zum Papst. Mittlerweile hat sich doch einiges im Kontext des Papstes aber auch dazu, wie man in Deutschland zur katholischen Kirche allgemein steht, geändert. Nach heutigem Kenntnisstand muss man sagen, dass der Papst für die jetzige Situation direkt nichts kann, allerdings ist es auch sein Umgang mit der gesamten Situation der zu vielen weiteren Fragen, um nicht zu sagen Schwierigkeiten führt. Und die Missbrauchsfälle und Gewaltexzesse in der katholischen Kirche sind auch nicht das einzige Problem, welches dem Vatikan in den letzten fünf Jahren schwer zu schaffen machte.

Ärger mit Juden und Moslems
Papst Benedikt XVI. hat es zum Beispiel während seines Pontifikats geschafft sich sowohl mit Juden, wie auch mit Moslems zu streiten, keiner hätte wohl zu diesem Zeitpunkt geglaubt, dass er dies auch noch mit seinen eigenen Schäflein schafft aber wie man jetzt weiß, hat er es sich auch mit einem gewissen, nicht unbeachtlichen, Teil der Katholiken bzw. der Christen im allgemeinen verscherzt. Dieser Pontifex, was aus dem lateinischen kommt und als Brückenbauer übersetzt werden kann, hat oftmals bewiesen, dass er eine merkwürdige Auffassung zum Thema Brückenbau hat, um es einmal sehr, sehr vorsichtig zu formulieren. Man kann auch bei vielen Themen leicht das Gefühl bekommen, dass bei ihm so etwas, wie ein gewisses Desinteresse zu herrschen scheint. Dies ist natürlich auch gerade im Kontext einer Vorbildfunktion, in einer Zeit in der doch viele Christen so oder so in einer Glaubenskrise stecken und auch Gott ganz allgemein in Frage stellen, nicht gerade das allerbeste Verhalten.

Von Anfang an schien aber auch festzustehen, dass Papst Benedikt XVI. sehr viel daran gelegen ist, seine Werke, seine Bücher fertigzustellen und sich damit seinen Platz in der Geschichte zu schaffen. Man kann also wohl auch annehmen, dass er auch weiterhin viel liest, daher die Anspielung auf den Lesewurm in der Überschrift. Alles in allem sieht man aber auch, dass auch dieser Heilige Vater sehr erfolgsorientiert ist, um es einmal in den Sprachgebrauch unserer heutigen, wirtschaftlich ausgerichteten Gesellschaft zu übersetzen. Natürlich ist an einer solchen Orientierung auch erst einmal gar nichts auszusetzen, man sollte nur auch für andere Aufgaben ausreichend Zeit und Energie haben und natürlich lässt gerade auch die Energie mit zunehmendem Alter nach und dies gilt auch für einen Papst, der an dieser Stelle auch ganz irdische Probleme haben dürfte. Im Moment wäre es von daher vielleicht angebracht, sich aus dem stillen Kämmerlein etwas vom Lebenswerk zurückzuziehen und sich um die unzähligen Opfer der katholischen Kirche zu kümmern, die bis in die Gegenwart auf ein solches Zeichen von ihm warten.

Zollitsch gegen Mixa
Selbst ein Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), hat mittlerweile scheinbar einen Kurswechsel vollzogen. Man erinnert sich noch an die Anfangszeit der Skandale bei der katholischen Kirche im aktuellen Kontext, da versuchte er noch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) mit einem Ultimatum unter Druck zusetzen. Aktuell ist die Tonart da doch eine ganz andere, der Situation wesentlich angemessenere. So räumte er sogar zuletzt noch ein, sich höchstpersönlich um die Aufklärung der massiven Vorwürfe gegen Bischof Walter Mixa einzusetzen, die bis jetzt auch noch nicht wirklich aufgeklärt sind. Natürlich bleibt auch hier erst einmal abzuwarten, wie diese Aufklärung aussehen wird. Dies soll heißen, ob er für Mixa ermittelt und dessen Interessen vertritt und damit dann natürlich auch in einer gewissen Weise die katholische Kirche wahrscheinlich vor weiterem Schaden schützen würde oder ob er neutral an die Sache herangeht und sich damit eventuell auch gegen ihn stellen müsste, wobei dies, wenn es der Situation angemessen wäre, wohl endlich einmal ein gutes Signal der katholischen Kirche wäre.

Denn genau diese Signale sind es, die viele Katholiken vermissen und wenn der Papst sich nun auf Malta mit angeblichen Missbrauchsopfern trifft und die Rede von Tränen in seinen Augen ist, die Öffentlichkeit allerdings nicht unabhängig informiert werden kann, weil man die unabhängigen Medien nicht berücksichtigt, bleibt natürlich gerade in einer tiefen Vertrauenskrise in die katholische Kirche, in den Vatikan und letztendlich auch in Papst Benedikt XVI. mehr ungeklärt, als geklärt. Für Wiedergutmachung für die Negativschlagzeilen, die es allein in den letzten fünf Jahren im Kontext der katholischen Kirche gab, zusorgen, dürfte eine Lebensaufgabe sein. Vielleicht schafft er dies mit seinem großen Werk, an dem er so schwer arbeitet. Sollte dem nicht so sein, bleiben nach seinem Pontifikat wohl eher negative Aspekte seiner Amtszeit, als positive und sein Nachfolger hätte sehr viel zu tun den katholischen Glauben und den Vatikan wieder in ein besseres Licht zu rücken, denn andernfalls muss man sich wohl auch bei der katholischen Kirche auf dauerhaft sinkende Mitgliederzahlen und weniger Geld und Macht einstellen und dies ist mit Sicherheit nicht im Interesse des Vatikans.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur

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