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Die Wahrheit des Wortes

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Frieden im Kaukasus?

13. August 2008

Georgien und Russland steuern nach gut einer Woche Krieg scheinbar auf den Frieden zu. Dies würde allerdings voraussetzen, dass der Konflikt in der Region gelöst wird und leider muss man festhalten, dass dies wohl nicht er Fall sein wird. Südossetien, wie auch Aprasien waren weit über ein Jahrzehnt vor Kriegsausbruch Krisenregionen, dieser Zustand wird nun aber wohl auch zukünftig anhalten. Auch wenn es als sehr positiv zu bewerten ist, dass wohl zu mindestens im Moment alles auf einen Waffenruhe hindeutet, bleibt abzuwarten, wohin sich die Region ganz allgemein bewegt. Es ist aber auch die Frage, welche Auswirkung die Eskalation der Gewalt im weltpolitischen Kontext haben wird.

Die alten Feinde

Nach russischen Angaben, sind seit Kriegsausbruch weit mehr als 2.000 Menschen in dieser blutigen Auseinandersetzung um die beiden abtrünnigen georgischen Provinzen Südossetien und Aprasien verstorben. Die Folgen für die Infrastruktur, aber gerade auch das humanitäre Leid, welches sich nun in einem potenzierten Maß fortsetzen wird, ist gar nicht in Zahlen darzustellen. Die Frage die sich wie so oft bei blutigen Kriegen stellt ist, wem hat das nun alles etwas gebracht bzw. wer hat wirklich Schuld an dieser massiven Eskalation, die bis hin zum Krieg führte. Man muss wohl vor allem auch festhalten, dass die Hauptakteure dieser kriegerischen Auseinandersetzung die USA und Russland waren. Man könnte sogar soweit gehen, dass ein großes Machtspiel auf dem Rücken einer so kleinen Region ausgetragen wurde.

Die Amerikaner haben dieses Land vor den Toren Russlands militärisch aufgerüstet, was Russland natürlich ein Dorn im Auge ist. Russland stellt wiederum in den abtrünnigen Provinzen so genannte Friedenstruppen und versucht so auch weiterhin Einfluss geltend zu machen. Hier zeigt sich, gerade auch von russischer Seite, dass man die Zeiten der Sowjetunion noch immer nicht ganz vergessen hat. Es wäre aber auch falsch, in einem allzu prowestlichen Denkstil davon auszugehen, dass das Verhalten der Amerikaner soviel besser sei. Denn, was diese Aufrüstung in solchen Regionen bringt, zeigt sich bis heute sehr gut in Afghanistan und man kann nicht davon ausgehen, dass die Amerikaner aus ihren Fehlern gelernt hätten, denn im Moment ist man gerade dabei den Irak aufzurüsten. Friedensprozesse sind, wie man sieht, immer relativ zu betrachten.

Bush und Putin

Während Vladimir Putin, der noch immer der starke Mann in Moskau ist, und George W. Bush gemeinsam die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking ansahen, entbrannte dieser grausame Krieg im Kaukasus. Auch wenn nun einige über einen neuen Kalten Krieg philosophieren, was natürlich auch durch die Absage eines geplanten großen gemeinsamen Seemanövers im Pazifik, unterstütz wird, kann man davon ausgehen, dass dies so schnell nicht der Fall sein wird. Auch wenn natürlich jeder Krieg auch ein klarer Wirtschaftsfaktor ist, denn zum einen müssen Waffen und Munition etc. produziert werden und zum anderen muss, dass was zerbombt wurde, auch wieder aufgebaut werden, gibt es auch hier klare Grenzen. So vereinbarten im Hintergrund die Amerikaner und Russen, dass Michail Saakaschwili nicht gestürzt werden dürfte. Daran sieht man, dass die Diplomatie im Hintergrund noch ganz ordentlich funktioniert.

Fakt ist auch, dass eines der Hauptanliegen dieser Auseinandersetzung ein Mal mehr im Bereich der Energiepolitik zu suchen ist. Denn durch Georgien verläuft mit der Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC) einer der wichtigsten Energieadern dieser Erde vom Kaspischen Meer bis ans Mittelmeer. Wer die Hände auf dieser Pipeline hat, ist energiestrategisch ganz weit vorne. Da erklärt es sich von selbst, dass sowohl von russischer Seite, wie auch von amerikanischer Seite her, das Interesse daran außerordentlich hoch ist, in der Region die Macht zu haben oder gewissen Machtstrukturen zu erhalten bzw. diese zu zerstören. Genau hier liegt auch der Schlüssel dafür, dass dieser Konflikt noch lange nicht vorbei ist und man wohl sagen muss, dass der Krieg vielleicht vorbei ist aber man noch weit entfernt vom Frieden in dieser Region ist.

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Kategorie: Europa · Politik · Wirtschaft

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