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Die Wahrheit des Wortes

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Frau Merkel und der kleine Herr Obama

24. Juli 2008

Gerade eben trafen zum ersten Mal Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der designierte amerikanische Präsidentschaftskandidat Barack Obama im Kanzleramt zusammen. Als erstes bleibt festzuhalten, dass Obama, wie der Fototermin in der Skylobby des Kanzleramtes zeigte, ein ganzes Stück größer ist, als die große Frau der deutschen Politik. Trotzdem zeigte dieser reine Fototermin, denn Fragen sind während des gesamten Besuches nicht zugelassen, wie klein und unerfahren Obama scheinbar ist. Er trat nur einige Sekunden vor die Kameras und wollte, fast schon schüchtern wirkend wieder verschwinden, als die Kanzlerin ihn, unter den Protesten der Medienvertreter, förmlich zurück ins Bild zog. Es hat den Anschein als habe hier jemand noch viel zu lernen.

Obama auf den Spuren der Love Parade

Diese, seit Tagen stattfindende, Werbeshow von Obama führte auch in Deutschland zu hitzigen Diskussionen. So waren sich zum Beispiel der Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), aber auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit Obama einig, dass dieser vor dem Brandenburger Tor zu sprechen hätte. Kanzlerin Merkel (CDU) verhinderte dies glücklicherweise. Denn Berlin und seine symbolträchtigen Orte verkommen schon genug zu einer Art Disneyland. Da muss dann nicht auch noch jemand, der von seiner eigenen Partei noch nicht ein Mal als Präsidentschaftskandidat gewählt wurde, denn dies geschieht erst im nächsten Monat, dort seinen Wahlkampf durchführen. Immerhin ist dieser Ort bisher gewählten Staatsoberhäuptern vorbehalten gewesen. Für Barack Obama, der auf seiner bisherigen Werbetour unter anderem als großer Basketballer imponierte, ist der Bereich unterhalb der Siegessäule und der Strasse des 17. Junis genau der richtige Ort. Hier, wo sich jahrelange die Raver der Nation zur Love Parade lang drängten oder zu letzt Oliver Pocher, als Vertreter deutschen Frohsinns, dieses Land blamierte. Wir reden bei Obama von einem dynamischen jungen Mann, der vor allem eines beherrscht, die Show.

In der heutigen Zeit in der alles im schneller, immer dynamischer sein muss, scheint er der perfekte Kandidat zu sein. Dies hat er auch dadurch bewiesen, dass er sich gegen die Ex-First-Lady Hillary Clinton durchgesetzt hat. Man muss aber auch die andere Seite betrachten, denn glücklicherweise ist Show heute zwar fast alles, aber eben nicht alles und es gibt auch immer noch John McCain und das wird der Mann sein mit dem sich Obama letztendlich messen muss. Ein Großteil der Medien und damit sind auch die deutschen Medien gemeint, sind auf das Showtalent von Obama, der übrigens heute das erste Mal in Deutschland ist, reingefallen und haben sich auf ihn eingeschossen. Es darf mit Spannung erwartet werden, wer sich am Ende durchsetzt. Eine Person, die genauso gut aus irgendeiner dieser zweitklassigen Talentshows im Privatfernsehen stammen könnte oder der ruhige, aber stetig im Hintergrund agierende John McCain. Natürlich möchte man in allererster Linie weg von George W. Bush aber das wird ja auch in jedem Fall passieren. Deshalb aber gleich blind in einen gewissen, nicht weiter qualifizierten Wandelwahn zu verfallen, dürfte nicht der richtige Weg sein. Man hätte sich auch ein Mal damit auseinandersetzen können, dass heute einfach nur ein einfacher Senator nach Berlin kommt. Man hätte kritischer darüber berichten können, dass weder Frau Merkel (CDU), noch Herr Steinmeier (SPD) ein Terminproblem hatten. Beim letzten Besuch des Dalei Lama, sah dies zum Beispiel noch ganz anders aus.

Der neue Kalte Krieg

Aber zurück zu den rein politischen Fakten dieses Besuches. Nehmen wir einfach ein Mal an, dass Showtalent von Barack Obama reicht wirklich aus um Präsident der USA zu werden und nehmen wir weiter an, er hält sich an sein Hauptwahlkampfversprechen, den Wandel. Dann würde dies auf Grund der Position der Vereinigten Staaten von Amerika, natürlich auch zu einem Wandel in der Welt führen. Einige Menschen mögen dies jetzt für positiv halten, auf welchen Fakten solche Thesen auch immer beruhen mögen. Wahrscheinlich zieht Obama binnen 17 Monaten die amerikanischen Truppen aus dem Irak ab. Endlich, mögen sich einige jetzt denken. Aber was folgt dann? Eine neue Welle des Terrors? Weitere Anarchie religiöser Fanatiker? Man darf sich in diesem Fall heute schon auf zwei Faktoren freuen. Zum einen auf ein weiteres anheizen der Ölpreise und zum anderen darauf, dass dann über kurz oder lang auch deutsche Soldaten in den Irak dürfen, um diese Suppe dann auszulöffeln. Da darf man sich ja nun schon auf die neuen Kampagnen `Kein deutsches Blut für Öl` freuen. Denn, dass es friedlicher wird, oder sich die USA weltpolitisch zurückziehen, sollte man auch unter Obama nicht erwarten. Denn schließlich sollen die Truppen in Afghanistan zeitgleich verstärkt werden.

Ein weiterer schwerer außenpolitischer Brocken ist das Thema transatlantisches Bündnis und auch hier ertönt erst ein Mal allenthalben Freudenjubel. Aber worüber? Darüber, dass der Mann, der in der Stadt die für europäische Einheit steht, spricht, auch nur eine Ostverschiebung der strategischen Verteidigungslinie in Europa im Kopf haben dürfte. Denn seit Ende des Kalten Krieges ist die Grenze gen Osten nicht mehr Deutschland. Wenn man heute über militärstrategische Abwehrmaßnahmen redet, ist man ganz schnell bei Ländern, wie zum Beispiel Polen oder Tschechien. Diese gefühlte Grenzverschiebung halten allerdings die Machthaber in Moskau und anderswo für, vorsichtig ausgedrückt, nicht ganz glücklich und zeitweilig bekommt man bei diesen Verhandlungen das Gefühl in einen neuen Kalten Krieg zu rutschen. Wandel? Natürlich wird es einen Wandel geben, soviel steht fest. Aber man muss auch festhalten, dass Wandel nicht immer zwangsläufig etwas positives sein muss. Obama gibt einem vor allem das Gefühl, dass es einen Wandel hin zu noch mehr Show geben wird und wie der zu Beginn angesprochene Eklat beim ersten Pressetermin in Deutschland gezeigt hat, beherrscht Obama auch diese noch nicht ein Mal so gut wie viel denken mögen. Die Rede, die in wenigen Stunden vor der Siegessäule stattfinden wird, darf mit Spannung erwartet werden. Außerdem darf man hoffen, dass spätestens danach eine Berichterstattung in der Breite der Medien beginnt, die beide Seiten tiefgehender beleuchtet.

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Kategorie: Europa · Free Tibet · Medien · Politik

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 nachrichtenmagazin.info // 25. Jul 2008 at 05:27

    Der Deutschlandbesuch von Barack Obama in Berlin – eine weitere Episode in einem spannenden Politthriller –>
    Die Wahlkampfmanager von Barack Obama sind geniale Regisseure in einempackenden Politthriller. Erst haben sie Barack Obama in den Vorwahlkämpfen gegen Hillary Clinton hervorragend in Szene gesetzt. Im zweiten Teil dieses Streifens schaffen sie offensichtlich Tatsachen, so dass man glauben mag, Barack Obama sei bereits der neue Präsident der USA. Sie haben Berlin für einen beeindruckenden und sehr staatstragenden Auftritt in Europa ausgewählt. Welche europäische Stadt könnte symbolträchtiger für die Beziehungen zu Amerika sein als Berlin? Dies ist eine weitere dramaturgisch brillant gemachte Episode im Erfolgsfilm „Yes, we can!“
    Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner John McCain hingegen, verblast in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr. Er wird es schwer haben, diesen Vorsprung Obamas aufzuholen. In den Umfragen zur Sonntagsfrage liegt Barack Obama jedenfalls klar vor John McCain. Selbst in den USA findet der Auftritt Barack Obamas in Berlin große Beachtung und ist der Aufmacher in den Nachrichten zur Primetime. Diese Inszenierung verdient unumstritten einen Oskar. http://www.nachrichtenmagazin.info

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