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Die Wahrheit des Wortes

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Fiat – Faul in allen Teilen

4. Mai 2009

Sergio Marchionne, der Chef des italienischen Autobauers, dessen Buchstaben man in Deutschland auch gerne  Mal als Abkürzung der hier verwendeten Überschrift nutzt, trifft sich im Moment unter anderem mit Vertretern der Bundesregierung in Berlin. Sein Anliegen ist es, einen neuen internationalen Automobilkonzern in Form einer Aktiengesellschaft zu schmieden, zu dem dann unter anderem auch der schwer angeschlagene deutsche Autobauer Opel gehören soll. Marchionne hat es immerhin geschafft Fiat aus der Krise zu führen, allerdings kann man auch in seinem Hause nicht im Ansatz von soliden Finanzen sprechen. So munkelt manch einer, dass eventuelle deutsche Staatshilfen für Opel, im Falle einer Übernahme durch Fiat, einfach zur Absicherung der gerade erfolgten, sehr riskanten Übernahme von Chrysler genutzt werden sollen. Man sieht auch diese Woche wird wieder viel Raum für Spekulationen im Automobilsektor bieten.

Faul trifft den Zustand des italienischen Autoherstellers wohl so gar nicht, denn schon seit Wochen und Monaten baut man hier an einem neuen großen Autokonzern und nun soll eben auch noch Opel mit ins Boot geholt werden. Eigentlich sollte man meinen, dass so etwas in einem vereinigten Europa kein Problem darstellt. Allerdings scheinen in einem solchen Fall die nationalen Interessen doch wieder vor den europäischen Zielen zu stehen. Dies spricht natürlich, auch gerade kurz vor den anstehenden Europawahlen, nicht für die Einheit in Europa. Hier zeigen sich dann auch wieder die klaren Defizite in dieser ständig wachsenden Gemeinschaft. Man muss sich allerdings auch fragen, was eine Übernahme von Opel durch Fiat für die deutschen Standorte bedeuten würde und es ist wohl damit zu rechnen, dass vor allem auch in Deutschland nach und nach Stellen abgebaut würden. Welche Impulse in diesem Kontext von der Regierung ausgehen werden, wird sich schon bald zeigen. Man muss auch hoffen, dass das Thema Opel, in welcher Form auch immer, bald als erledigt anzusehen ist, denn die Verunsicherungen aus den letzten Wochen und Monaten ist für niemanden und vor allem nicht für die Mitarbeiter des Konzerns befriedigend.

In aller Freundschaft müsste aber auch ein Mal gänzlich geklärt werden, wo Opel nun wirklich steht. Auch hier gibt es viel Schönfärberei. Auf der einen Seite hört man ständig, wie gut es dem Autobauer aus Rüsselsheim geht, wie gut die Absatzzahlen und die Modelle seien und auf der anderen Seite fleht man förmlich nach Staatshilfen. Gerade vor einigen Stunden tat dies noch der Gewerkschaftler und Aufsichtsratsmitglied Armin Schild im ZDF. Da kommt die Frage auf, wieso ein Unternehmen, welchem es so gut geht, denn unbedingt den Staat braucht um überleben zu können. Sollte es wirklich so sein, dass das Unternehmen ohne staatliche Hilfe nicht überleben kann, stellt sich die Frage nach der Legitimation von Staatshilfen. Man wird in diesen Tagen auch oft genug das Gefühl nicht los, dass jedes in Not geratene Unternehmen plötzlich eine gewisse Systemrelevanz besitzt und deshalb vom Staat, also am Ende des Tages vom Steuerzahler, gerettet werden muss. Als Bürger in diesem Land, sollten einem zwei Fakten in diesem Kontext immer bewusst sein. Zum einen, dass eine immer höhere Staatsverschuldung, zu immer höheren Belastungen in der Zukunft führt aber auch, dass immer mehr Verstaatlichung in das Wirtschaftssystem führt, von welchem sich Teile der heutigen Bundesrepublik vor gut 20 Jahren aus gutem Grund verabschiedet haben.

Allen Beteiligten muss bewusst sein, wie schmal der Grad ist auf dem man sich im Moment bei Opel bewegt und man muss natürlich auch die gesamte Tragweite der nun zu treffenden Entscheidungen sehen. Es wird immer schwerer Trennlinien zu ziehen, um manchen Firmen noch zu helfen und andere untergehen zu lassen. Der Umbruch in der deutschen Wirtschaft ist, wie man immer wieder sieht, massiver als es von Seiten der Politik in den letzten Wochen und Monaten dargestellt wurde, auch dieser Fakt rückt immer tiefer in die Gesellschaft vor. Trotzdem werden übrigens die Folgen der Weltwirtschaftskrise auch weiterhin schön geredet und genau dies wird später wieder zu Unstimmigkeiten führen. Auch hier verwendet man offenbar die viel zitierte Salamitaktik und lässt nur langsam die Realität ans Tageslicht, in dem man Prognosen immer weiter, Stück für Stück, nach unten korrigiert, wie es gerade noch der Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) tat. Genau diese Taktik führt aber natürlich immer mehr dazu, dass die Glaubwürdigkeit der Politik immer weiter schwindet. Fehlendes Vertrauen in die Politik ist allerdings das Schlechteste, was einem demokratischen Staat in einem Superwahljahr passieren kann. Auch genau diesen Punkt sollte man bei allem was man tut oder auch lässt immer vor Augen haben.

Teilen die Opelaner diesen Weg nun, ja oder nein? Diese Frage wird sich auch bald stellen und muss dann schnellstens abgearbeitet werden. Egal ob es eine Lösung mit Fiat oder eine mit dem Staat oder gar eine Mischung aus beiden geben wird, scheint hier vor allem auch wieder eine gewisse Form des Lohndumpings aufzukommen und dies alles unter dem Deckmantel der Firmenrettung. Löhne stagnieren bzw. werden gesenkt und dies immer mit der Maßgabe so Konzerne zu retten. Oftmals zahlen die Mitarbeiter aber gleich mehrfach. So verkaufen sie ihre Arbeit für immer kleineres Geld und wie viele Fälle gezeigt haben, rettet auch dies nicht immer Arbeitsplätze. Man muss natürlich auch noch berücksichtigen, dass später alle noch ein Mal zur Kasse gebeten werden, denn die Schulden müssen irgendwann auch wieder abgebaut werden und wie lange so etwas braucht, haben nicht zu letzt auch die Folgen des Mauerfalls vor gut 20 Jahren gezeigt, denn auch hierfür bezahlen wir alle bis zum heutigen Tag und werden dies auch noch lange Zeit tun. Man sieht, dass es hier nicht nur um Opel geht, sondern um die gesamte Wirtschaft und man sollte ein Auge darauf haben, dass die zu findenden Kompromisse nicht später `Faul in allen Teilen` sind, denn dies würde dem Land nur noch mehr schaden, als es die verfehlte Politik der letzten Jahre schon getan hat.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Technik · Wirtschaft

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