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Die Wahrheit des Wortes

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Fakten eines verpassten Systemwechsels

17. Juni 2009

Man muss die Krise auch als Chance begreifen, ist einer der Sätze den man in der Weltwirtschaftskrise immer wieder gehört hat und auch noch immer hört. Scheinbar begreift nur niemand diese Aussage, denn der so oft angesprochene grundlegende Systemwechsel hat bislang noch nicht stattgefunden, um nicht zu sagen, dass man noch nicht einmal damit begonnen hat. Man muss natürlich festhalten, dass es den meisten Menschen, gerade auch in Deutschland, offensichtlich noch viel zu gut geht, denn auch breite Massenbewegungen aus dem Volk heraus, blieben bislang aus. Stattdessen wird nun wieder mehr und mehr Optimismus verbreitet und man versucht auch weiterhin viele Negativfaktoren, als etwas grundsätzlich Positives zu verkaufen. Es geht weiter wie bisher auch und dies gilt sowohl für die Politik, wie auch für die Wirtschaft. Dies zeigt aber auch, dass man den Aussagen dieser Menschen einfach nicht trauen kann, denn am Ende des Tages bleiben meistens doch nur leere Versprechungen.

Wirtschaft und Gesellschaft

Der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) hat gerade erst verlauten lassen, dass es zum ersten Mal nach gut zwei Jahren in der deutschen Wirtschaft wieder aufwärts geht. Die Befragten äußerten sich zwar auch weiterhin pessimistisch, was die gegenwärtige Lage in ihren Unternehmen angeht aber man sieht die Zukunft wohl eher in einem positiven Licht. Man sieht die Psychospielchen vieler Vertreter aus der Wirtschaft und der Politik beginnen scheinbar zu greifen. Bei mehr und mehr Unternehmen kommt die Krise nach und nach erst an, weil sich doch viele mit gewissen Produktionsüberhängen noch retten über die Zeit retten konnten. Deutsche Vorzeigeunternehmen, wie zum Beispiel Porsche, die auch zu Beginn der Krise immer noch hochgehalten worden sind, kommen plötzlich mit gut neun Milliarden Euro Schulden daher. Man hat sich wohl an dem Versuch VW zu übernehmen verhoben. Ein klassischeres Beispiel für das Versagen von Entscheidungsträgern kann man wohl kaum anführen aber auch hier wartet man vergebens auf nachhaltige Konsequenzen. Was im Moment auch eher nur in kleinen Nebensätzen erwähnt wird, ist das wir noch nicht einmal im Ansatz das Ende der Fahnenstange im Kontext der Arbeitslosenzahlen erreicht haben und auch hier wird noch einmal ein Hammer mit voller Wucht gerade auch in der Binnenkonjunktur einschlagen. Die provozierte Verzögerung der Krise, durch zum Beispiel die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes etc. wird sich wohl noch rächen und zwar an der Gesellschaft selbst.

In weiten Teilen der Gesellschaft ist man noch relativ entspannt, denn Massenprotest oder andere Aktionen gegen ein politisch, wie auch wirtschaftlich gescheitertes System gibt es in Deutschland noch nicht. Dies könnte sich allerdings schlagartig ändern, wenn die Weltwirtschaftskrise auch in Deutschland ihre volle zerstörerische Kraft entfaltet. Wir erinnern uns alle noch an den G20-Gipfel in London und die großen Kampfansagen gegen die Weltwirtschaftskrise. Es wurde viel versprochen. Wir erinnern uns alle noch an die vierte Berliner Rede des Bundespräsidenten Horst Köhler und die dort ausgesprochenen Ansätze für einen Wandel zum Besseren aber auch seine Worte verhallten. Schaut man sich nun aktuelle Werbung oder Fernsehsendungen, die scheinbar nur diesem Zwecke dienen, an, stellt man schnell fest, dass auch hier im Bereich der Medien weitergemacht wird, als hätte es nie eine Krise gegeben. Auch weiterhin werden Menschen angehalten an der Börse zu investieren, sich in Hedgefonds zu stürzen und ähnliches. Produkte aus genau der Kategorie, die schon unzählige Menschen ruiniert haben, sind auch in der Gegenwart noch etwas völlig alltägliches. Von einem Systemwechsel im Bereich der Wirtschaft kann man nicht einmal im Ansatz sprechen, dies gilt natürlich auch für den Bereich der Topgehälter. Dadurch das sich nichts geändert hat, hat man auch weiterhin an den verschiedensten Stellen das Gefühl, dass sich die vermeintlichen Eliten und Experten dieses Landes auch weiterhin mindesten fahrlässig verhalten aber warum sollten sie ihr Verhalten auch ändern?

Politik und Sport

Widmen wir uns weiterhin aktuellen Nachrichten, die den klaren Beweis erbringen, dass sich in diesem Land gar nichts bewegt und suchen natürlich auch weiterhin nach möglichen Gründen. Nehmen wir den Ausschuss für Wirtschaft und Technologie, einer der wichtigsten Ausschüsse im Deutschen Bundestag den es in Zeiten der Weltwirtschaftskrise gibt. Diesem sitzt Edelgard Bulmahn (SPD) vor. Bulmahn (SPD) war unter Gerhard Schröder (SPD) noch als Ministerin hauptverantwortlich für das Bildungswesen in Deutschland, wo dieses nun steht, zeigen die Streiks von Schülern und Studenten die diese Woche stattfinden. Wie sinnvoll es nun ist einer solchen Person den Vorsitz, eines solche bedeutsamen Ausschusses zu überlassen, darf sich jeder selber überlegen. Natürlich darf man nicht überrascht sein, dass dieses System in Deutschland irgendwie weiterläuft wie bisher auch. Dies gilt natürlich auch für die Skandale in der deutschen Wirtschaft, gerade erst ist bekannt geworden, dass man auch bei der Deutschen Post Krankendaten der Mitarbeiter zu unrecht speicherte und wohl auch nutzte. Es ist eine Mentalität erkennbar, die doch sehr erschreckend ist und als Konsequenz nur den Ruf nach dem angesprochenen Systemwechsel haben kann, um endlich aus der Krise zu kommen. Natürlich wäre es auch völlig falsch so zu tun, als gäbe es ein völliges Versagen im Kontext eines nachhaltigen Systemwechsels nur in Deutschland, denn natürlich ist es auch weiterhin ein weltweites Problem, was man auch daran erkennt, dass der Glanz eines Barack Obamas auch mehr und mehr ermattet und er im Moment eher als Fliegenfänger in den Medien Schlagzeilen macht, als das man ihn als Wirtschaftsretter sieht.

Dadurch das sich offensichtlich niemand für diese Probleme zuständig fühlt, auch nicht in Europa, werden hier noch einige große Probleme auf die Gesellschaft zu kommen. Denn natürlich hat sich auch aus europäischer Sicht nicht wirklich etwas geändert, was die Bevölkerung in der Europäischen Union (EU) gerade erst vor einigen Tagen damit quittierte, dass die Mehrheit den Europawahlen fern blieb. Ein schönes Beispiel, wie der Finanzwahn in Europa weitergeht bietet gerade in diesen Tagen der spanische Topfußballclub Real Madrid. Hier wurde gerade der Topfußballer Cristiano Ronaldo für über 90 Millionen Euro vom englischen Topclub Manchester United geholt und direkt auch noch der Brasilianer Kaka vom italienischen Topclub AC Milan. Letzterer Deal belief sich auf immerhin auch noch einmal über 60 Millionen Euro. Damit hat der neue Präsident des spanischen Hauptstadtclubs Florentino Perez auf einen Schlag über 150 Millionen Euro für zwei neue Fußballspieler ausgegeben und das in Zeiten, wo es für immer mehr Menschen schwer wird sich überhaupt noch Eintrittskarten für diese Sportart zu leisten. Auch hier sieht man sehr schön, dass sich die raubtierkapitalistische Grundeinstellung auch auf dieser Ebene nicht im Ansatz geändert hat. Man könnte nun unendlich mit dieser Auflistung der Fakten eines verpassten Systemwechsels fortfahren, wobei zum Abschluss aber immer noch eine Frage offen bleibt. Woher nimmt die Regierung der Bundesrepublik Deutschland, aber auch die Parteien in der Opposition die Ruhe und Gelassenheit? Man scheint sich auch nach der Europawahl sehr sicher zu sein, denn anders ist das ignorante Verhalten der Politik im Superwahljahr 2009 nicht zu erklären.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Stefan Wehmeier // 5. Jul 2009 at 22:13

    THEOLOGISCHE DEBATTEN DES MITTELALTERS

    “Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.”

    Sir Arthur Charles Clarke (1917 – 2008)

    Die Religion, die schon immer die Aufgabe hatte, die Fehler der Makroökonomie aus dem Bewusstsein des arbeitenden Volkes auszublenden, war solange notwendig und sinnvoll, wie niemand diese Fehler zu beheben wusste, die zwangsläufig zu systemischer Ungerechtigkeit und damit zu Massenarmut und Krieg führen. Ohne die selektive geistige Blindheit, die uns “wahnsinnig genug” für die Benutzung von Zinsgeld machte, und die noch heute die Menschheit in Herrscher (Zinsprofiteure) und Beherrschte (Zinsverlierer) unterteilt, wäre unsere Zivilisation nie entstanden.

    Erst der Prophet Jesus von Nazareth erkannte, wie die Makroökonomie zu gestalten ist, damit niemand einen unverdienten Gewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Frucht vom Baum der Erkenntnis) erzielen kann. Doch mit dem Cargo-Kult des Katholizismus mutierte die seit Jesus eigentlich überflüssige Religion vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode: weitere 1600 Jahre Massenarmut und Krieg, seit der Vernichtung der Gnosis (Kenntnis) im vierten Jahrhundert.

    Die “heilige katholische Kirche” degradierte das Genie zum moralisierenden Wanderprediger und projizierte das von Jesus vorhergesagte “Königreich des Vaters” (Freiwirtschaft, Vater der Kultur = Kreditangebot), in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet ist, auf ein hypothetisches “Himmelreich” der Toten, nur um selbst eine “Moral” verkaufen zu können, die in der idealen Makroökonomie so sinnlos ist wie eine Taschenlampe bei Sonnenschein.

    Der religiöse Wahnsinn beließ die Menschheit in der systemischen Ungerechtigkeit des Privatkapitalismus (Erbsünde) und ließ so dem ersten Weltkrieg noch einen zweiten folgen, obwohl der Sozialphilosoph Silvio Gesell bereits 1916, unabhängig von der Heiligen Schrift und erstmals auf wissenschaftlicher Grundlage, genau das wieder beschrieb, was der geniale Prophet Jesus von Nazareth als erster Denker in der bekannten Geschichte als Wahrheit erkannt hatte: absolute Gerechtigkeit durch absolute Marktgerechtigkeit.

    Heute (2009) sind wir an genau dem Punkt angekommen, den die israelitische Priesterschaft schon vor 2600 Jahren vorhergesehen hatte: Wir stehen unmittelbar vor der globalen Liquiditätsfalle (Armageddon), der totalen Selbstvernichtung, denn der Krieg (umfassende Sachkapitalzerstörung) konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab! Doch ein Atomkrieg ist gar nicht erforderlich, um unsere ganze “moderne Zivilisation” auszulöschen; es reicht schon aus, wenn wir weiterhin an den “lieben Gott” (künstlicher Archetyp: Jahwe = Investor) glauben und Zinsgeld (Geld mit parasitärer Wertaufbewahrungsfunktion) verwenden.

    Ich wünsche dem einstigen Land der Dichter und Denker Viel Erfolg bei der Auferstehung noch vor dem jüngsten Tag (1. Januar 2010).

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