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Die Wahrheit des Wortes

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Explosionen in Gori

18. August 2008

Nach einigem Tauziehen hat sich die internationale Gemeinschaft darauf geeinigt, dass sich Russland aus Georgien zurückzieht. Somit scheint zu mindestens an der Oberfläche der Frieden in der Region ein wenig Einzug zu halten. Allerdings bleiben viele Fragen, gerade auch in einer mittelfristig bis langfristigen Betrachtungsweise, offen. Dieser Konflikt auf dem Kaukasus hat aber auch ein Mal mehr die Schwächen der Europäischen Union (EU) ganz klar aufgezeigt, was nicht zu letzt auch die Bemühungen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die sich mit dem georgischen Staatschef Michail Saakaschwili traf, zeigten. Es bleibt leider auch weiterhin vieles, was relevant wäre, ungeklärt und damit wird die Region auch auf längere Sicht noch ein Krisenherd bleiben.

Polen, Frankreich und Deutschland

Da man in der EU nun schon seit Jahren nicht in der Lage, oder vielleicht auch gar nicht Willens ist, eine Lösung für eine wirklich einheitliche Außenpolitik zu finden oder gar mit der Stimme eines gemeinsamen Außenministers zu sprechen, scheinen die Lösungswege auch in der Georgienkrise weit auseinander zu liegen. Polen beschloss gerade erst den Aufbau des amerikanischen Raketenabwehrsystems auf polnischen Boden und damit direkt vor der Nase Russland. Dies kommt bei der ehemaligen Großmacht natürlich nicht gut an und die Drohungen von dort richten sich nicht nur gegen Polen, sondern natürlich gegen ganz Europa. Nicolas Sarkozy, immerhin derzeitiger EU-Ratsvorsitzender, drückt auch fleißig auf die Tube und droht beim Nichtabzug der Russen aus Georgien mit schwerwiegenden Folgen. Auch diese würde sehr wahrscheinlich auf ganz Europa zurückfallen.

Frau Merkel (CDU) trifft sich während all dem, wie bereits beschrieben, mit Saakaschwili und bietet ihm erst ein Mal offenherzig einen Beitritt zur Nato an. Auch dies kann man wieder als große Einzelaktion ansehen. Auch wenn es in den Medien natürlich schon so gehandelt wird, dass man sagt es ginge nur um einen Beitritt zur Nato aber es sei natürlich kein Zeitpunkt genannt worden. Sollte dies tatsächlich der Plan von Frau Merkel (CDU) gewesen sein, könnte dies als Boomerang noch ein Mal zurückkommen. Denn Georgien will schnelle Hilfe von seinen westlichen Verbündeten und will diesen auch immer schneller, noch Näher kommen. Irgendwann und das kann im schlimmsten Fall gar nicht mehr so lange dauern, möchte man auch von dort klare Fakten haben und lässt sich dann nicht mehr mit mehr oder minder leeren Versprechen befriedigen.

Der Rückzug Russlands

Ganz aktuell an diesem Tag geht es aber erst ein Mal viel mehr darum, was die Russen im Kontext zu den ausgehandelten Sachverhalten wirklich auch tun. Laut Medienberichten ist der Einmarsch oder viel mehr der Vormarsch der russischen Truppen so stark gewesen, dass sie die Hälfte Georgiens besetzt hatten. Nun hat man sich auf einen Rückzug geeinigt und es bleibt abzuwarten, wie dieser vollzogen wird. Schon im Vorfeld war von Plünderungen und Brandschatzungen die Rede. Erschreckend ist es dann, dass heute Mittag gut 200 Journalisten einige Kilometer vor Gori durch eine russische Straßensperre aufgehalten wurden und von Explosionen im Ort berichteten. Es bleibt zu hoffen, dass die Vermutungen einiger Journalisten vor Ort bewahrheitet und es sich bei den Explosionen um die Vernichtung georgischen Kriegsgeräte bzw. eigener Kriegsgeräte der Russen, die man nicht mehr mit zurück nach Russland nehmen möchte, handelte.

Ansonsten muss man auch festhalten, dass Russland bei seinem Einmarsch in Georgien natürlich auch außerordentlich strategisch vorgegangen ist. So ist zum Beispiel wohl die wichtigste Eisenbahntrasse zwischen dem Osten und dem Westen des Landes sehr stark beschädigt bzw. zerstört. Außerdem haben die Russen scheinbar auch Militäranlagen, wie zum Beispiel Radarstationen und ähnliches zerstört. Spätestens an dieser Stelle dürfte jedem klar sein, wie tief der Graben zwischen Georgien und Russland mittlerweile ist. Es gilt nun abzuwarten, wann sich auch endlich wieder die Journalisten frei bewegen können und sich somit die Nachrichtenlage etwas verbessert und man dann mehr und mehr ein Bild erhält, wie die Lage in Georgien wirklich ist. Erst dann kann man sich ein weiteres Urteil über das gesamte Ausmaß dieses grausamen Krieges machen. Bis dahin sollte man alle Fakten nicht gleich mit zuviel Euphorie feiern. Denn noch haben die Russen Georgien bei weitem nicht verlassen und das ist es, was am Ende gerade auch aus georgischer Sicht, zählen wird.

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Kategorie: Europa · Politik

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 lichtan // 19. Aug 2008 at 08:12

    Gegeben ist:
    - kleines Land gegen großes Land = Befreiungskrieg
    - großes Land gegen kleines Land = Invasion

    Wenn also Georgien militärisch in Gebiete vor rückt, die unter dem Schutz Russlands stehen, ist das ein Befreiungskrieg.
    Die Reaktion Russlands auf den Einmarsch ist dann zwangsläufig eine Invasion und zu verurteilen.

    Georgien hat schon heute die Unterstützung von EU, NATO, USA und der Presse und rasselt deshalb übermütig mit dem Säbel.
    Für mich stellt sich die Frage, wer bedroht hier wen, auf was lässt sich Westeuropa und die USA ein, wenn Sakaschwilli weiter so freizügig unterstützt wird.

    Siehe auch: http://www.politik.de/forum/showthread.php?t=129205

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