fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Euphorisches Ablenkungsmanöver – Obama makes History

5. November 2008

So viel Wahlübertragung und zehn Stunden live Sendung für einen amerikanischen Präsidenten, das hat es in Österreich schon lange nicht mehr gegeben. Und bei all der Euphorie hat das Land auf die eigenen Probleme fast vergessen. Wir haben noch keine neue Regierung, die Koalitionsverhandlungen stecken fest, ÖVP-Chef Pröll machte gestern Zugeständnisse, doch die 3 % Hürde der EU in Ausnahmefällen zu überschreiten, und und und….

Marodes Erbe für Obama

So sehr man sich die Veränderung in den USA herbei gewünscht hat und so sehr auch viele ÖsterreicherInnen auf Obama setzen, umso mehr tritt Barack Obama, der 44. Präsident der USA, nun ein schweres Erbe an. Dieses ist eine marode Wirtschaft, ein nicht funktionierendes Sozialsystem, eine industrielle Landwirtschaft, die ihre Flächen für die Biospritproduktion opfert, mangelndes ökologisches Bewusstsein mit Unkenntnis der Mülltrennung in der Bevölkerung, ein Benzin fressendes Mobilitätsverhalten und die kollektive Veranlagung Fläche rücksichtslos zu verbrauchen. Dazu kommt noch ein latenter Rassismus (Afro Americans, Indian Native People, Hispanics), der Einfluss der Kirche auf den Staat und Obama selbst, der sehr an JFK (John F. Kennedy) erinnert. Hoffen wir, dass Barack Obama sein Erbe stark antritt und wirklich den vielzitierten Change bringt. Denn ein Potenzial hat er: der klassische Amerikaner kann sich sehr schnell verändern und Neues anpacken. Er besitzt genügend Veränderungswillen. Und auf den wird Barack Obama vermutlich bauen, gemeinsam mit den Grundfesten der amerikanischen Verfassung.

Österreich stagniert weiter

Trotz dieser äußerst interessanten weltpolitischen Situation dürfen wir uns in Österreich den eigenen Themen nicht verschließen. Da gibt es den Magna-Konzern, der nach neuesten Informationen nun Rote Zahlen schreibt, sodass 3000 Arbeitsplätze wackeln und die Produktion des Peugeot-Cabrios in Graz nicht mehr garantiert werden kann. Da gibt es zahlreiche “Satelliten-Unternehmen”, die aufgrund des immer morbider werdenden Auto-Clusters in Österreich ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Da gibt es offene Finanzierungsfragen, weil die Kassen der Bundesländer mehr als leer sind und Städte wie Graz mit 3,5 Milliarden Euro in der Kreide stehen. Gleichzeitig verdient ein Porsche-Manager 70 Millionen Euro pro Jahr.

Und da gibt es ein Gesundheitssystem, das Beschäftigungspolitik mit den Pharmakonzernen zu betreiben scheint. Der gestrige Report im ORF brachte Einblicke hinter die Kulissen, Einblicke warum mitten am Land in Niederösterreich eine hochmoderne Herzchirurgie finanziert wird, ohne dafür die notwendigen Bevölkerungszahlen und das benötigte Einzugsgebiet nachzuweisen. Und Ärzte des LKH Salzburg konnten nachweisen, dass zahlreiche gesundheitliche Komplikationen aus übermäßigem Medikamentenkonsum entstehen. 15 verschiedene Medikamente sind bei älteren PatientInnen keine Seltenheit und ihre Verabreichung könne deutlich dezimiert werden. Denn oftmals wirken diese nur gegen die Nebenwirkungen des vorher gehenden Medikaments. Ein Kreislauf, der sich durch die Verdienststruktur der österreichischen Ärzte nährt: Hausbesuche werden ab dem dritten nicht mehr bezahlt und so bleibt manchem Arzt nur die Möglichkeit, das Einkommen aus dem Medikamentenverkauf zu lukrieren. Und die Zusammenarbeit der Praxen gibt es nicht, im Gegensatz zur Schweiz, wo man nur noch auf Gemeinschaftspraxen setzen will um Kosten und Doppeltdiagnosen zu sparen. Die Schweiz arbeitet übrigens in solchen Gemeinschaftspraxen auch mit Nichtmedizinern zusammen. Man lernt daraus, denn kombinierte Behandlung bringt mehr Erfolg. Auch das sprach der “Report” gestern an: Ärzte werden noch immer nicht nach ihrem Erfolg am Patienten bezahlt. Nicht dessen Gesundheit “ernährt” den Arzt, sondern der Vertrag mit dem Pharmakonzern.

Mit Obama-Charisma Österreich verändern

Es gilt also auch in Österreich mit dem Schwung und Elan eines Barack Obama die heimischen Probleme zu lösen. Vielleicht sollte sich das Land und die Politik hier an ihm in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Polit-Image etwas abschauen. Und es täte Österreich gut, sich nicht zu sehr um die Politik der Amerikaner zu kümmern und lieber im eigenen Wirkungsbereich aktiv zu werden. Dazu kann man einen amerikanischen Motivationstrainer, Jack Canfield, zitieren: In Zeiten der Rezession kümmere man sich um das, was man direkt selbst beeinflussen kann. Now it’s time to turn your focus and energy toward the things you CAN control in your life.

AMW

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Europa · Neues aus Österreich · Politik

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu