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Die Wahrheit des Wortes

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Europa liebt Ingenieure und vergisst auf Kultur

25. Mai 2009

Da bauen wir doch in der EU jährlich 18 Millionen Autos. Und brauchen tun wir davon 12 Millionen. Wohin denn mit dem restlichen Drittel? Die Antwort scheint einfach: Reduktion des Konsums. Da bleiben aber immer noch 6 Millionen Autos übrig, die wir bestimmt nicht so schnell in den Ostländern oder dem Asiatischen Raum unterbringen können. Boston Consulting Group meint lapidar: Verzicht ist angesagt.

Wenn das Geld knapp wird, geht auch der Konsum zurück. Dann kann es durchaus sein, dass Frau und Herr Europäer wieder vermehrt zu heimischen Produkten greift. Wenn schon, denn schon – Geld ausgeben ja, aber dann der heimischen Wirtschaft helfen. Doch Vorsicht vor trügerischem Protektionismus! Die Wirtschaft ist derart global vernetzt, dass sie ohne “Fremdländer” nicht mehr auskommt. Manche kostenintensiven Produktionsschritte wurden schon längst in Billiglohnländer ausgelagert. Auch wenn man damit die heimische Produktion ermöglicht – manch ein Teil kommt von woanders her. Fehlt das aufgrund von protektionistischen Einfuhrbeschränkungen – die Grundabsicht mag ja nobel erscheinen -, dann geht auch die heimische Produktion flöten.

Noch was. Produktion ist Sekundärsektor, wenn man der klassischen Wirtschaftslehre folgt. Warum befindet sich Europa und die EU noch immer im Sekundärsektor? Sonst hätte sie ja nicht die Probleme, für die Produkte ihrer Industrie dringend neue Kunden zu finden! Hat man was verschlafen und ist für die EU der Dienstleistungszug abgefahren? Wir führten vor Kurzem ein Interview mit dem Rektor der Technischen Universität Graz (TU), Prof. Hans Sünkel. “Alles monetär zu messen, ist ein großer Fehler!”, meinte der auf die Frage, warum die Geisteswissenschaften so vernachlässigt werden, in der Forschung und Entwicklung (F&E). Na, weil dafür kein Markt ist, und was sich nicht mit Geld bewerten lässt, weil nicht marktfähig, fällt eben durch. Und dann kam ein Schlüsselsatz. “Wir müssen aufpassen, dass uns der Ferne Osten in Sachen Geisteswissenschaft nicht überholt!” So sieht es also aus! Der Ferne Osten hat´s drauf mit den geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Europa fürchtet noch immer, zuwenig Ingenieure zu haben. Ist das Hinweis dafür, dass die EU im Industrie- und Produktionszeitalter stecken geblieben ist?

Wenn er uns überholen würde, der Ferne Osten, was passiere dann? Sünkel meint: “Es geht um unsere Kultur!” Oh ja, Geisteswissenschaft ist Bestandteil kultureller Pflege. Doch “Kultur” als solches scheint in den letzten Jahren höchstens Eingang in die Kunst gefunden zu haben – obwohl das zwei Paar Schuhe sind. Kunst ja, wenn aktionistisch und passend für den Sponsor aus Industrie und Wirtschaft. Kultur nein, weil …. ? Keine Antwort.  Geisteswissenschaft nein, weil: “Gute Frau, das lässt sich nicht verkaufen.” Europa ein geisteswissenschaftliches und kulturelles Entwicklungsland – heute am Beginn der Krise!

AMW

Eines wollen wir noch anmerken. Die nächsten beiden Wochenkommentare fallen aus, weil AMW auf Reporterreise in Canada ist. Sorry und danke fürs Verständnis.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Umwelt · Wirtschaft

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