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Die Wahrheit des Wortes

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Es tut weh im Kopf!

1. Februar 2009

“In Österreich sagt kaum jemand die Wahrheit, und Spitzenmanagern fehlt die soziale Intelligenz!” – hört man bei der Mittags-ZIB gestern Samstag. Die letzten Tage haben gezeigt, dass Österreich seine Bonzen und Hierarchien liebt. Jedenfalls scheint es so, weil kaum jemand aufschreit. Und viele Medien bieten auffällig viele Positivmeldungen zur Krise. Da wird von Lösungen gesprochen, von Innovationen, von neuen Arbeitsplätzen und von Konjunkturpaketen. Ach ja, bei Letzterem dürfen wir uns dann Bilder von Gelddruckmaschinen betrachten. Warum zeigt man uns beim Thema Konjunkturpaket und Bankenpaket auffällig viele Fotos und Bildsequenzen von Druckmaschinen, über die Tausende Dollars laufen? Ich verbinde Gelddrucken mit Inflation.

Pressetext Austria berichtet heute über den Weltuntergang 2012. Googelt man das Thema, ist das Internet voll damit. Peter Vitouch von der Uni Wien meint, der Weltuntergang wäre ein willkommenes Ablenkungsmanöver für viele Menschen um nicht an die eigenen Probleme denken zu müssen. Warum kommt jetzt ein Redakteur auf die Idee, dieses Thema zu googeln? Zufall oder ein Körnchen Wahrheit, die man mit dem progressiven Schritt nach vorne vom Tisch schaffen will? Ich nehme mir vor, tiefer in die Materie zu blicken:

“Lust auf Selbständigkeit” – so titelt die ” steirische wirtschaft ” in ihrer neuesten Ausgabe. Das Gründerland punktet mit 4000 neuen Unternehmen im letzten Jahr. Und Osteuropas Wirtschaft wird auch in Zukunft wachsen, ein bekanntes steirisches Autohaus ist “rasant unterwegs”, Frauen sind erfolgreiche “Ein-Frau-Unternehmen”, der Anteil an Biosprit steigt, und in diesem Ton geht es weiter. Lauter Positivmeldungen lassen den Beigeschmack der “Propaganda-Berichterstattung” zu.

17 Millionen Euro verschwinden einfach in privaten Geldbörsen – der nächste Skandal ist aufgedeckt. Die RZB (Raiffeisen Zentralbank) braucht einen Polster von 1,75 Mrd. (!) Euro für Geldgeschäfte im Ausland. Ach ja, und der Erste Bank (SPÖ zugeordnet) Chef, Andreas Treichl, will auch eine Kapitalaufstockung vom Staat – der Herr Doktor verdient 4 Mio. Euro im Jahr. Man fragte ihn gestern im ORF Interview, ob er denn nicht auf Gehalt angesichts der Wirtschaftskrise verzichten möchte. Seine Antwort war, gegen Bonuszahlungen könne er nichts tun. Und außerdem tun Treichl die Superreichen leid: die wüssten nicht mehr, in welche Luxusvilla sie zuerst fahren sollen. “Die Menschen, die sich das alles nicht leisten können, aber trotzdem ein herrliches Leben führen können, so wie ich, sind extrem glücklich”, so der Erste Bank-Chef – Zitat aus Presse, vom 24.09.2007.  Mir fehlen die Worte: mit 4 Millionen Jahresverdienst lässt sich leicht stinken. Denn angesichts von einer Million Armutsgefährdeten in Österreich klingen solche Äußerungen wie Hohn. Und laut Presse braucht die Erste Bank eine “Notanleihe” in der Höhe von 6 Milliarden Euro! Da warnt selbst unser populärster Sozialist Androsch davor, dass bei Ausfällen in dieser Höhe der Steuerzahler teuer draufzahlen wird können.

Der Voest-Betriebsrat, Fritz Sulzbacher (SPÖ Abgeordneter in Oberösterreich), nimmt es da noch weniger genau. Er brauche den neuen Dienstwagen Audi Q7 im Wert von 70.000 Euro, weil er immer wieder in die Steiermark fahren muss. Ich erinnere mich, dass die Phyrnautobahn bestens geräumt ist und man diese auch mit einem “normalen” Mittelklassewagen bewältigen kann. Sulzbachers Kommentar auf eine Anfrage der Oberösterreichischen Nachrichten ob seines teuren Dienstwagens war: “…soll ich mit einem Fahrrad oder Goggomobil fahren?”. Das klingt in den Ohren eines aufmerksamen Staatsbürgers mehr als süffisant. Es tut sogar weh.

Während die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AUA um ihre Jobs zittern, geht ihr Manager Alfred Ötsch mit einer ordentlichen Abfindung in seine vorzeitige “AUA-Pension”. Sagen tut er nicht mehr viel, der Ex-Siemens Manager. Wortlos geht er. Was nicht verstanden wird ist, dass man von den AUA Mitarbeitern Gehaltskürzungen verlangt, und dem Manager, der die AUA die letzten beiden Jahre geleitet hat, eine Abfindung zahlt. Den Managern passiert anscheinend nichts in Österreich. Die können tun und lassen, was sie wollen, erhalten dicke Dienstwägen – übrigens ist auch der Nationalbank-Gouverneur in Sachen Dienstwagen ins Blitzlichtgewitter geraten – und hinterlassen mit einer dicken Abfindung ein marodes Unternehmen. Selbst wenn sie noch hinausgeworfen, sprich “abgesetzt” werden. Wo steht arbeitsrechtlich geschrieben, dass bei Kündigung eines Mitarbeiters seitens des Unternehmens ein Anspruch auf Abfertigung besteht?

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die SPÖ ihre heiligen Kühe – sorry, Stiere (denn Frauen sind in Österreich keine Entscheidungsträger) - versucht in den Stall zu bringen. Und dabei ist es egal, wie viele Milliarden in den Sand gesetzt werden und mit welcher süffisanten Präpotenz man sich gegenüber den nachfragenden Personen äußert. Im Übrigen steht die ÖVP diesem ganzen Theater um nichts nach: eine Verschrottungsprämie für 13 Jahre alte Autos einer Zielgruppe zu gewähren, die aus gutem Grund die “alten Kisten” fährt, zeugt von Kopf-in-den-Sand-Politik. Kein Wunder, ist ja WKO-Präsident Christof Leitl als Konsenssüchtler bezeichnet worden. Er putzt sich ab, denn kein Land alleine könne der Automotive-Krise begegnen. Klar, dass es mit Probleme weglächeln einem Streit zu entkommen möglich ist. Und die Innenministerin windet sich wie ein Aal in Sachen “Tschetschenen-Mord”, bis auch sie zugibt, dass man Fehler gemacht hat. Und die ÖVP versteht sich als “Familienpartei” und lenkt damit vom eigentlichen Thema ab: wir steuern in eine tiefe und vermutlich mehrjährige Rezession mit Inflation und schon heute vorhandenem Deflationscharakter. Das alles schön reden zu wollen kann ein tödlicher Fehler sein. Das alles mit ansehen zu müssen, tut weh – weh im Kopf…

… meint AMW

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Neues aus Österreich · Wirtschaft

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