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Die Wahrheit des Wortes

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Es sind immer die anderen

15. März 2010

Kurz vor dem Wochenende war der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Robert Zollitsch, bei Papst Benedikt XVI. in Rom. Erwartungsgemäß ging es um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Ebenfalls erwartungsgemäß, kann man über die Ergebnisse dieses Treffens streiten. Man muss an dieser Stelle natürlich auch einräumen, dass die Einschläge auch beim Papst und seinem Bruder Georg immer näher rücken. Denn durch die Vorfälle bei den Regensburger Domspatzen sind in einer gewissen Weise auch diese Herren stark im Fokus der Öffentlichkeit. In diesem Artikel soll es aber gar nicht so sehr um die Brüder Ratzinger gehen, als viel mehr um den Umgang der katholischen Kirche mit den Missbrauchsfällen in ihrem Hause ganz allgemein. Die Fälle an sich sind schon schlimm genug, um es einmal vorsichtig zu formulieren aber der aktuelle Umgang mit diesen Vorwürfen und Straftaten, setzt dem ganzen die Krone auf.

Es geht um Straftaten
Es wird sich niemals ganz klären lassen, wie viele unschuldige Leben Geistliche der katholischen Kirche zerstört haben und auch dies scheint ein Prinzip zu sein, dem man in der katholischen Kirche eng verbunden ist. Immer wieder darf man sich davon überzeugen, dass sich gewisse Teile der katholischen Kirche von der Gesellschaft in Deutschland abschotten, dies ist übrigens genau die Parallelwelt, die man mit allen Mitteln bei Menschen mit islamischen Glauben verhindern will. Nun spricht man bei der Kirche natürlich auch immer von einer Vorbildfunktion und von der moralischen Instanz und ist somit natürlich im Moment doch außerordentlich irritiert, wenn man hört das manch Geistlicher von einem gesellschaftlichem Problem spricht. Inhaltlich mag dies natürlich durchaus korrekt sein, rechtfertigt allerdings nicht im Ansatz die Straftaten, die sich ganz offensichtlich bei der katholischen Kirche zugetragen haben. Es ist wichtig auf den Punkt genau festzuhalten, dass wir hier von einer großen Zahl von Straftaten und damit eigentlich auch von vielen Straftätern sprechen müssten, was leider wohl nicht so sein wird.

Auch durch das Abschottungsverhalten der katholischen Kirche sind leider sehr viele dieser Straftaten mittlerweile verjährt, was bedeutet, dass man die Täter juristisch nicht mehr belangen kann und sie damit im juristischen Sinne dieser Straftaten auch nicht überführt werden können und im Sinne des Gesetzes natürlich auch keine Straftäter sind. All dies hat aber letztendlich nur eine juristische Bedeutung, denn das es zu diesen Straftaten kam, dürfte kaum jemand bezweifeln. Man muss jetzt natürlich auch abwarten, was die aktuellen Ermittlungen ergeben, denn scheinbar gibt es auch Fälle, die noch nicht verjährt sind und hier darf man gespannt sein über welche Größenordnung von Beschuldigten man am Ende des Tages sprechen wird und wie diese Fälle dann juristisch aufgearbeitet werden. Natürlich ist die Kirche bemüht alles auf kleiner Flamme zu kochen und möglichst den Eindruck zu erwecken, dass es hier nur um Einzelfälle geht. Schaut man sich aber die aktuelle Lage in den Medien an, wirkt es doch auf einige Menschen so, als würde hier ein gewisses System Hinterstecken und man kann davon ausgehen, dass wir erst von der Spitze des Eisberges sprechen.

Die böse Welt
In diesen Tagen erkennt man sehr deutlich, wie gut strukturiert auch die katholische Kirche ist und das PR auch hier kein Fremdwort ist. Im Moment scheint es kaum eine namhafte Talkshow zu geben in der nicht irgendein Geistlicher zu sehen ist. Die Medienpräsenz der Kirche in diesen Tagen erinnert schon fast an Weihnachten. Langsam dürfte auch der letzte Mensch auf Erden verstanden haben, was die katholische Kirche uns sagen will. Aber wer will das schon wirklich hören? Zu dem all dies die Lage der Kirche auch nicht wirklich verbessert. Natürlich ist das Thema Missbrauch kein rein kirchliches Problem und natürlich ist es ein gesellschaftliches Problem, schließlich geht es mittlerweile auch um Pädagogen, Psychologen und andere Berufsgruppen die mit der Kirche nichts zu tun haben. Aber nun mit dem `gefühlten` erhobenen Zeigefinger darauf hinzuwiesen, dass es immer die anderen sind, macht das Bild der katholischen Kirche nur noch trauriger. Die Kirche möchte auch in Deutschland eine Sonderstellung einnehmen aber so rechtfertigt sie diese natürlich nicht und wenn man hier nicht besser ist als der Rest, wonach es im Moment schwer aussieht, sollte man auch wie der Rest behandelt werden. Die Politik sollte sich zum Beispiel überlegen, ob die Kirchensteuer auf Dauer noch gerechtfertigt ist, wenn sich das Verhalten in der katholischen Kirche nicht langsam grundlegend ändert.

Man hat das Gefühl, als sei es die böse Welt, die die Kirche natürlich zu einer besseren machen will, die nun die Schuld an alldem trägt. So ist es aber nicht wirklich. Es sind die perversen Straftäter, auch in der katholischen Kirche, die dazu beitragen, dass es eine böse Welt ist. All das Bedauern, die Entschuldigungen wirken teilweise doch sehr oberflächlich und in der Tiefe nicht glaubwürdig. Eine gute Chance diesen Zustand zu ändern, wäre es nun all den Worten auch Taten folgen zu lassen und endlich mit dem Staat zu kooperieren, anstatt zu versuchen mit Ultimaten oder ähnlichem die Bundesregierung unter Druck zu setzen. Man darf sich glücklich schätzen, dass sich die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) von alldem recht unbeeindruckt zeigt. Der Staat muss jetzt natürlich auch beweisen, dass er ein solches Verhalten auch bei der katholischen Kirche weder akzeptiert, noch toleriert. In einer Demokratie darf es keine Freifahrtscheine für Beschuldigte und Straftäter geben, dies sollte natürlich auch für die Mitglieder der katholischen Kirche in Deutschland gelten. Ist man bei der Kirche nicht in der Lage sich von innen herzu reformieren und endlich auf einen guten Weg zu kommen, muss man eben von außen nachhelfen oder über einen völlig neuen Umgang mit der katholischen Kirche in Deutschland nachdenken. Fakt ist nur, dass es so nicht weitergehen kann und darf.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 Andrea Bondi // 15. Mrz 2010 at 09:51

    Die Firma “Katholische Kirche” hat sich seit jeher ihre eigenen Gesetze gemacht! Die Tatsache, dass Kirche und Staat getrennt voneinander agieren, vereinfacht die Verfolgung von Straftaten innerhalb der Katholischen Kirche überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil! Es bereitet den Boden für derart widerliche Vergehen an Schutzbefohlenen und die anschließenden Verschleierungs- und Vertuschungsaktivitäten seitens der selbsternannten Hüter der Moral und Nächstenliebe!

    Alle Menschen sind gleich – nur manche (in diesem Falle, Geistliche) sind gleicher!
    Was das mit Moral und Vorbildfunktion zu tun haben soll, habe ich bis jetzt nicht begriffen!
    Und natürlich ist das Thema Zölibat wieder in den Vordergrund getreten. NATÜRLICH ist der Zölibat ein – wenn nicht DER – Grund für diese krankhaften Tendenzen! Ich habe bis dato keine oder kaum Meldungen gehört, indem es heißt, dass evangelische Geistliche sich an Kindern vergriffen hätten.
    Dass sich die, durch den Zölibat erzwungene, Unterdrückung von zu tiefst menschlichen Bedürfnissen, ja Trieben, nun in massenhaftem Kindesmissbrauch oder im Ausüben von Gräueltaten, wie Inquisition oder Zwangschristianisierung ausdrückt, liegt auf der Hand.

    Die Berichterstattung über die zahllosen Vergehen seitens der römisch-katholischen Firma, schnürt mir jeden Tag auf´s Neue die Kehle zu! Es scheint so als wären Grundwerte wie Moral, Ethik, Nächstenliebe, Anstand oder Vertrauen vor geraumer Zeit zu Grabe getragen worden. Sowohl in der Kirche, als auch im weltlichen Bereich, dem Staat, haben sich korrupte, moralimmune elitäre Eliten Entscheidungsgewalt in einem äußerst ungesunden Ausmaß angeeignet.
    Es ist wirklich hoch an der Zeit, dass diese Sümpfe trockengelegt werden!

  • 2 Hülsberg,Siegfried // 15. Mrz 2010 at 21:29

    Es ist nicht leicht zu dieser ganzen Angelegenheit etwas zu sagen; weder positiv noch negativ.
    Im Laufe der letzten 2010 Jahre hat sich der Mensch nicht geändert. Er ist und bleibt ein Rätzel
    allen und jedem gegenüber, selbst sich selbst.
    Ich will zu der ganzen Angelegenheit einmal folgendes sagen: Wenn Kinder – egal ob Jungen oder Mädchen – von ihren Eltern abgeschoben werden in ein Internat und ihre Eltern über Monate nicht sehen, fehlt diesen Kindern Liebe und Zuneigung von Erwachsenen. Dieses Fehlen von Zuneigung etc. wird von gewissen Leuten ausgenutzt und sie nähern sich den Kindern um durch vorgetäuschte Zuneigung sexuellen Kontakt aufzubauen. Eine unglaubliche Angelegenheit und
    verwerflich bis zum geht nicht mehr, aber leider, solange Menschen existieren wird es dies immer geben; traurig.

  • 3 Ist die Kirche bzw. sind die Kirchenamtsträger wirklich unfehlbare Autoritäten ? | Onlinetechniker.de // 6. Jan 2011 at 12:40

    [...] und auch immer wieder Schuldige zu schützen. Hier der interessante Artikel "Es sind immer die anderen" [...]

Schreib was dazu