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Die Wahrheit des Wortes

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Es bewegt sich was!

14. Juni 2010

Ganz langsam und behutsam bewegt sich etwas in Deutschland. Natürlich ist damit nicht die Regierungsbildung im bevölkerungsreichsten Bundesland gemeint, denn in Nordrhein-Westfalen hat noch immer der Stillstand den Vorrang und man darf oder muss im Moment wohl von Neuwahlen ausgehen. Die Bewegung die hier gemeint ist, bezieht sich viel mehr auf den Protest der am Wochenende endlich einmal Zehntausende auf die Strassen gebracht hat. In der letzten Woche hatte die Bundesregierung weitere, massive Sparmaßnahmen angekündigt, die bei genauerer Betrachtung vor allem wieder die Ärmsten und scheinbar wehrlosesten im Land betreffen sollen. Bislang war es auch oft so, dass dieser soziale Kahlschlag im Sozialstaat Deutschland folgenlos blieb, da es scheinbar keine bzw. nur eine ganz kleine Lobby für diese Menschen gab. Dies scheint sich nun langsam zu ändern.

Hohes Niveau
Ein großes Problem, wenn es um das Thema Protest gegen Armut in Deutschland geht ist, dass man hier noch auf einem recht hohen Niveau klagt und dies scheint träge zu machen. Dies bedeutet, dass es den meisten Menschen in diesem Land noch verhältnismäßig gut geht und sie der Meinung sind, dass dieser Zustand auch so bleiben wird. Genau hier besteht allerdings das Risiko, welches nun auch mehr und mehr Menschen verstehen. Während große Teil dieses Systems, welches für die Krise verantwortlich ist, nun mit Millionen und Milliarden Euros gerettet wird, wird dieses Geld bei den Leistungen des Staates für seine eigenen Bürger gekürzt und die Kreise die der Rotstift hierbei zieht, werden immer größer. Diese Erweiterung des Radius hat natürlich zur Folge, dass an den verschiedensten Stellen immer mehr Menschen betroffen sind und verzichten müssen. Diesem ständig anwachsendem Maß an Verzicht, steht dann aber auch noch ein immer größer werdender Leistungsdruck entgegen und dies treibt nun immer mehr Menschen auf die Strasse.

Wenn wir von der Leistungsgesellschaft sprechen, müssen wir uns natürlich auch vor Augen halten, was die Gegenleistung ist und hier mangelt es mehr und mehr. Die Abgaben erhöhen sich in verschiedensten Formen von Zusatzbeiträgen bei den Krankenkassen bis hin zu Überlegungen von Steuererhöhungen und einer Maut für PKW und im Gegenzug schaut man wo der Bürger mit mehr Eigenverantwortung, was im Klartext Eigenanteil bedeutet, belastet werden kann. Dies alles bedeutet, dass die Leistung in dieser Gesellschaft recht einseitig verteilt ist, was zu einer großen Ungerechtigkeit führt. Den Bürgern wird ständig erklärt, wie leer die Kassen sind und wie wichtig daher Sparmaßnahmen seien, dann diskutiert man aber zur selben Zeit darüber, ob man nicht zum Beispiel Opel mit Millionen zur Seite springen will. Opel ist als Teil von General Motors (GM) eine US-Firma, die nach geglückter Insolvenz nun sogar schon wieder über die Rückkehr an die Börse nachdenkt, hier zu investieren, anstatt das Geld für das eigen Volk zu verwenden, macht natürlich unzufrieden.

Für die Fehler anderer bezahlen
Dem Volk wird im Moment suggeriert, dass es über die eigenen Verhältnisse gelebt habe und das damit nun Schluss sein müsste. Faktisch ist es aber doch eher so, dass der unkontrollierte Gewinnmaximierungstrieb einer gewissen vermeintlichen Elite zum Kollaps des Systems geführt hat. Genau diese Menschen, die diesen Zustand erst herbeigeführt haben, versuchen sich nun aus der Verantwortung zu ziehen, was natürlich ein weiterer Punkt ist, der auf außerordentlich Unverständnis in der breiten Öffentlichkeit stößt. Man sieht sehr schön das Problem, welches hier besteht und so lange die Politik es nicht für nötig hält hier einzugreifen und sich weiterhin von den Lobbyisten der Großkonzerne vor sich hertreiben lässt, steigt der Unmut. Dadurch, dass nun ein kritischer Punkt erreicht ist, trägt sich dieser Unmut nun auch langsam mehr und mehr auf die Straße und das ist es, was man am Wochenende in verschiedenen Städten des Landes sehen konnte. Man muss auch davon ausgehen, dass all dies nur der Anfang einer grundlegenden Bewegung gegen die Ungerechtigkeiten dieses Systems war.

Die Menschen sind einfach nicht mehr bereit für die Fehler anderer zu bezahlen. Wenn die Topmanager dieser Nation folgenschwere Fehler begehen, die zum Beispiel die Existenz von Arbeitsplätzen bedrohen, werden sie entlassen und bekommen eine ordentliche Abfindung, ist dies nicht der Fall haben einige auch keine Skrupel diese noch juristisch einzufordern. Man muss an dieser Stelle wohl vom völligen Wegfall bzw. Verfall von Ethik und Moral sprechen. Verlieren nun Bürger durch solches Missmanagement ihren Job, müssen sie in vielen Fällen um ihre Existenz bangen und bekommen dann noch gesagt, dass sie sich in Zurückhaltung üben müssen, denn an dieser Stelle wird Verzicht sehr groß geschrieben. Die Dreistigkeit, wie man versucht all dies als Normalität zu verkaufen ist phasenweise nur noch unerträglich. Bislang wurde all dies eher mit Resignation als mit Protest beantwortet, dies ändert sich nun. Denn aus jahrelanger Resignation wird mehr und mehr Wut und diese Wut sollten die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft sehr ernst nehmen, bevor sie gänzlich überkocht. Denn die Ignoranz vergangener Jahre hat, wie man gerade erleben dürfte, zu nichts geführt.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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