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Die Wahrheit des Wortes

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Elisabeth Fritzl und das Leiden ihres Sohns Michael

20. März 2009

Nun ist die Ruhe an der Oberfläche wiederhergestellt. Dies ist vor allem positiv für die Opfer des Inzestfalls der sich im niederösterreichischen Amstetten abspielte. Es bleibt zu hoffen, dass die Opfer von Josef Fritzl nun nach gut einem viertel Jahrhundert langsam aber sicher zur Ruhe kommen und die Chance bekommen in ein möglichst normales Leben zurückzukehren bzw. damit zu beginnen. Aus juristischer Sicht gesehen ist der Fall Josef Fritzl nun abgeschlossen. Gestern fiel vor dem Landgericht in der niederösterreichischen Landeshauptstadt Sankt Pölten das von vielen erwartete lebenslängliche Urteil gegen den Mann, der seine Tochter und die gemeinsamen Kinder 24 Jahre durch die Hölle gehen ließ. Fritzl wurde von den acht Geschworenen in allen Anklagepunkten für schuldig befunden und wird wohl nun nie wieder in Freiheit kommen.

Kranke Welt

Man möchte im Detail gar nicht wissen, welche Grausamkeiten, welcher Horror sich über all die Jahre im Keller, in diesem moderigen, verschimmelten Verlies oder viel mehr Kerker abgespielt haben und trotzdem ist genau dies natürlich für die juristische Aufarbeitung des Verbrechens von Josef Fritzl von höchster Relevanz gewesen. Wie relevant all dies scheinbar für die Unterhaltungsindustrie ist, zeigte sich am gestrigen Tage auch und das zeigte ein Mal mehr, wie krank unsere Gesellschaft ist. Denn es ging erst ein Mal um die Diskussion über das Geld, welches man mit dieser Story, zum Beispiel mit Buch-und Filmrechten verdienen könnte. Der Rechtsanwalt von Josef Fritzl, Rudolf Mayer, verwies in diesem Kontext auf den Konkurs seines Mandanten und das alles Geld den Opfern zu käme. Das so etwas überhaupt erwähnt werden muss ist schon erschreckend, noch erschreckender ist allerdings, dass Josef Fritzl so scheinbar die Möglichkeit bekommt, seine Opfer auch nach der Verurteilung noch leiden zu lassen. Denn was und ob überhaupt Teile dieses grausamen Verbrechens kommerzialisiert werden dürfen und sollten, sollten wohl einzig und allein die Opfer und nicht der Täter entscheiden.

Nun wird Josef Fritzl nach der schriftlichen Urteilsbegründung  von der Haft in Sankt Pölten in eine Anstalt für abnorme Straftäter verlegt. Hier wird ein Mal im Jahr geprüft, ob man ihn weiterhin dort festhält oder ob er in den normalen Strafvollzug verbracht wird, wo er dann seine lebenslange Haftstrafe antreten muss, die frühestens nach 15 Jahren enden kann. Man sieht, die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mann jemals wieder in Freiheit gelangt ist minimal, um nicht zu sagen, man kann es eigentlich ausschließen. Das Urteil ist in jedem Fall rechtskräftig, denn nachdem ihn die acht Geschworenen in allen Anklagepunkten für schuldig befunden haben, also auch in den Punkten Sklaverei und Tötung durch Unterlassung, verzichtete sowohl die Staatsanwaltschaft, wie auch der Angeklagte Josef Fritzl auf Rechtsmittel. Mit der Verurteilung nach dem Straftatbestand der Sklaverei, wurde ein juristisches Novum in Österreich geschaffen, viel wichtiger gerade auch für die Tochter von Josef Fritzl, Elisabeth, dürfte allerdings die Verurteilung im Anklagepunkt der Tötung durch Unterlassung gewesen sein. Denn außer das Elisabeth in diesen 24 Jahren tausendfach vergewaltigt wurde, ließ ihr Vater und Peiniger auch ihren Sohn Michael nach zweieinhalb Tagen sterben und verbrannte den Leichnam in einem Ofen.

Genugtuung einer Mutter

Nichts kann wohl den Schmerz einer Mutter, über den Verlust eines ihrer Kinder, gänzlich heilen aber das der Mörder ihres Sohnes Michael, nun für seine Tat bestraft worden ist, dürfte Elisabeth Fritzl schon eine gewisse Genugtuung verschafft haben. Elisabeth Fritzl wurde von ihrem Peiniger und Vater Josef Fritzl 24 Jahre lang hinter einer 300 Kilogramm schweren Stahltür in einem Kerker gefangen gehalten. Auch hier brachte der Prozess ein perfides Detail ans Tageslicht, denn es war völlig unmöglich diese Tür von innen zu öffnen. Im Klartext bedeutete dies, wäre Josef Fritzl in den 24 Jahren irgendetwas passiert, wäre nicht nur Michael, sondern alle Gefangenen in diesem Kerker gestorben. So oder so scheint es nur ein glücklicher Zufall gewesen zu sein, dass die Opfer dieses Martyriums überhaupt überlebt haben. Denn so perfekt, wie es oftmals dargestellt wurde, war das Verbrechen gar nicht. Das Lüftungssystem, welches Josef Fritzl installiert hatte, funktionierte nicht ausreichend, wäre das Bauwerk selbst nicht glücklicherweise an einigen Stellen undicht gewesen, wären alle dort unten erstickt. Auch wenn es solch glückliche Zufälle in diesem grausamen Verbrechen gab, stellt sich auch an dieser Stelle wieder die Frage nach Gott und man kann den Anschein bekommen, als gäbe es so etwas wie Gott gar nicht, denn sonst würde es solch grausame Taten wohl kaum geben.

Noch ein Mal zurück zu dem verstorbenen Zwillingssohn Michael, die Gutachten haben in diesem Fall ergeben, dass er sehr wohl eine Überlebenschance gehabt hätte. Denn wie der Prozess ergab, hat der eigene Vater und Peiniger von Elisabeth Fritzl mit angesehen, wie sich über die zweieinhalb Tage, die das Neugeborene nur lebte, der Zustand immer wieder verschlimmerte. Hätte er früh genug Hilfe geholt, hätte Michael aber wohl überlebt. Natürlich hätte dies für Josef Fritzl auch das Ende seines perfiden Plans bedeutet. Zum großen Glück von Kerstin Fritzl, verhielt sich ihr Vater und Kerkermeister, wie Josef Fritzl in den Medien auch immer wieder genannt wurde, in einer ähnlichen Situation, Jahre später, anders. Auch Kerstin wurde schwer krank, hier entschied er sich allerdings für die medizinische Versorgung seines Opfers. Genau dies führte dann auch zum Ende des Martyriums aller Opfer und rettete natürlich auch das Leben von Kerstin Fritzl. Der Tod von Michael, den er laut Urteil durch die Unterlassung von Hilfe verschuldete, war dann auch der Punkt, der ihm letztendlich die lebenslange Haftstrafe einbrachte, was zu mindestens eine kleine Genugtuung für die Mutter Elisabeth gewesen sein dürfte. Wie zu Beginn bereits erwähnt, ist es nun vorbei. Das Urteil ist gesprochen und nun bleibt es zu hoffen, dass auch endlich Ruhe für die Opfer einkehrt.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich

Bis jetzt 4 Kommentare ↓

  • 1 Lee // 18. Jul 2011 at 21:30

    Ich hoffe es gibt eine Hölle und er wird da bis zum jüngesten Tag und noch weit darüber hinaus,darin schmoren:UND das er im Knast genauso gefoltert und gequält wird,wie er es mit seinen Opfern getan hat!!!!

  • 2 Elly // 29. Mai 2012 at 22:36

    Lebenslange Haft ist zu milde für dieses Monster.
    Er sollte ebenfalls im Kerker, ohne Tageslicht und menschliche Ansprache schmoren
    Der einzige Kontakt der ihm gewährt werden sollte … ist ein 300Kilo Kerl, der ihm in schöner Regelmäßigkeit die altersschlaffe Rosette versilbert.

    Und … was seine “unschuldige” Gattin angeht …. auch dazu habe ich ein paar angemessene Ideen.

  • 3 Anonym // 3. Aug 2012 at 19:23

    ”Der Tod von Michael, den er laut Urteil durch die Unterlassung von Hilfe verschuldete, war dann auch der Punkt, der ihm letztendlich die lebenslange Haftstrafe einbrachte”

    Das heißt er hätte für das was er seiner Tochter angetan hat nicht mal lebenslänglich im Gefängins? …

  • 4 Hugo // 7. Okt 2012 at 13:49

    Ganz normaler typ

Schreib was dazu