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Die Wahrheit des Wortes

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Eine Gesellschaft verzockt

27. April 2010

Das die Schere zwischen den Armen und den Reichen im Land immer weiter auseinander klafft und die Wirtschaft durch ihr raubtierkapitalistisches Verhalten diesen Trend jeden Tag noch verstärkt ohne das sich die Politik im ausreichendem Maß schützend vor die Bürger stellt, die sie eigentlich vertreten sollten, dürfte hinlänglich bekannt sein. Eine Folge dieser Entwicklung ist natürlich, dass der Ton im Land auch immer härter wird und das ist noch eine außerordentlich vorsichtige Formulierung. Man muss sich natürlich auch von Zeit zu Zeit fragen, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass man nun langsam aber sicher wieder auf einen Punkt zusteuert, an dem die Stimmung in der Bevölkerung ganz leicht kippen könnte. Geht man dieser Frage nach, wird einem doch einiges klarer aber es zeigen sich natürlich auch weitere unheilvolle Wege ab. Ob die aktuellen Tendenzen noch zu stoppen sind, liegt letztendlich in unser aller Hände, denn jeder trägt seinen Teil an Verantwortung.

Nach den Ruinen
Natürlich gilt es auch festzuhalten, dass man gerade auch in Deutschland noch auf verdammt hohem Niveau jammert, gerade auch wenn man sich in Staaten der Dritten Welt oder ähnlichen umsieht aber das darf letztendlich kein geltendes Argument sein. Deutschland kam aus Ruinen, die es selber verschuldet hatte und man hatte es richtig weit gebracht. Dann kam aber die Lethargie der fetten Jahre und alle waren so zufrieden und vertraten scheinbar die Meinung, dass all der hart erkämpfte Wohlstand ohne eigenes dazu tun ewig hält. Über all diese Zufriedenheit und Lethargie übersahen die meisten, dass hier nur ein Prozess begann, den alle noch teuer bezahlen sollten. Denn es begann die große Zeit der Globalisierung und dies bedeutet bis zum heutigen Tage vor allem Gewinn für eine vermeintliche Elite und für den Rest den Kampf ums menschenwürdige überleben. Man beachte, dass wir hier von einem schleichenden Prozess sprechen, dessen Ende noch lange nicht erreicht ist und man darf davon ausgehen, dass die aktuelle Weltwirtschaftskrise nur so etwas wie ein erster Warnschuss war. Es begann die Zeit mit dem Verzicht zu leben und bis zu einem gewissen Grad stellte dies auch kein Problem dar.

Hier in Nordrhein-Westfalen, wo auch unsere Redaktion sitzt, starb das Ruhrgebiet und auch wenn man von Strukturwandel und einer neuen Zukunft sprach und spricht, sieht die oftmals nicht allzu rosig aus. Denn, wie zum Beispiel Nokia aber auch Opel zeigen, geht der Niedergang auch außerhalb der Montanindustrie munter weiter. Menschen die hier leben sagen, dass all das Grün, was nun vielfach vorhanden ist, sehr schön ist aber sie eben auch Arbeit brauchen und die ist bis in die Gegenwart Mangelware. Dies gilt massiv für diese Region, wie natürlich auch für Ostdeutschland aber mehr und mehr auch für anderen Gegenden in Deutschland. Nun muss man aber auch einräumen, dass man in Deutschland auch ohne Arbeit in vielen Fällen recht gut über die Runden kommt, dafür nennt man sich eben auch Sozialstaat. Dies soll bedeuten, bis in Deutschland wirklich jemand in seiner Existenz bedroht ist, ist es ein langer, langer Weg. Wahrscheinlich ist auch dies ein Grund dafür, warum sich der Widerstand gegen den Abbau des Sozialstaates aber auch gegen die Einführung einer immer mehr raubtierkapitalistisch geprägten Gesellschaft in ganz klaren Grenzen hält. Diese Scheuklappendenken bei einem großen Anteil der Bevölkerung beinhaltet aber auch viele Risiken.

Dummheit oder Vorsatz?
Am Ende des Tages wird genau diese Frage zwar kaum noch jemanden interessieren aber es gilt trotzdem sie einmal kurz anzusprechen. Da sich diese Gesellschaft soweit ausnutzen ließ, bekamen die angesprochenen vermeintlichen Eliten den Hals nicht voll und unterstützt von einer nicht kleinen Schar vermeintlicher Experten, die zu alldem nur gebetsmühlenartig wiederholten, dass alles gut würde, drehte sich die Spirale immer schneller. Nun wird mehr und mehr der Punkt erreicht, wo die Anzahl der Menschen deren Existenz bedroht ist drastisch ansteigt und auch dies bleibt nicht ohne Folge. Verzicht ist das eine, Existenzverlust noch einmal etwas völlig anderes und dies sollte man langsam aber sicher mit berücksichtigen. Ob die vermeintlichen Eliten und Experten diesen Wendepunkt aus Dummheit nicht wahrnehmen oder aber mit Vorsatz ignorieren, sei dahingestellt. Fakt ist, dass die Reaktionen auf Existenzverlust ganz andere als beim reinem Verzicht sind. Selbstmordraten werden steigen, Amokläufe werden zunehmen und am Ende all dessen könnte sogar ein Bürgerkrieg in Deutschland oder gar in ganz Europa drohen. Man sieht hier sehr deutlich, dass die Uhr fast abgelaufen ist und sich langsam etwas ändern muss.

Die Verbindungen zwischen der Politik und der Wirtschaft sind mittlerweile scheinbar so eng gestrickt, dass man kaum noch auf seine Volksvertreter hoffen sollte, auch das hat die jüngste Vergangenheit immer wieder gezeigt. Also ist es, wie zu Beginn dieses Artikels bereits erwähnt, an jedem selbst sich gegen diese System zu wehren, bevor es wirklich zu spät ist. Wenn Mitarbeitern die Erfolgsprämien gestrichen werden, weil es dem Unternehmen schlecht geht aber zur selben Zeit die Vorstandsbezüge einmal mehr erhöht werden, weil diese Menschen angeblich so erfolgreich und verantwortungsvoll gehandelt haben, müsste auch dem letzten auffallen, was hier gespielt wird und wer sich nicht wehrt, darf später nicht jammern, wenn auch er seine Existenz verliert. Vielleicht ist Krieg wirklich die einzige Antwort, denn um diese äußerst zynische These fortzusetzen, muss man die Vorteile rausarbeiten. Krieg bedeutet Zerstörung und Zerstörung bedeutet das nachher Neues geschaffen werden muss und wie man aus Ruinen ganz groß wird, weiß man in Deutschland ziemlich gut. Da wundert es auch letztendlich niemanden, warum gerade die Rüstungsetats seit einiger Zeit schon wieder ansteigen, denn Kriegsindustrie ist nicht nur Krisen sicher, sondern braucht die Krise. Man sieht an diesem Artikel sehr schön was passieren kann, wenn man sich einfach zufrieden zurücklehnt und der These `Alles wird gut` folgt.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Andrea Bondi // 5. Mai 2010 at 15:55

    Die meisten Politiker sind genauso korrupt wie die kriminellen Wirtschaftsbonzen! Es handelt sich um einen Irrglauben, dass die Politik sich schützend vor die Bürger stellen kann! Dazu wird die Politik viel zu sehr von der Wirtschaft gelenkt. Die Wahren Mächtigen sitzen an der Spitze von globalen Banken und Konzernen. Die Politiker sind doch nichts anderes mehr, als ein kläglicher Versuch der Vortäuschung von “Demokratie”!

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