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Die Wahrheit des Wortes

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Ein Leben ohne den Bankrott

24. Juni 2011

Europa und die USA stehen weiterhin am Rande der völligen Pleite, wie man es so schön in den Medien verlauten lässt. Faktisch sieht es aber wohl viel mehr so aus, dass die westliche Welt schon längst völlig ausgebrannt ist. Nicht ganz überraschend war es da, dass sich die EU-Finanzminister auch zum Wochenbeginn nicht auf eine Rettung Griechenlands einigen konnten. Die Uhr tickt runter und nun heißt es, dass im Juli die Staatspleite in Griechenland droht. Im August droht genau diese übrigens auch den USA. Nun hört man immer wieder Termine für verschiedene Staatspleiten und irgendwie gibt es dann immer wieder kurz vorher doch noch eine Lösung, um diese abzuwenden, denn im Moment kann noch niemand sagen, was es zum Beispiel für die Finanzmärkte und Staatskassen in Europa bedeuten würde, wenn Griechenland wirklich in den Bankrott abstürzt. Die Folgen könnte durchaus wesentlich härter werden, als es damals im Fall der Pleite von Lehman Brothers war. Man muss aber auch die andere Seite genau betrachten und die Frage stellen, was bedeutet eigentlich ein Leben, wie man es in der westlichen Welt schon lange führt, was bedeutet das ewige Leben ohne den Bankrott? Die Antwort ist etwa so fatal, wie die Szenarien, die man mit dem Bankrott durchspielt aber dies scheint man im Moment nicht wirklich kommunizieren zu wollen und auch dafür gibt es gute Gründe.

Der Bankrott ist schon längst eingetreten
Länder, wie zum Beispiel die USA und Griechenland stehen nicht am Rande einer Krise, sie sind mittendrin. Im Fall von Griechenland sieht es sogar so aus, dass die dortige Situation, die man in ähnlicher Form auch in anderen europäischen Staaten, wie zum Beispiel Portugal vorfindet, dazu führen kann, dass die gesamte Eurozone gesprengt wird und in der Folge die Europäische Union (EU) zerbricht. Ein Szenario, welches so gigantisch ist, dass man es sich nicht wirklich ausmalen kann, geschweige denn, dass man dies möchte. Die Alternative ist allerdings, dass man immer mehr Kapital in die Problemländer transferiert und dies ohne, dass hier eine wirklich Verbesserung der Lage auch nur im Ansatz erkennbar wäre. Nimmt man nun das größte Geberland in der EU, die Bundesrepublik Deutschland, stellt man schnell fest, dass auch hier nicht aus dem Vollen geschöpft werden kann. Dies wiederum bedeutet, auch hier muss man sich immer weiter verschulden und so wird der Kreis immer größer. Natürlich achtet man in Deutschland streng darauf, dass man nicht in eine Lage, wie die der Griechen oder Amerikaner abrutscht. Dies bedeutet allerdings nichts anderes, als sparen bis der Arzt kommt. An dieser Stelle nähert man sich dem Punkt an, was es bedeutet ohne den tatsächlichen Bankrott zu leben.

Deutschland steht vor dem Kollaps des Sozialsystems. Das Gesundheitswesen ist bis zum Umfallen ohne ein positives Ergebnis reformiert worden. Das Rentensystem scheint nur noch haltbar, wenn die Menschen bis zu ihrem Todestag arbeiten gehen und die Probleme, die es zum Beispiel in Bereichen der Pflegeversicherung gibt, sind noch nicht einmal im Ansatz angegangen worden. Man sieht nur schon an diesem kleinen Ausschnitt, wie groß die ganz eigenen Problem im Aufschwungsland Deutschland sind. Packt man hier nun noch ständig weitere Millionen und Milliarden Euros drauf, um den Kollaps in anderen Ländern zu verhindern, ist dies kaum förderlich. Der Ausgleich den man schaffen kann und muss, kann nur durch einen weiteren, radikalen Kahlschlag im Sozialsystem erfolgen. Dies wiederum bedeutet immer weiter steigende Armut. Der Anstieg der Armut wiederum ist ein großer Faktor, wenn man von der Destabilisierung eines Landes sprechen möchte, denn die Angst vor der Armut ist eine große Triebfeder die Massen bewegen kann, wie man aktuell auch in immer mehr Ländern Europas sehen kann. Die Menschen sind es satt und gehen auf die Straße, um ihren Unmut, der immer mehr zu purer Wut wird, freien Lauf zu lassen.

Die Mär vom Ende der Weltwirtschaftskrise
Es ist an Hohn kaum noch zu überbieten, wenn man immer wieder Politiker hört, die behaupten, dass die Weltwirtschaftskrise vorbei sei und im selben Atemzug über die Pleite von europäischen Staaten und den USA verhandelt wird, wenn das keine Weltwirtschaftskrise ist, fragt man sich, was dann? Aber natürlich belügt man die betroffenen Völker nicht ohne Hintergedanken, würde man die Wahrheit verbreiten, käme auch der Restkonsum noch zum Erliegen und die Probleme würden noch massiver. Allerdings muss man auch anmerken, dass die Probleme, die man im Moment durch die aktuelle Politik aufbaut, noch viel schlimmer sein werden. Denn mit jedem Mensch der in die Armut abrutscht und dies werden täglich mehr, wird der Spalt, der sich durch die Gesellschaft zieht, immer tiefer und breiter. Desto größer die Spaltung der Gesellschaft wird, desto größer wird, und das ist hinlänglich bekannt, das Risiko sozialer Unruhen. Hier gibt es zwei Szenarien die denkbar wären. Es gibt die Möglichkeit, dass sich die Protestbewegung in Europa noch mehr globalisiert und es eine Art europäischen Volksaufstand gibt, der dann in der Folge zu flächendeckenden Unruhen in der EU führt. Die andere Möglichkeit ist, dass es zu einem Aufkeimen verschiedener neuer Nationalismen kommt und sich verschieden Länder gegeneinander stellen, da man die anderen für die eigenen Probleme verantwortlich macht.

Schon Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) warnte immer wieder davor, dass es ein unruhiges Jahrtausend wird und es gibt viele Stimmen die schon vor langer Zeit gesagt haben, dass der europäische Traum irgendwann ein Albtraum sein würde. Nun scheint genau diese Zeit anzubrechen, denn auch wenn man den Bankrott verschiedener Staaten gerade noch verhindern kann, löst dies nicht im Ansatz irgendwelche Probleme, wie man deutlich erkennen kann. Die Politik ist nun gefordert behutsam und Schritt für Schritt für einen Systemwechsel in der westlichen Welt zu sorgen, denn das aktuelle System ist am Ende. Ein guter Anfang, den auch die Menschen auf der Straße verstehen würden und auch befürworten würden, wäre den Zockern an den Finanzmärkten das Handwerk zu legen, womit ein großes Problem angegangen würde, welches man seit der Pleite von Lehman Brothers kläglich verschlafen hat. In einem weiteren Schritt muss sich die Politik wieder vor der Wirtschaft positionieren und nicht länger deren Marionette sein, denn auch dies ist längst überfällig, wie die Diskussion über die Merkwürdigkeiten an den Zapfsäulen genauso belegen, wie die noch immer in der Hauptsache von den Energieriesen gelenkte Energiewende. Die Aufgaben an die Politik sind groß zu Beginn dieses Jahrtausends aber ein Versagen hätte eben auch Folgen, die wohl kaum irgendwer erleben möchte.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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