fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Ein Jahr nach der Katastrophe – Duisburg 2011

27. Juli 2011

Es sollte einer dieser Traumsommertage werden, vor fast genau einem Jahr in Duisburg. Die Loveparade war von Rainer Schaller nach Duisburg geholt worden und es sollte eines der großen Events der Kulturhauptstadt RUHR.2010 werden, stattdessen kam es zur Katastrophe, bei der 21 Menschen ihr Leben verloren und unzählige zum Teil schwer verletzt wurden. Die wirkliche Tragödie ist allerdings wohl auch, dass es auch über ein Jahr nach der Katastrophe im Pott kaum ausreichend Verantwortungsübernahme gibt. Die Fakten sind bekannt, eigentlich weiß auch jeder, welche Fehler, an welchen Stellen gemacht worden waren aber trotzdem geht das Gezerre auch ein Jahr danach weiter, was natürlich vor allem auch den Angehörigen gegenüber einfach nur unzumutbar ist. Menschen verloren dort draußen ihre Freunde, Familienangehörige und um all dies schachert man nun, wie auf einem orientalischen Basar. Natürlich wurde dieser erste Jahrestag der Katastrophe auch von allen Seiten genutzt, um Bedauern und Trauer auszudrücken aber wie wahr mag all dies sein, wenn man sich den Gesamtkontext ansieht und überlegt, was in den letzten zwölf Monaten geschehen  ist. Jahr für Jahr wird jetzt wohl das Interesse und vor allem auch das Interesse an der Aufklärung in der Öffentlichkeit schwinden und man muss wohl davon ausgehen, dass es keine angemessenen Strafen geben wird, wenn sich nicht noch irgendwas nachhaltig verändert.

Das Leben geht weiter
Viele der Angehörigen der Opfer, werden diese Überschrift wohl kaum oder gar nicht beipflichten können, verstarben doch an diesem Tag ihre Liebsten bei einer Massenpanik, die es so hätte gar nicht geben dürfen. Scheinbar waren aber auch hier die finanziellen Interessen, der Erfolg um jeden Preis, höher angesiedelt, als die Sicherheit, die Gesundheit und letztendlich auch das Leben der Menschen, die hier feiern wollten. So etwas ist ein klarer Fall von Gier. Diese Gier mussten nun aber andere bezahlen, als die, die diese auslebten und dies ist natürlich auch unvorstellbar. Die Zahlenschiebereien, die Irrtümer in der Größenordnung der Teilnehmer und viele weitere Fakten, die sehr schnell nach der Katastrophe bekannt waren, werden wohl kaum alles merkwürdige Zufälle gewesen sein. Es scheint viel mehr so, als hätte man hier eine Veranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes auf Biegen und Brechen durchbekommen wollen. Man fragt sich natürlich bis zum heutigen Tage, wie so etwas in einem Land, in dem es für alles Regeln gibt und man von einem Übermaß an Bürokratie spricht, überhaupt möglich ist und scheinbar muss man sagen, dass dies nur bei einer ausreichenden Vernetzung von Politik und Wirtschaft auf hohem Niveau möglich ist. Vielleicht ist auch hier die Antwort auf die Frage zu suchen, warum zu mindestens in der Außendarstellung das Leben von zwei Menschen scheinbar wirklich völlig normal weitergeht.

Rainer Schaller, der Veranstalter der Loveparade und damit natürlich in gewissem Maße auch der Hauptverantwortliche dieser Veranstaltung, ist seit nun mehr über einem Jahr damit beschäftigt zu erklären, warum er unschuldig sei. Auf der anderen Seite findet man Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und auch sein Leben verlief scheinbar bis zum 11. Juli 2011 relativ normal weiter. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die noch immer in alle Richtungen laufen, führten bis zu dem gerade genannten Tag zu kaum etwas greifbaren, allerdings teilte an diesem Tag die Staatsanwaltschaft mit, dass aus ihrer Sicht die Erteilung der Genehmigung für die Loveparade 2010 in Duisburg rechtswidrig war. Daraufhin entschuldigte sich Sauerland (CDU) öffentlich und übernahm immerhin schon einmal die `moralische Verantwortung`. Nun muss man allerdings einräumen, dass dieser Fakt eigentlich schon wesentlicher länger bekannt und klar war aber eben noch nicht in diesem Sinne juristisch aufgearbeitet war. Außerdem hat sich allerdings auf beiden Seiten, also auf Seiten der Wirtschaft, zu der man hier ganz klar den Veranstalter zählen muss und von Seiten der Politik, wozu man natürlich Adolf Sauerland (CDU) zählen muss, noch nichts getan, was die Opfer auch nur im Ansatz befriedigen könnte. Nun gilt es abzuwarten, zu welchen Fakten die Staatsanwaltschaft noch kommen wird und ob es in dieser Strafsache am Ende des Tages mehr als nur Bauernopfer geben wird.

Ein Drogenparadies
Was auch nur selten ein Thema im Gesamtkontext dieser Veranstaltung war und ist, ist das Thema Drogen. Seit ihrem Beginn 1989 in Berlin ist diese Technogroßveranstaltung auch eine Großveranstaltung im Kontext von Drogenkonsum, also kann sich auch von diesem Fakt bei der 19. Loveparade im Sommer 2010 in Duisburg niemand wirklich überrascht gezeigt haben. Veranstalter und Verwaltung sahen dies, was natürlich auch für viele andere Großveranstaltungen gilt, allerdings nicht als Grund an, eine solche Veranstaltung nicht stattfinden zu lassen bzw. zu untersagen. Nun sollte auch jedem bekannt sein, dass Menschen natürlich unter dem Einfluss von Drogen noch einmal völlig anders reagieren und dies könnte bei dieser Veranstaltung natürlich auch noch eine Rolle gespielt haben. Dies ist übrigens nicht als Schuldverschiebung in Richtung der Teilnehmer dieser Veranstaltung zu sehen, sondern als eine weitere Frage danach, wieso solche gesellschaftlichen Fakten, scheinbar sehr gerne ignoriert werden. Dies gilt natürlich vor allem auch, wenn sie für die Sicherheit einer solchen Veranstaltung relevant sind und wenn man eine so große Anzahl an Menschen hat, bei denen man von einem gewissen Maß an Kontrollverlust durch eben die Einnahme von Drogen ausgehen muss. Solche Fakten sollten natürlich bei der Planung, zum Beispiel im Kontext des Umgangs mit einer Massenpanik, wie man sie in Duisburg tragischerweise erleben musste, mit einkalkuliert werden, dies scheint aber nicht im ausreichenden Maße geschehen zu sein, was natürlich auch noch für viele andere Bereiche gilt.

Unterm Strich bleiben vor allem über 20 Menschen die dieses Ereignis, eines der Highlights der RUHR.2010, nicht überlebten, was natürlich auch einen dunklen Schatten auf diese kulturell so wichtige Veranstaltung wirft und man auch hier durchaus die Interessenslagen mit überprüfen sollte. Denn natürlich wäre dies auch ein großes Highlight geworden, welches man in diesem Kontext gefeiert hätte. Man merkt an diesem Artikel vor allem auch wieder eines, was allerdings nicht nur für die Katastrophe der Loveparade 2010 in Duisburg gilt, es scheint in einem hohen Maß an Menschlichkeit zu fehlen. Es wird um Posten geschachert, um viel, viel Geld, denn all dies könnten natürlich auch noch Punkte sein, die je nach Ausgang dieses Ermittlungsverfahrens betroffen wären und auf der anderen Seite ist das Leids derer, die liebe Menschen an diesem Tag verloren haben. Man fragt sich so natürlich auch, welchen Wert ein Menschenleben in unserer heutigen Gesellschaft noch hat und man hat das Gefühl, dass mit jeder dieser Katastrophen der Wert sinkt. Von den persönlichen Verantwortlichkeiten in diesem Kontext einmal ganz abgesehen, fragt man sich auch, wie die Politik in Zukunft, ernsthaft solche Vernetzung aufschneiden möchte, um zu mindestens eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu erschweren bzw. im besten Fall zu verhindern. Man muss aber wohl auch hier davon ausgehen, dass sich nicht sehr viel verändert hat oder auch in Zukunft verändern wird und auch hier das Kapital über die Menschlichkeit siegen wird und dies ist natürlich ein Armutszeugnis für Nordrhein-Westfalen und den Rest der Republik.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu