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Die Wahrheit des Wortes

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Ein Jahr nach dem Amoklauf von Winnenden

11. März 2010

Heute genau vor einem Jahr ereignete sich an der Albertville-Realschule im baden-württembergischen Winnenden der schreckliche Amoklauf des Tim K. und warf einmal mehr viele Fragen auf. Der heutige Tag sollte aber nicht nur ein Tag der Trauer und des Gedenken sein, sondern auch ein Tag an dem man schauen sollte, wo die Gesellschaft ein Jahr nach dieser Tragödie steht. Wenn man sich dieses eine Jahr anschaut, muss man schon fast festhalten, dass es zum Glück zwar keine so drastischen Amokläufe mehr gab aber der Amoklauf von Winnenden natürlich auch nicht der letzte war. Natürlich bemüht man sich im Kontext von Amokläufen, wie übrigens auch in Fällen von Selbstmord, immer wieder zu erklären, dass die Anzahl nicht wirklich dramatisch ansteigt, sondern es nur zu einer veränderten Wahrnehmung durch die Veränderungen in den Medien gekommen ist. Genau hier zeigt sich auch sehr schön, dass sich auf einem der wichtigsten Gebiete keine Veränderungen zum Positiven ergeben hat, denn der Zustand der Gesellschaft dürfte sich ein Jahr später wohl eher noch etwas verschlechtert haben.

Der Preis des Lebens
`Keine Sportwaffen als Mordwaffen` ist eine dieser Kernaussagen aus dem letzten Jahr, der noch einmal verdeutlicht, wo die Debatte aus den Augen einiger hingelenkt werden soll. Man erinnert sich noch an die Versuche Schützenvereine zu sanktionieren und auch die Aussagen zu so genannten Ballerspielen sind noch tief in der Erinnerung. Da ist sie wieder, diese in diesem Land so beliebte Bekämpfung von Symptomen, anstatt sich einmal wirklich mit dem Kern des Problems zu beschäftigen. Diese Gesellschaft verrottet mehr und mehr von innen und dies ist der Preis dafür, dass sich leider nur die Wenigsten für eine wirkliche Verbesserung des Systems einsetzen. So lange auch weiterhin das Prinzip des Stärkeren gilt, auch wenn dies in unserer Zeit eher im Bezug auf Kapital und der damit verbundenen Macht zu sehen ist, als auf körperliche Stärke, wird es auch immer wieder solche Katastrophen, wie die von Winnenden geben. Ein Startorhüter nimmt sich das Leben, ein Bauunternehmer der gerade die Pleite hinter sich hat, löscht seine ganze Familie aus usw. Es scheint so, als zeige sich hier der Preis für das Leben, welches man im Moment in Deutschland lebt.

Vor gar nicht allzu langer Zeit war es auch hier so, dass der Mann sich um das Einkommen gekümmert hat, während die Frau sich um den Haushalt und die Kinder sorgte. Dann kam die Emanzipation auf und diese sorgte dann unter anderem dafür, dass nun wesentlich mehr Frauen arbeiten als damals. Gegen all dies ist auch gar nichts einzuwenden. Allerdings ist es nun in den meisten Fällen nicht zu einer Umkehr gekommen, die bedeuten würde, dass sich nun die Männer um Haushalt und Kinder kümmern. Es ist viel mehr so, dass immer öfters beide Partner arbeiten und dies oftmals einfach nur um zu überleben. Der Staat reagiert mit immer neuen Möglichkeiten, wie die Kinder ganztägig betreut werden und erfreut sich an noch mehr Produzenten und Konsumenten. Das all diese Fakten natürlich auch für eine völlige Veränderung der Familienstrukturen sorgen, ignoriert man dann schon einmal gerne. Eine intakte Familie als Fundament einer gut funktionierenden Gesellschaft wird so immer mehr verhindert, dafür freuen sich die vermeintlichen Eliten und Experten, dass in ihrer heilen Welt so noch mehr Geld fließt. Das es in einem solch negativen Umfeld, dann auch schon einmal zu Selbstmorden und Amokläufen kommt, ist wohl eher als selbstverständlich einzustufen.

Reservebank für innere Organe
Es ist dieser völlige Werteverlust, der immer wieder zu den gerade geschilderten Problemen führt. Nun hat sich seit der Katastrophe von Winnenden auch die Regierung verändert und viele Menschen hatten die Hoffnung auf eine Verbesserungen der Situation aber genau danach sieht es nun nicht aus, denn die Situation wird sich wohl eher noch verschärfen. Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will Empfänger von Sozialleistungen damit betrauen Schnee wegzuräumen. Die Chefin der SPD in Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft (SPD), geht noch einen Schritt weiter und will auch kranke Menschen die Sozialleistungen empfangen in einen so genannten sozialen Arbeitsmarkt bringen. Keiner fragt hier, was daran eigentlich noch sozial ist. Fehlt nur noch, dass irgendwer den Vorschlag macht, demnächst Komapatienten einfach sterben zu lassen, um so gegen die Engpässe bei Spenderorganen vorzugehen, denn möglich scheint hier doch fast alles zu sein. Hat sich eigentlich schon einmal jemand überlegt, wenn demnächst Hartz-IV-Empfänger die Straßenreinigung etc. übernehmen, was aus den Menschen wird, die diesen Job bis jetzt machen. Es fällt schon schwer hier noch so etwas wie einen Sinn in der Politik zu finden, außer das in weiteren Bereichen scheinbar schon wieder das Lohnniveau gedrückt werden soll.

Eine bekannte amerikanisch Fast-Food-Kette wirbt für ihre deutschen Filialen damit, dass bei ihr auch noch Menschen im Rentenalter gute Chancen haben. Auch hier scheint es niemand zu interessieren, warum Rentner überhaupt noch am Arbeitsmarkt aktiv sein müssen. Im thüringischen Dorf Niederzimmern will man jetzt Schlaglöcher verkaufen, um somit deren Reparatur finanzieren zu können, auch dies sagt einiges über den Zustand unserer Republik aus. All die hier geschilderten Fakten führen dazu, dass in diesem Land lustig und munter weitere Menschen gezüchtet werden, die irgendwann als zurückgezogenen Einzelgänger mit psychischen Problemen entweder sich selber das Leben nehmen oder ihre Familie auslöschen oder eben im großen Stil einen Amoklauf veranstalten, wie Tim K. es genau vor einem Jahr in Winnenden tat und auch dann werden die Menschen wieder diskutieren. Man darf vermuten, dass es auch dann wieder um Schützenvereine, Sportwaffen und Ballerspiele gehen wird und abermals nicht um die verfehlte Politik in diesem so genannten Sozialstaat, der er scheinbar schon seit langem nicht mehr ist. Das jetzt die Zeit ist gegen solche Entwicklungen zu arbeiten, scheinen nur wenige Menschen zu verstehen, was auch daran liegt, dass es in den Medien viel zu selten so drastisch erklärt wird.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Jens // 11. Mrz 2010 at 10:47

    Ich finde die Google Werbung unter dem Text “Entdecke dein früheres Leben – Wer warst du?” als extrem unpassend im Bezug auf das Thema.

Schreib was dazu