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Die Wahrheit des Wortes

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Ein humanitäres Massaker

30. März 2009

Wir stehen am Anfang einer spannenden Woche. In London findet ein G20-Treffen statt, um über eine neue Weltwirtschaftsordnung zu sprechen. In Baden-Baden, Kehl und Straßburg findet ein, von 15.000 Polisten bewachtes, NATO-Treffen statt. Es gilt den 60. Geburtstag dieses Militärbündnisses zu feiern und wenn man der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) glaubt, steht auch hier ein Systemwechsel an. Systeme müssen sich verändern, so viel scheint festzustehen aber was bewegt sich wirklich, außer den Millionen die all diese Veranstaltungen kosten. Vor einigen Stunden ist der Chef von General Motors (GM) Rick Wagoner zurückgetreten und man kann nur hoffen, dass ihm der Bahnchef Hartmut Mehdorn bald folgt. Alles in allem ist diese Woche mit Vorsicht zu genießen, denn nur weil unsere Politiker und Wirtschaftsbosse einen Systemwechsel verkaufen wollen, heißt dies noch lange nicht, dass es ihn auch wirklich geben wird.

Zahlen der Mobilitätsbranche

Richard Wagoner der Chef von GM ist zurückgetreten, dies war eine Forderung des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama im Kontext der milliardenschweren Staatshilfe für den angeschlagenen Autobauer. Nun versucht man eine Lösung zu finden und das immerhin für 60 Tage. Da fällt einem außer Spott und Hohn nicht viel ein. Aber auch da sollte man in Deutschland nicht den ersten Stein werfen, denn man sitzt hier quasi im Glashaus. Denn auch bei uns gibt es massive Rücktrittsforderung im Bereich eines Mobilitätskonzerns. Wir reden von der Deutschen Bahn AG und ihrem Vorsitzenden Hartmut Mehdorn. Denn sein Unternehmen kommt einfach nicht aus den Negativschlagzeilen, so hat man wohl E-Mails der Gewerkschaft nicht nur abgefangen, sondern diesen Streikaufruf auch gelöscht. Zur Begründung dieses Löschvorgangs gibt es verschieden Aussagen. Mal heißt, es wären Serverprobleme gewesen, dann heißt es wieder, ein solcher Aufruf sei unzulässig gewesen. Scheinbar möchten man sich hier alle Optionen offen halten. Genau diese Taktik ist in der Wirtschaft, wie auch in der Politik, in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Fakt ist, wie auch immer man es betrachtet, die Bandagen mit denen mittlerweile weltweit in der Wirtschaft und der Politik gekämpft wird, werden immer härter.

Bei der Bahn verweist man einfach auf die guten Zahlen, die man am heutigen Tag präsentieren will. So schön positive Zahlen in der heutigen Marktsituation auch immer sein mögen, kann dies aber noch lange nicht alles rechtfertigen. Scheinbar versucht man aber genau diesen Kurs zu etablieren. Stimmt das Konzernergebnis, darf ich mir alles erlauben. Soll so der Systemwechsel aussehen? Ewig wird sich der Bahnchef Mehdorn wohl nicht mehr halten lassen, zu Mal man bei der bisherigen Entwicklung, des immer größer werdenden Datenskandals, scheinbar ständig auf Neues gefasst sein muss und es natürlich auch mehr und mehr eine Frage politischer Glaubwürdigkeit geht, denn der Einfluss der Bundesregierung auf die Deutsche Bahn AG muss bei allem auch berücksichtigt werden. Egal ob Mehdorn oder auch Wagoner, bleibt es auch mit Spannung abzuwarten, ob diese Menschen eine Abfindung erhalten und somit ihr Verhalten auch noch belohnt würde. Im Fall von GM ist dies natürlich sehr spannend, denn man spricht im Bereich der Topmanager immer gerne von leistungsbezogenen Vergütungen. Wenn man dies zu Grunde legen würde, müsste ein großer Teil der vermeintlichen Wirtschaftselite dieser Welt, der Gesellschaft wohl einige Billionen zur Verfügung stellen. Dies wäre dann leistungsbezogen und würde den Menschen helfen, die durch das Fehlverhalten einiger Manager nun auf der Straße sitzen.

Die Krise als Chance

An diesen Verhaltensmustern in der Wirtschaft, aber natürlich auch in der Politik, sieht man sehr schön, wie absurd dieses System ist. Wenn man sich alleine überlegt, wie teuer die beiden zu Beginn beschriebenen Veranstaltungen sind. Wenn man sich überlegt, wie hoch die Umweltbelastung durch solche Veranstaltungen ist, merkt man schnell, dass scheinbar auch gar kein ernsthaftes Interesse von Seiten der Verantwortlichen vorhanden ist. Es ist ein großes Schauspiel und nicht mehr. Milliardenbeträge werden in den Bankensektor gesteckt und eine Milliarde nach der anderen verpufft und dies wird dann als nachhaltige Wirtschaftspolitik verkauft. Immer mehr Menschen in der Realwirtschaft verlieren ihre Arbeit und trotzdem versuchen unzählige Politiker noch immer zu verkaufen, dass es eine Finanzkrise sei. An dieser Stelle muss man ein Mal die Banken loben, denn wenn es nun keine Kredite mehr für Unternehmen mit einer völlig verfehlten Produktpalette gibt, die ein Unternehmen am Markt einfach chancenlos macht, ist dieser Schritt nur legitim. Wobei man auch einschränken muss, dass das Verhalten der Banken an dieser Stelle ganz offensichtlich nicht auf kaufmännischen Geniestreichen basiert, sondern ein erzwungener markttechnischer Reflex ist. Jahrelang wurden Unternehmen finanziell unterstützt, von denen man sagen muss, dass diese Unterstützung mehr als fraglich war. Natürlich erklärt sich so auch, wie diese Krebsgeschwüre an toxischen Papieren entstehen konnte. Nachhaltig ist an dieser Finanz-und Wirtschaftspolitik scheinbar kaum noch etwas und diese nun ausgelösten Reflexe, als Chance in der Krise zu verkaufen, ist auch schon wieder eine Verblendung der Gesellschaft die man als unhaltbar einstufen muss.

Diese Art der Verblendung zieht sich allerdings durch die gesamte Wirtschaft und auch Politik. Ein sehr schönes Beispiel außerhalb der Wirtschaft lieferte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Vorfeld des NATO-Treffens, denn sie forderte, dass sich mehr Organisationen, wie zum Beispiel die Vereinten Nationen, an militärischen Einsätzen, wie in Afghanistan, beteiligen sollten. Hier versucht man ganz offensichtlich den Krieg abzuschaffen und das ist nicht im Ansatz so positiv, wie es klingen mag. Denn es geht hierbei nicht darum Frieden zu schaffen, sondern einfach Tod und Grauen einen positiveren Rahmen zu verpassen. Klingt nicht nur zynisch, ist es auch. Krieg ist ein so unschönes Wort und ein humanitärer Einsatz ist doch etwas positives, man tut etwas für die Menschen. Bomben für eine bessere Welt? Vielleicht sollten wir Bomben demnächst Freiheitsbringer nennen, klingt auch positiver und dann sind wir auch nur noch einen kleinen Schritt vom ersten humanitären Massaker entfernt. Erschreckend ist, dass vielen Menschen scheinbar all dies nicht auffällt oder sie es ignorieren oder verdrängen. Man muss hier wohl von einer Kriegserklärung der Politik und der Wirtschaft gegen den Menschen und die Menschlichkeit sprechen und das sollte niemand so hinnehmen. Diese Woche stellt eine sehr gute Möglichkeit dar, hier in Europa den politisch Verantwortlichen, wie natürlich auch den Vertretern der Wirtschaft klar zu machen, wer wirklich die Macht hat. Politiker sind Volksvertreter und sollten dieser Aufgabe nachkommen, tun sie dies nicht, sollte das Volk selbst zeigen, was es meint und denkt. Dies setzt natürlich voraus, dass es Gedanken gibt und diese auch zu einer Meinung führen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Politik · Umwelt · Wirtschaft

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