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Die Wahrheit des Wortes

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Ein Hoch auf den globalen Turbokapitalismus

14. April 2008

Am heutigen Tag steht der Ex-Telekom-Chef Ron Sommer in Frankfurt als Zeuge im Verfahren gegen die Deutsche Telekom vor Gericht. Da passiert es schon wieder, die Elite unseres Landes steht vor Gericht. Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass Herr Sommer sich mit seiner Zeugenaussage selber belasten würde, lassen wir einfach Mal offen. Aber warum das Gejammer? Sind wir nicht alle fröhliche, kleine, globale Turbokapitalisten, die sich an den Gewinnen des Neuen Marktes erfreut haben? Bei der letzten Daimler Hauptversammlung in Berlin, gab es großen Unmut darüber, dass der Aufsichtsrat sich seine Bezüge massiv erhöhen wollte, der Unmut über die Erhöhung der Dividende von 1,50 Euro auf 2 Euro blieb allerdings aus. Man sollte sich auch immer ein wenig mit der Kritik zurückhalten, die scheinbar oftmals nur in dem Moment aufkommt, in dem man selber betroffen ist.

Explodierende Lebensmittelpreise

Natürlich sind wir zur Zeit in einer Phase, wo es uns mehr und mehr betrifft, denn zum Beispiel die Explosion der Lebensmittelpreise betrifft uns alle. Aber es scheint kein Anlass zu sein das gesamte System ein Mal zu hinterfragen. Dominique Strauss-Kahn, der frühere französische Wirtschafts-und Finanzminister und heutige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), spricht von 500 Milliarden Euro Soforthilfe die benötigt werden. Er befürchtet den Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften und Demokratien, womit man die Unruhen in Tahiti und Ägypten nur als erste kleinere Indikatoren ansehen kann. Aber uns scheint das alles nicht zu betreffen, denn die großen Demonstrationen bleiben aus. Es scheint doch so, als geht es uns noch richtig gut und diesen Zustand will man sich scheinbar auch nicht zerstören lassen, denn Kritik könnte beim Arbeitgeber oder Nachbarn schlecht ankommen. Man muss auch immer berücksichtigen `Wir sind Deutschland`. Es bleibt nur zu hoffen, dass es gut geht und nicht später wieder alle Menschen sagen, dass sie das alles nicht wussten.

In der Siemens-Schmiergeldaffäre, in der es laut Medienberichten um 1,3 Milliarden Euro geht, ist nun auch einer der Leitfiguren der Deutschland AG, Heinrich von Pierer, unter Verdacht geraten und man neigt dazu, wie auch schon bei Herrn Ackermann und Herrn Zumwinkel mit dem Finger auf die `da oben`, auf die `Elite` zu zeigen. Aber was tun wir? Wo ist unser Protest? Wo sind die Anstrengungen das System zu verändern? Sie sind weitestgehend nicht vorhanden, anstatt sich für eine bessere Welt einzusetzen, schauen wir doch lieber Fußball, Boxkämpfe und Autorennen, da wir natürlich gar nichts ändern können. Dies ist allerdings eine massive Fehleinschätzung, denn alleine der Fakt, dass noch nicht ein Mal der Versuch unternommen wird etwas zu verändern, macht uns mitschuldig, denn damit akzeptieren wir den Zustand. Außerdem kann man etwas verändern, wenn die Gruppe derer, die ein gemeinsames Ziel vertreten, nur groß genug ist.

Als Tante Emma starb

Zu gerne nehmen wir aber die Vorzüge des Systems in Anspruch, wie erwähnt waren doch die meisten völlig begeistert von der der `Volks-Aktie` der Telekom, denn große Proteststürme blieben damals aus. Erst wenn sich das Blatt wendet, wenn unser Kapital vernichtet wird, wenn die Brötchen beim Bäcker teurer werden, fangen wir ein Mal an nachzudenken. Aber auch an dieser Stelle sind wir vom Protest noch weit entfernt. Es gibt kaum noch kleine Geschäfte, die so genannten Tante-Emma-Läden sind so gut wie ausgestorben, auch ein Zeichen des voranschreitenden globalen Turbokapitalismus. Stattdessen haben wir heute große Konzernketten, die auch immer weiter zusammenschmelzen und somit immer Marktbeherrschender werden. Da darf man nicht verwundert sein, wenn diese Ketten ihre Macht auch ausspielen und die Preise nach oben treiben. Ich habe noch nichts von Mahnwachen vor einem, vor dem aussterben stehenden, Tante-Emma-Laden gehört. Schlimmer noch, wir kaufen alles bei den großen Ketten ein und zerstören somit die kleinen Läden.

Viele beginnen langsam zu merken, dass es gar nicht um sie ging. Es ging nicht darum Kunden etwas Gutes zu tun, als die Preise der Discounter ganz weit unten waren, es ging darum Kunden zu binden und Märkte zu verändern, die man nun beherrscht und ausnutzt, wie man es mag. Die normalen Bürger werden niemals die Sieger des globalen Turbokapitalismus sein, sie werden es sein, die die Lasten des Systems zutragen haben und scheinbar kommen wir langsam in eine Phase, wo sich dies zeigt. Strauss-Kahn fordert, wie zu Beginn beschrieben 500 Milliarden US-Dollar Soforthilfe, die letztendlich auch wir als Steuerzahler wieder zahlen dürfen, von einem Systemwechsel ist nicht die Rede, immer weiter und weiter heißt die Devise und dies scheint nicht nur für die `da oben` zu gelten, sondern auch für alle anderen, denn Proteste scheinen selbst in dieser Situation noch auszubleiben. Da kann man doch nur sagen: `Ein Hoch auf den globalen Turbokapitalismus` aber bitte später nicht meckern, wenn es noch teurer oder gar existenzbedrohend wird.

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Kategorie: Gesellschaft · Wirtschaft

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