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Die Wahrheit des Wortes

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Ein Hauch eines Chaos oder kurz EHEC

10. Juni 2011

Manch einer mag sich nun fragen, ob es bei EHEC ausreicht von einem Hauch Chaos zu sprechen oder ob es nicht schon weit darüber hinausgeht. Fakt ist, wenn man sich die aktuellen Fallzahlen ansieht und sich überlegt, was dies in einem Land, wie Deutschland, schon auslöst, muss man wohl hoffen, dass es nie zu einer wirklich massiven Bedrohungslage kommt, denn es verbreitet sich der Anschein, dass man dann wirkliches Chaos hat, da dieses Land auf so etwas scheinbar nur sehr unzureichend vorbereitet ist. Wie dramatisch die Lage wirklich ist, weiß wahrscheinlich niemand so genau und auch dies ist ein Indiz der völligen Überforderung der Behörden und der Medien. Man lebt in einem Land, welches so überreguliert ist, dass Regierungen immer wieder darauf drängen, dass es zwingend einen Bürokratieabbau geben muss, dies hat sich auch die aktuelle Bundesregierung, die so genannte Tigerentenkoalition aus CDU, CSU und FDP, ganz groß auf ihre Fahnen geschrieben. Schaut man sich im Moment einmal an, welches Kompetenzgerangel im Kontext von EHEC entstanden ist, zeigt sich, dass sich auch auf diesem Gebiet nicht annähernd das getan hat, was man sich wohl von einem solchen Versprechen erhofft hatte. Auch hier scheint es wieder so, als seien all die Reglementierungen, Verordnung und Kontrollen nur hinderlich ohne etwas zu bewirken, wenn es darauf ankommt.

Was bringen all die Regeln?
Jeder der in Deutschland schon einmal ein Haus gebaut hat, ein Auto angemeldet hat oder ähnliches, weiß ganz genau wie viele Dinge zu beachten sind und all dies im Namen des Schutzes der Allgemeinheit. In Deutschland gibt es Gesetzesgrundlagen und ähnliches die zum Teil aus Zeiten stammen, die man durchaus als graue Vorzeit benennen darf. Anstatt hier eine Anpassung an heutige Bedürfnisse etc. zu schaffen, werden immer weitere Gesetze und Reglementierung oben draufgesetzt und dies meist im Namen der Europäischen Union (EU). Über den Nutzen wird oft diskutiert und meistens kann man diesen auch nicht direkt erkennen, ihn aber ebenso wenig konkret widerlegen. Dann passieren aber doch von Zeit zu Zeit Fälle, wie die Bedrohung durch die Schweinegrippe oder im Moment durch EHEC und nun sollte man meinen, dass hier alles wie am Schnürchen läuft und keinerlei großartige Probleme auftreten. Schaut man sich die Ohnmacht an mit der im Moment reagiert wird, erkennt man, dass hier nichts am Schnürchen läuft, sondern eben das am Anfang des Artikels beschriebene Chaos ausbricht. Wenn man sich nun, völlig unabhängig von möglichen Ursachen, überlegt, dass in Deutschland wirklich einmal eine massive Epidemie ausbricht, könnte man schon einmal Angst bekommen, denn in einem solchen Fall würde man noch einmal von ganz anderen Fallzahlen sprechen.

Allein schon das ein grundlegendes Kompetenzgerangel zwischen dem Verbraucherschutzministerium unter der Leitung von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) und dem Bundesgesundheitsministerium unter Federführung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) überhaupt möglich ist, belegt, wie falsch hier reguliert wird. Nun ist man natürlich von Seiten der Bundesregierung bemüht all dies herunterzuspielen, was dann allerdings nicht zur Nachrichtenlage passt. Wirklich klare Worte, die auch Verantwortung vermuten lassen, sucht man auch in diesen Tagen wieder oft genug vergebens. Stattdessen drehen sich scheinbar alle munter im Kreis, so konnte man den Medien am gestrigen Tag entnehmen, dass man nun doch wieder Gurken als Kern des Übels im Visier hat. Auch ein Punkt der für den noch nicht im Ansatz wirklich zu beziffernden Schaden mitverantwortlich ist, denn natürlich kostet all diese permanente Verunsicherung Massen an Geld, da hier zum Beispiel Gemüsebauern massiv unter Druck geraten. Nun ist auch direkt wieder die Rede von Hilfsgeldern der EU, was natürlich in einer gewissen Weise schon einmal gut ist aber auch durchaus, als reine Symptombekämpfung eingestuft werden darf, während sich am wirklichen Problem kaum etwas verändert. Das all dies überhaupt in dieser Form möglich ist, belegt, dass all die Regeln etc. die man hier hat, um genau vor so etwas zu schützen, scheinbar so gut wie gar nichts bringen, außer Blockaden an anderer Stelle.

Welche Rolle spielen die Medien?
Man muss immer wieder anmerken und auch dies belegt der aktuelle Fall, dass die Medien und hier vor allem die etablierten Massenmedien oft genug Informationen aus der Politik aber auch aus der Wirtschaft relativ ungefiltert, also ohne den Problemen angemessenen Recherchen, verbreiten. Dies führt natürlich auch dazu, dass ein hohes Maß an Angst und Schrecken verbreitet wird. Denn so lange man jeden neuen Verdachtsfall so behandelt, als sei es schon so gut wie eine Tatsache, um es dann später wieder zu relativieren oder gar ganz zurückzunehmen, vergrößert die Verunsicherung und damit nicht nur die Menschen, sondern auch die Märkte. Eine andere Art der Berichterstattung, eine wesentlich defensivere, hätte allein schon in diesem Fall für weit weniger Chaos gesorgt. Natürlich würde dies auch bedeuten, dass man weniger Quote macht und dies scheint ein großer Fakt in diesem Gesamtkontext zu sein. Angst und Schrecken bringen nun einmal Quote. Natürlich sollte man auch hier nicht die Frage nach der Moral stellen. Man sieht, dass auch hier die Medien eine ähnlich Mitschuld tragen, wie die Politik aber im Bereich der Medien zieht man es dann auch noch vor über die Probleme der Politik zu berichten und sie an den Pranger zu stellen, was natürlich aus der gerade geschilderten Position hinaus, einfach ein wenig an Heuchelei erinnert. Natürlich ist es sehr wichtig, dass die Menschen in Deutschland bestens informiert sind aber dies bedeutet Fakten und im Moment geht es doch in den meisten Fällen um Vermutungen.

EHEC ist eine gute Möglichkeit viele Probleme in diesem Land anzusprechen und es ist wohl sinnvoller dies zu tun, als halbblind irgendwelchen kurzlebigen Vermutungen hinterher zu rennen. Natürlich wird es auch jetzt wieder Stimmen geben die behaupten, dass es in anderen Ländern wesentlich schlimmer in solchen Kontexten aussieht und dies entspricht auch den Tatsachen. Allerdings sollte man dann auch anmerken, dass in anderen Ländern die Reglementierungen nicht im Ansatz so groß sind und auch die Abgabenbelastungen nur einen Bruchteil dessen darstellen, was man hier gewohnt ist zu zahlen. Es geht schlicht und ergreifend um die Verhältnismäßigkeit und die scheint in diesem Land einfach nicht vernünftig gestaltet zu sein. Denn bei einem solch hohen Maß an Reglementierungen und einem Abgabenberg der ständig in der Geschwindigkeit anwächst, wie die Leistungen zusammengeschrumpft werden, sollte eine Situation, wie man sie aktuell erlebt, eigentlich ausgeschlossen sein. Da dem, wie in diesem Artikel geschildert wird, nicht der Fall ist, muss man natürlich anmerken, dass auch auf dieser Ebene einiges massiv falsch läuft. Es bleibt zum Ende dieser Woche nur der Wunsch, dass es nicht wirklich einmal schlimm wird und man dann im vollen Maß erlebt, wie unvorbereitet man scheinbar auf einiges in diesem Land ist und ein solches Chaos gekoppelt mit dieser Art von Medienarbeit möchte man in einem wirklichen Katastrophenfall gar nicht erleben. Also bleibt die Hoffnung, dass EHEC genauso schnell verschwunden ist, wie zuletzt erst die Schweinegrippe und auch hier nichts bleibt als ein weiteres finanzielles Loch, wie man es eben auch bei der Schweingrippe erleben dürfte.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Umwelt

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