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Die Wahrheit des Wortes

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Ein ganz normaler Sommer

23. August 2010

Es ist zwar schon einige Monate her aber trotzdem erinnert man sich noch gut an den letzten Winter, der einfach einmal ein Winter mit Schnee und Eis war, auch hier keimte die Klimadiskussion auf, wobei der Begriff Erderwärmung eher selten zu hören war. Nun sind wir im Hochsommer und müssen feststellen, dass wirklich heiß anders ist. Man kann natürlich nicht meckern, denn auch dieser Sommer hatte schon seine grandiosen Zeiten aber als überragender Sommer wird er auch nicht nach diesem annehmbaren Wochenende in die Geschichtsbücher eingehen. Freute man sich in der letzten Woche schon über Temperaturen von über 20 Grad, stellt man fest, dass dies mit Hochsommer nicht wirklich etwas zu tun hat. Wären wir nun schon im Oktober, könnte man sich über solches Wetter ehrlich freuen und von einem wirklich goldenen Oktober sprechen aber für diese Jahreszeit ist dieses Wetter nicht wirklich geeignet. Aber man muss immer alles global sehen und somit kann man auch im Moment wieder vom Klimawandel berichten.

Sehr kurze Zeitspanne
Da sich Deutschland in diesem Sommer eben nicht eignet um die gravierenden Folgen des Klimawandels, der uns so viele tolle neue Möglichkeiten bietet Geld zu verdienen, zu erklären, greift man eben auf die Brandkatastrophen in Russland oder die Hochwasserkatastrophe in Pakistan zurück und schon kann man wieder klar machen, wie der Mensch das Klima negativ beeinflusst und natürlich kann man von Waschmittel bis Strom alles käuflich erwerben, um diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen. So schafft man ganz neue Märkte und hat etwas völlig Neues um den Konsum anzuregen. Dabei bleiben allerdings einige wichtige Faktoren eher weniger behandelt, zum Beispiel die Zeitspanne, denn letztendlich redet man bei Wetteraufzeichnungen immer von einem Zeitrahmen der letzten 100 bis 150 Jahre, also kein wirklich großer Zeitraum für Mutter Erde. Aber wenn es um Verkauf geht, ist die Realität oft ein ungebetener Gast, was man auch immer sehr schön im Bereich der Werbung feststellen kann. Aber es gibt auch noch ganz andere Faktoren die man in diesem Kontext nur sehr ungern behandelt.

Viele Katastrophen sind tatsächlich vom Menschen selber geschaffen aber gar nicht immer zwingend in Bezug auf das Klima. Nimmt man die Brandkatastrophe in Russland ist man ganz schnell bei den privatisierten und dann abgewirtschafteten Forstverwaltung. Dies bedeutet, dass Hauptproblem war hier gar nicht einmal die Hitze, sondern der Umgang mit den Folgen, also den Bränden. Ein Blick nach Pakistan zeigt, dass es hier wieder ein Armenhaus dieses Planeten getroffen hat und auch dies ist ein wiederkehrendes Phänomen, denn natürlich sind die Opferzahlen gerade dort so massiv hoch, wo die Menschen in Zuständen leben, die solchen Wassermassen nichts entgegenzusetzen haben. Auch hier ist es nicht nur das Wasser, sondern vor allem die Lebensumstände der Opfer, die zu solch katastrophalen Folgen führen. All dies möchte man aber nicht so gerne ansprechen, denn es würde vor allem die aktuelle Systemkrise aufzeigen. Immer mehr Armut bedeutet immer mehr Opfer und das erst einmal unabhängig vom Klimawandel. Mit Armut kann man aber kaum Geld verdienen, ganz im Gegensatz mit ökologisch, den Klimawandel verhindernden Produkten. So erklärt sich natürlich auch, warum es in den Tagesdiskussionen eher der Klimawandel anstatt die Armut sein soll.

Der Kampf ums letzte Hemd
Wie gerade erwähnt, kann man mit Armut kaum Geld verdienen, dies bedeutet aber nicht, dass man nicht auch da noch ein bisschen Kapital abzweigen kann. Dies erklärt dann natürlich den erbitterten Kampf der im Moment im Bereich der Katastrophenhilfe zu erkennen ist. Hier haben die Spiele auch gerade erst begonnen und es geht hierbei auch um staatliche Interessen, denn wer hilft, verdient später auch mit. Dies gilt von den Aufträgen des Wiederaufbaus bis hin zur Plünderung der Bodenschätze. Bestes Beispiel ist das Engagement der USA im Irak aber auch in Afghanistan. Es geht gar nicht so sehr um die Not der Menschen, was im Raubtierkapitalismus auch mehr als überraschend wäre, es geht darum, wo man am besten seinen Schnitt machen kann. Nun versucht man auf verschiedenen nationalen aber auch höheren Ebenen bis hin zu den UN schnelle Eingreiftruppen zu formen und dies unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe. Oftmals hat man das Gefühl, dass sich hier eine Art neuer Kolonialismus breit macht, nicht mehr so frontal, wie noch in der Geschichte, sondern eher durch die Hintertür, wobei die angestrebten wirtschaftlichen Ziele wohl die gleichen sein dürften.

Auch auf diesem Gebiet versucht Europa mehr durchzustarten, gilt es doch den Oberrettern aus der USA den Markt nicht völlig zu überlassen. Unabhängige Hilfe scheint hier nicht mehr erwünscht zu sein. Es scheint eher so zu sein, dass man erst wissen möchte, wie sich die Hilfe später überhaupt rentiert. Dies bedeutet auch hier reden wir über rein wirtschaftliche Gedankengänge und nicht darüber, wie man völlig selbstlos Menschen in Not helfen könnte. Natürlich ist dies einmal mehr menschenverachtend aber damit dies nicht so sehr ins Bewusstsein rückt, lenkt man lieber mit Klimawandeldiskussionen oder ähnlichem ab, anstatt sich ausführlich damit zu beschäftigen, warum die Armut auf dieser Welt immer mehr ansteigt und was man dagegen tun könnte. Gäbe es in Pakistan eine bessere Infrastruktur, sprich hätte man dem Land schon viel eher geholfen, wäre wohl auch diese Katastrophe etwas kleiner ausgefallen aber dies scheint auch gar nicht die Absicht gewesen zu sein. Man sollte sich, gerade auch in der Politik, mehr um die Armut und deren Bekämpfung kümmern, als um Wetterüberraschung in einem zeitlichen Maximalkontext von 150 Jahren, denn die Ausweitung der Armut dürfte noch weit vor den Folgen des Klimawandels ein echtes Problem für die Menschheit werden.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Martina Jäger // 24. Aug 2010 at 09:01

    ich finde diesen artikel sehr gut geschrieben.
    er zeigt verbindungenin allen menschlichen bereichen
    im persölnichen als auch globalen geschehen
    er klärt und lasst offen, wo die klärung unklar ist.

Schreib was dazu