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Die Wahrheit des Wortes

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EHEC – Die kleine Schweinegrippe

3. Juni 2011

Die Anzahl der Toten durch den EHEC-Erreger steigt immer weiter an. Panik breitet sich in Deutschland und den Nachbarländer aus und im gleichen Atemzug wird vor Panikmache gewarnt. Irgendwie kommt einem all dies sehr bekannt vor. Zuletzt war es noch die Schweinegrippe, die die Menschheit dahinraffen sollte und diesmal werden Angst und Schrecken im Kontext einer Durchfallerkrankung verbreitet. Es gehen dabei allerdings einmal mehr ganz klare Fakten unter, zum Beispiel, dass während dieser Artikel entsteht mehr Menschen im Straßenverkehr verunglücken und versterben, als Menschen durch den EHEC-Erreger erkranken bzw. daran versterben. Man hat aber keine großartigen Warnungen davor sich in der Nähe von Straßen aufzuhalten oder gar Autos oder ähnliches zu kaufen, was schon merkwürdig ist, wenn man von einer angemessenen Berichterstattung sprechen möchte. Dies bedeutet, es scheint auch hier wieder völlig andere Ziele, bei dieser Art der Berichterstattung, zu geben, als die tatsächliche Gefahr zu erläutern und vor den Risiken ausreichend zu warnen. Dies sieht man auch sehr schön daran, wie viel unklar und verwirrend bleibt und hierbei geht es nicht darum, dass es natürlich eine gewisse Zeit gedauert hat, bis man den Erreger klar identifizierte hatte. Natürlich, und dies überrascht in der heutigen Medienwelt auch kaum noch, spielen bei all dem auch wieder ökonomische Gesichtspunkte eine große Rolle.

Ist dies schon das Sommerloch?
Sind es die Tomaten oder gar die Gurken, die man nun am besten meiden sollte? Welche Herkunftsländer sind überhaupt gefährlich? Ist es Spanien, sind es die Niederlande? Oder ist es ganz etwas anderes? Es gibt sehr viele Fragen, die im Moment offen zu sein scheinen. Aber warum gibt es auch diesmal wieder mehr Fragen als Antworten? Sieht man hier vielleicht schon den Beginn des oftmals angesprochenen Sommerlochs? Dies würde bedeuten, man wäre in einer nachrichtenarmen Zeit und da muss man den Blick nur vom japanischen Atomkraftwerk (AKW) Fukushima und dem dortigen Super-GAU bis zum Krieg in Libyen schweifen lassen, um festzustellen, dass dem mit Sicherheit nicht so ist. Auch politisch gibt es genug was für Schlagzeilen sorgen könnte und dies gilt genauso für das politische Berlin, wie auch für die internationale Ebene, wo gerade erst beim G8-Gipfel im französischen Deauville, dem kleinen Seebad in der Normandie, vieles kommuniziert wurde, was mehr als diskussionswürdig ist. Man kann wohl sagen, dass keine Rede vom Sommerloch sein kann. Dies bedeutet dann natürlich, dass die Gründe dafür, dass dieses Thema so überdimensioniert aufgebläht wird, ganz woanders zu suchen sind. Schnell ist man dann natürlich wieder bei dem oft beschriebenen Bereich der Ausbreitung des globalisierten Raubtierkapitalismus, den man natürlich gerne weit hinten in den Nachrichten sieht, schaut man sich dann die Pläne einmal an, wie der Westen die arabische Welt auch wirtschaftlich umkrempeln will, scheint man der Sache schon näher zu kommen.

Schaut man sich Deutschland an, also das Land, welches vom EHEC-Erreger am meisten betroffen ist, scheint hier das Bild des Landes im Aufschwung immer mehr zu bröckeln. Es gibt zum Beispiel Aussagen, dass immer mehr Krankenkassen vor dem Aus stehen sollen, was ein weiterer Beweis dafür wäre, wie marode auch dieser Teil des Sozialstaates ist und dies, wie gesagt, in einem Aufschwungsland. Da ist es dann doch eher im Interesse der Politik und natürlich auch von Teilen der Medien, die scheinbar nur noch als ungefiltertes Sprachrohr für Politik und Wirtschaft fungieren, sich im Moment einmal auf etwas anderes zu konzentrieren  und Schlagzeilen mit einem Krankheitserreger zu machen, der zu mindestens im Moment und wahrscheinlich auch auf zukünftige Sicht gesehen, gerade auch für ein Land wie eben auch Deutschland, gar nicht zu einer wirklich großen Gefahr werden dürfte. Wobei natürlich auch an dieser Stelle angemerkt sei, dass man klare Statements, die dieser, angeblich so gefährliche Situation, angemessen wären, gerade auch aus den dem Bundesverbraucherschutzministerium, wie auch aus dem Bundesgesundheitsministerium vermisst. Entweder vertritt man hier also eine andere Einschätzung der Gefahrenlage, was die Frage aufwirft, warum man diese dann nicht deutlich kommuniziert hat oder es besteht wirklich eine massive Bedrohung mit der die Politik hemmungslos überfordert ist, was auch nicht zum ersten Mal passiert wäre aber im hier genannten Fall eigentlich auszuschließen sein sollte. Im letzteren Fall würde natürlich sowohl die Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), wie auch den neuen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) in einem ganz schlechten Licht dastehen.

Welche Aufgaben haben die Medien?
Man fragt sich natürlich im Kontext des EHEC-Erregers auch einmal mehr, welche Aufgaben die Medien eigentlich haben? Man sollte annehmen, dass eine der wichtigsten Aufgaben der Medien darin, liegt die Öffentlichkeit unabhängig und angemessen zu informieren. Genau dies, nicht nur in Bezug auf den EHEC-Erreger, geschieht aber scheinbar immer weniger. Ein Großteil der heutigen Nachrichten hat eigentlich nur noch ökonomische Hintergründe bzw. Ziele. Diesen Zustand muss man auf der einen Seite natürlich der Abhängigkeit von den Werbeeinnahmen anlasten, wodurch es scheinbar zu einer, über die Jahre immer größer gewordenen Einflussnahme der Wirtschaft auf die Medien gekommen ist. Dies bezieht sich natürlich vor allem auf den Bereich der privatbetriebenen Medien und hier vor allem auf den Bereich des Privatfernsehens und den damit verknüpften Internetangeboten. Auf der anderen Seite sollte man meinen, dass dies nur ein kleineres Problem sei, denn schließlich gibt es auch noch den Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und deren dazugehörigen Internetangebote. In diesem Bereich der Medien ist es sogar so, dass es eine Art Zwangsabgabe gibt, die GEZ-Gebühr, die eine hohes Maß an Unabhängigkeit garantieren soll. Wenn dies nun scheinbar immer mehr verschwindet, was ein Zeichen der heutigen Zeit ganz allgemein zu sein scheint, sollte man auch schon einmal massivst darüber nachdenken, ob es nicht auch zeitgemäß wäre, solche Institutionen, wie eben auch die GEZ, abzuschaffen. Natürlich redet man hier von einer sehr verfestigten Struktur, die gewisse Kräfte natürlich verteidigen, da ist es schwer vorstellbar, dass es in einem angemessenen Zeitrahmen zur Abschaffung kommt.

Es sieht doch wieder einmal so aus, als würde man bei der Berichterstattung um den EHEC-Erreger von einer dieser, scheinbar ganz bewusst geschaffenen Medienblasen reden. Wo in einem ersten Zug grenzenlose Panik aufgebaut wird, um dann an gleicher Stelle gegen Panikmache zu argumentieren. Gerade in der Medienwelt gibt es angeblich für fast alle Bereiche teuer ausgebildete bzw. teuer eingekaufte Experten, da verwundert es doch, dass diese oftmals nicht in der Lage zu sein scheinen, Sachverhalte in einem angemessenen Stil darzustellen und dies bezieht sich natürlich auch auf die Bewertung getroffener Aussagen aus dem Bereich der Politik und der Wirtschaft. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist im Zusammenhang mit dem EHEC-Erreger, die Frage, wann in Deutschland, welches Gemüse reif ist und wie hoch die Möglichkeit einer Gefährdung durch dieses Gemüse sein könnte. Hier konnte man in den letzten Tagen die skurrilsten Aussagen und Argumentationen verfolgen. Am Ende des Tages zeigt der EHEC-Erreger vor allem auch eines und zwar, wo im Moment die Medienwelt steht, unabhängig davon, ob man nun von Medien in privater Hand oder von den öffentlich-rechtlichen Medien spricht. Hier zeigt sich, dass es auch auf diesem Gebiet in Deutschland nicht allzu gut bestellt ist und freie, unabhängige Medien sind ein wichtiger Baustein in einer gut funktionierenden, demokratischen Gesellschaft und deshalb sollte man ihre Bedeutung niemals unterschätzen. Man kann an dieser Stelle nur von Glück sprechen, dass es in der heutigen Zeit eine so breite und damit in gewissen Teilen natürlich auch den demokratischen Ansprüchen genügende Anzahl an Informationsquellen gibt. Allerdings ist so natürlich auch der Aufwand wesentlich größer geworden, sich gut und unabhängig zu informieren und man sollte eigentlich annehmen, gerade auch auf Grund der heutigen Technik, dass es genau umgekehrt sei aber dies ist wohl kaum so gewollt.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

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