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Die Wahrheit des Wortes

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Dumm bombt schlecht

4. Januar 2008

Mit diesem Zitat, einer meiner Lieblingskabarettisten, Volker Pispers, aus seinem Programm `Bis Neulich`, möchte ich meinen heutigen Artikel beginnen. Denn, war diese Aussage im Kontext zur deutschen Schul-und Ausbildungsproblematik und den misslungenen Bombenanschläge auf zwei Regionalzüge im Rheinland zu sehen, stellt sich für mich eine weniger kabarettistische Frage: `Bombt dumm vielleicht doch gar nicht so schlecht und könnte dies nicht auf längere Sicht, ein schwerwiegendes Problem für diese Republik werden?`

Wer braucht schon Niveau?

Diese Frage stelle ich mir, in Bezug auf viele Begebenheiten in diesem  Land, in letzter Zeit immer häufiger. Ein beliebtes Beispiel für ein, meiner Meinung nach, immer schneller sinkendes Niveau, ist unsere Fernsehlandschaft. Ich habe mich einigermaßen an die Werbeblöcke gewöhnt. Ich habe mich an die so genannten Doku-Soaps und ähnliches, die für mich persönlich übrigens nichts anderes als Volksverdummung darstellen, gewöhnt. Leider habe ich aber auch zunehmend das Gefühl, es handelt sich bei all dem, um ein Narkosemittel für das Volk. Für den letzten Punkt hoffe ich doch, dass man dann in der Anamnese des Volkes, auch auf eventuelle Nebenwirkungen hingewiesen hat und die Konsequenzen dieser einkalkuliert hat. In meiner Jugend gab es drei Fernsehkanäle und mit jedem weiteren, wurde mir verkauft, wie viel weiter mich diese Vielfalt bringt. Heute habe ich unzählige Kanäle und das, was mir immer wieder als Fels in der Brandung, in der TV-Flut verkauft wird. Die öffentlich-rechtlichen Sender. Aber was bringt mir all das?

Es bleibt immer wieder festzuhalten, dass ich die Meinung vertrete, dass das Niveau bei den öffentlich-rechtlichen Sendern höher ist, als das bei den privaten Sendern den Anschein hat. Aber nicht nur das der Abstand immer mehr abzuschmelzen droht, wie ich im Folgenden anhand einiger Beispiel darstellen möchte. Nein, schlimmer noch, das Gesamtniveau scheint immer weiter unterzugehen. Es ist immer Mal wieder die Rede davon, dass Fernsehen auch bilden soll und das tut es scheinbar genauso gut, wie das Schulwesen in dieser Republik, wenn ich die PISA-Studie als Meßlatte des Erfolgs zu Grunde lege. Ich schaute die Tage das ZDF Mittagsmagazin, als Talkgast wurde das Tenorsupertalent Ricardo Marinello angekündigt. Opernmusik, ZDF, eine Kombination die mich erwartungsvoll stimmte. Ein Mal mehr ein Beweis, das man beim ZDF doch noch Niveau besitzt. Aber was bekam ich geboten?

Singen zwischen Pizza und Pasta

Der wie immer nett frisierte Moderator Norbert Lehmann, präsentierte mir zu meinem erstaunen, den Sieger der RTL-Show `Das Supertalent`. Ricardo Marinello. Was bei mir ankam war, ein junger Mann der in Düsseldorf immer Mal wieder bei einem Italiener singt, ein Preisgeld bei einer, in meinen Augen mehr als fragwürdigen, Castingschow von 100.000 € bekommen hatte und mich mit der Aussage überraschte, dass er wohl niemals von Andrea Bocelli gesehen würde, da dieser ja blind sei. So gab mir auch dieses Mittagsmagazin eine Erkenntnis, auch wenn diese für mich nicht neu war. Blinde können nichts sehen. Ich dachte bis dahin immer bei Opernsängern, sei es wichtiger gehört zu werden. Sei es drum. Wie komme ich bloß zu der Meinung, dass das Niveau sinkt? Und wer weiß was uns noch alles erwartet, denn bald gibt es ja auch Castingschows bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Wenn ein Herr Marinello, dann das angestrebte Niveau sein sollte, wird es bestimmt spannend werden.

Gut ich muss einräumen, dass in meinen Augen das ZDF-Mittagsmagazin nur die Wiederholung des Frühstücksfernsehens ist, mit ein paar Kleinigkeiten mehr, die aber meist aus Talkgästen bestehen, die in meinen Augen oftmals eine solche Aussagekraft haben, wie der oben beschriebene 19-Jährige Schüler aus Düsseldorf. Aber natürlich beruft man sich auch hier, auf die lieb gewonnenen Quoten. Wenn die stimmen, kann man auch einfach die Berichte von ein paar Stunden zuvor wiederholen. Die Quotensucht, die laut meiner Sicht der Dinge auch hier längst angekommen ist, scheint auch dafür verantwortlich zu sein, dass Schauspieler wie Alexander Beyer im ZDF, scheinbar von Sendung zu Sendung, als Talkgast weitergereicht werden müssen. Irgendwer muss ja die Werbetrommel rühren. Denn bald schon läuft in vier Teilen, die Neuverfilmung von Leo Tolstois `Krieg und Frieden` an. Da der Name Tolstoi, scheinbar in diesem Land nicht mehr ausreicht, um Quote zu machen, muss man das Problem eben anders lösen.

Dumm könnte besser bomben als man denkt

Nachdem ich schon über einen Tenor berichtet habe, dessen Erstlingswerk übrigens den tiefgründigen Titel `The Beginning` trägt,  komme ich nun zum Tenor dieses Artikels. Meiner Meinung nach, würde das brave Fernsehvolk fast alles schlucken, wie gut oder schlecht es auch immer sein mag. Es ist die Frage, wie es ihm verkauft wird. Man entscheidet sich aber scheinbar immer mehr dazu, dass Fernsehvolk verdummen zu lassen. Dies hat, meiner Meinung nach, auch einen Hintergrund, denn desto weniger, faktisch die Menschen wissen, desto mehr sie in einen Mediensumpf mit, meiner Meinung nach, außerordentlich wenig Aussagekraft, versinken, desto leichter sind sie zu steuern. Man kann ihnen leichter klar machen, wen sie wählen sollen, wie sie sich zu verhalten haben etc. Bestes Beispiel dafür war ein, meiner Meinung nach, klarer Aufruf vom RTL-Nachtmagazin, doch endlich mehr einzukaufen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Wo ist die Nachricht?

Ich vertrete die Meinung, dass niemand mit solchen, ja scheinbar klar politischen Aussagen bzw. Aufforderung, getarnt als Berichterstattung über Rabattschlachten, Einfluss auf ein freies Volk nehmen darf. Die Risiken und Nebenwirkungen sind aber in meinen Augen, dass es  immer mehr aus Frustration, Dummheit und anderen Gründen zu Gewalttätigkeiten, wie zu letzt in der U-Bahn in München, oder zu Silvester in Magdeburg und Leipzig kommen wird. Denn scheinbar sehen immer mehr Menschen Gewalt als letzten Ausweg. Dies endet in Deutschland glücklicherweise nicht in Bombenattentaten aber trotzdem führt es oft genug zu Verletzten und leider, wie die Kindstötungen der letzten Wochen gezeigt haben, auch immer wieder zu Toten. Von daher kann die Devise nur sein, dass man nicht versuchen sollte das Volk für dumm zu verkaufen, denn im meinen Augen würde dies, auf lange Sicht, schwerwiegende Folgen für die Stabilität unserer Gesellschaft haben.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien

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