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Die Wahrheit des Wortes

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Dow Jones fast so tief wie an 911

16. September 2008

Die Finanzwelt rechnet auch am heutigen Dienstag damit, dass es negativ weiter gehen wird. Da man nun in einer Welt, in der man aller Voraussicht nach selbst am Weltuntergang noch etwas Positives sieht, nicht von Verlusten sprechen mag, spricht man lieber von leichteren Börsen bzw. Märkten. Dies bedeutet ganz konkret, zum Beispiel im Fall des amerikanischen Leitindex Dow Jones, dass die Verluste so stark waren, wie seit dem 11. September 2001 nicht mehr. Nun kann man wohl spätestens seit dem gestrigen Montag festhalten, dass die Bankenkrise in den USA noch lange nicht vorbei ist und ein Mal mehr all die Experten, die das Ende der Krise verkündet haben, falsch lagen. Haben sie gelogen oder wussten sie es wirklich nicht besser?

Das Expertensterben

Lehman Brothers, die drittgrößte amerikanische Investmentbank, die vor über 150 Jahren von deutschen Einwanderern gegründet wurde, hatte Gläubigerschutz beantragt und damit ein Erdbeben mit dem Epizentrum an der Wall Street in New York ausgelöst, dessen Schockwellen von Europa bis Asien zu spüren waren. Aber es war nicht nur Lehman Brothers die zu den stärksten Verlusten an der New York Stock Exchange (NYSE) seit 911 geführt haben. Mit Merrill Lynch ging fast noch ein anderer Finanzriese in die Knie. Hier konnte man sich gerade noch durch die Aufgabe der Eigenständigkeit in die rettenden Arme der Bank of America flüchten. Es ist schon erschreckend mit anzusehen, dass genau die Experten nun in die Pleite gehen, die Jahre lang Unternehmen bewertet und beurteilt haben aber ganz offensichtlich noch nicht ein Mal in der Lage waren ihre eigenen Geschäfte ordentlich und sauber zu führen.

Auch dies ist ein Punkt an dem dieses System krankt. Es gibt zu viele Experten und dies lässt sich auch durchaus auf Deutschland übertragen, denn auch hier hörte man lange Zeit wie weit die USA weg seien und wie abgekoppelt der Bankenmarkt in Deutschland sei. Dann kamen die Störungen im System, von den Landesbanken bis zur IKB Bank. Nun nach diesem neuerlichen Tiefschlag für viele dieser vermeintlichen Experten, ändern diese ihren Kurs allerdings nicht. Vergessen scheint die Krise, die auch in Deutschland Opfer wie die IKB oder Weserbank forderte. Wieder stellt sich die Frage, sind diese Experten so unwissend oder lügen sie? Letztendlich wird sich die Frage nicht klären lassen, es steht nur fest, dass sie natürlich alles Positiv reden müssen, denn wenn nun auch die Menschen in breiter Masse anfangen würden ihr Kapital zu schützen, in dem sie es diesen vermeintlichen Experten entziehen, wird es noch katastrophaler. Schließlich spielt man nicht mit dem eigenen Geld.

Die Provisionsblase

Aber woher kommt soviel unsauberes Geschäft, was nun immer weitere Probleme schafft bis hin zur Schieflage des Versicherungsgiganten AIG aus den USA. Schlaue Menschen, Experten, weltweite Finanzeliten hatten eines Tages eine großartige Idee wie man Firmen noch rentabler gestalten könnte. Gerade auch Unternehmen des Finanzsektors. Man führte Bonussysteme und breitflächige Provisionsabhängigkeiten ein. Ergebnis: Geld verdient nur wer verkauft. Ganz offensichtlich war man bei dieser Planung allerdings so naiv zu denken, dass sich nun die Mitarbeiter anders verhalten würden, als ihre Vorgesetzten und hohen Wert auf Ethik und Moral legen würden. Stattdessen verhielten sie sich aber wie ihre Chefs und sagten sich auch, Hauptsache die Rentabilität stimmt und zwar die eigene. So wurden die Manöver um Gewinne zu erwirtschaften immer waghalsiger, um nicht zu sagen haarsträubend. Nun platzt diese Blase, Stück für Stück.

Wer trägt die Schuld? Eigentlich, wie es so häufig in solchen Fällen ist, erst ein Mal niemand. Es ist eher so etwas, wie eine Verkettung dummer Einzelfälle. Dieses Märchen glaubt aber mittlerweile, bei diesem Ausmaß, keiner mehr. Also macht man sich auf die Suche nach Schuldigen. Laut Berichten aus den Medien, waren es Mathematiker, Nuklearphysiker die diese riskanten Geschäftsmodelle entwickelt haben und die haben halt keine Ahnung von Finanzen. Setzt man nun voraus, dass die weltweite Finanzkrise durch einige Nuklearphysiker ausgelöst wurde, bleibt eine Frage offen. Wer hat diese Menschen eingestellt? Man tut gerade so, als hätten hier eigenmächtig, ohne Einwilligung der jeweiligen Konzernführung, irgendwelche Professoren Produkte eingeführt, die man so gar nicht haben wollte. Es darf als Fakt vorausgesetzt werden, dass dem nicht so war. Die Elite der Finanzwelt hat versagt und versagt zum Teil noch immer, dass ist der Kern. So lang dies allerdings nicht auf die Agenda kommt, wird es lustig so weiter gehen. In den USA, Europa und Asien. Eben weltweit, wie es in einer globalisierten Welt nun ein Mal ist.

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Kategorie: Europa · Wirtschaft

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