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Die Wahrheit des Wortes

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Dieses Jahr kein Karneval

7. Februar 2011

Jetzt nicht gleich nervös werden, diese Überschrift bezieht sich nur auf den Februar und das auch nur im Bezug auf den Straßenkarneval, denn die wirklich ganz jecken Tage liegen in diesem Jahr ausnahmsweise ganz spät und damit erst im März. Somit muss man nun noch gut einen Monat warten bis es in Deutschland wieder zur völligen Normalität wird, dass ein großer Teil der Gesellschaft hemmungslos alle Limits bricht und selbst die, die sonst zum Lachen in den Keller gehen, richtig auf die Pauke hauen. Man darf wohl davon ausgehen, dass der März 2011 die Scheidungsraten aber letztendlich auch die Geburtenraten wieder in einen gewissen konjunkturellen Aufwind versetzt und dies ist auch das Thema in Deutschland allgemein, wenn auch eher im Bezug auf die Wirtschaft, als auf die Familie, denn die hat in diesem Land schon lange keine Konjunktur mehr. Angst vor der Zukunft, ständig steigender Stress in einer immer schnelllebigeren Zeit, all dies sind Faktoren, die doch für immer mehr Menschen gegen eine Familie sprechen und da hier politisch gesehen auch kein Einlenken abzusehen ist, wird sich dieser Trend wohl außer an Karneval fortsetzen.

Ein weiteres Jahr Krise
Es ist jetzt fast genau ein Jahr her, dass die große Zeit der politischen Bilanz in Deutschland anstand, denn vor einem Jahr war die Tigerentenkoalition aus Union und Liberalen seit 100 Tagen an der Macht. Schon nach diesen wichtigen ersten 100 Tagen zeigte sich eine Negativbilanz im politischen Berlin, wie auch im Rest des Landes aber die letzten zwölf Monate haben auch gezeigt, dass es noch schlimmer geht. Da trotz der vielen Wahlen, die in diesem Jahr in Deutschland anstehen, nicht damit zu rechnen ist, dass sich politisch irgendwas grundlegend verändert, muss man wohl auch davon ausgehen, dass sich der Abwärtstrend weiter fortsetzt. Natürlich gibt es diesen Abwärtstrend weder in der Politik, noch in der Wirtschaft, wenn man den etablierten Massenmedien glaubt aber der Anteil derer, die genau das tun, sinkt auch immer schneller ins Bodenlose. Die Menschen spüren einfach, dass in diesem Land etwas maßgeblich daneben läuft und die Betäubungsversuche von Wetten dass…? bis zum Dschungelcamp fruchten auch immer weniger. Die Schere zwischen den Armen und den Reichen geht auch weiterhin immer mehr auseinander und dies kann wirklich nicht bedeuten, dass die Krise vorbei ist.

Man hat auch in den letzten Monaten medial und politisch immer wieder versucht die Krise als beendet zu erklären, nur leider fehlen die passenden Fakten und die kann selbst das Team um Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht aus dem Hut zaubern, aus dem man sonst schon allerlei zauberte. Auch Deutschland hat sich auf das gefährliche Spiele der raubtierkapitalistischen Globalisierung eingelassen und muss somit nun auch dafür bezahlen. Auch dies darf niemand wirklich wundern. Deutschland war einmal das Land der Dichter und Denker, zieht man nun durch die Metropolen des Landes, scheint es oftmals eher so, als sei es nun nur noch das Land der Leergutsammler. Man muss sich natürlich überlegen, was für ein Land das ist, in dem auch auffällig viele ältere Menschen Leergut einsammeln müssen, um über die Runden zukommen. Man spricht hier von der Personengruppe, die dieses Land mit aufgebaut hat. Man darf davon ausgehen, dass sie sich damals ihre Zukunft anders vorgestellt haben. Wenn man sich dann noch überlegt, dass die wirklich große Flut der Altersarmut erst noch auf dieses Land zurollt, will man gar nicht wissen, was dies dann wohl bedeutet. Wahrscheinlich braucht man dann ganzjährig Karneval, damit genug Leergut, also Lebensgrundlage, für all diese Menschen, auf den Strassen steht.

Ein Trauerspiel
In einem Land in dem die Bankentürme immer weiter wachsen, in dem die Deutsche Bahn AG soviel Kapital zur Verfügung hat, dass sie sich ein völlig umstrittenes und gar nicht wirklich bis auf den letzten Euro kalkulierbares Mammutprestigeprojekt, wie Stuttgart 21 leisten kann, sollte man meinen, dass Armut gar kein Thema ist. Wenn Aktienindizes immer weiter nach oben steigen und Wirtschaftsbosse immer mehr und mehr dafür bekommen, dass sie scheinbar, wenn es darauf ankommt, versagen, sollte man meinen, dass es allen Menschen gut geht. Da dem nicht so ist, erkennt man auch ganz schnell das grundlegende Problem. Die Aufteilung des Kapitals ist grundlegend falsch geregelt und hier spricht man wieder von einer glasklaren Aufgabe der Politik, denn jegliche Eigenverantwortung in der Wirtschaft, gerade auch im Kontext einer sozialen Form der Marktwirtschaft, ist verloren gegangen. Es geht hierbei nicht um irgendwelche sozialistischen Ansätze, es geht schlicht und einfach um den viel zitierten Satz, dass sich Arbeit wieder lohnen muss. Hiermit ist allerdings nicht gemeint, dass der Staat die Menschen in die Armut schickt und somit zwingt zu menschenunwürdigen Löhnen zu arbeiten, wie es der ein oder andere Politiker scheinbar versteht.

Es ist ein Trauerspiel, dass die Menschen, die diese aktuell noch immer andauernde Krise durch ihr Fehlverhalten verursacht haben, entweder noch immer ihrer, in diesem Fall mit Sicherheit überbezahlten Tätigkeit nachgehen oder abgefunden worden sind und ihr Chaos nun an anderer Stelle verbreiten dürfen, während die Opfer all dessen auf der Strasse sitzen. Dieses System zerstört Existenzen und zwar im großen Stil, auch dies ist ein Fakt den man klar benennen muss. Die Kirchen sehen es schon lange nicht mehr als ihre Aufgabe an hier nachhaltig ihren Beitrag zu einer Verbesserung der Situation zu leisten und die Gewerkschaften sind einfach auch schon so sehr in dieses Gesamtsystem miteingebunden, dass es nur äußerst selten viel mehr als leere Worthülsen von hier gibt. Man muss keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen, um zu verstehen, dass ein solches Gesellschaftssystem nicht funktionieren kann und somit früher oder später vor die Wand fährt. Da dies ein langfristiger Prozess über Jahre bzw. Jahrzehnte ist, ist immerhin der Karneval nicht gefährdet und alle können sich auch in diesem Jahr wieder den Frust von der Seele feiern bis der Arzt kommt und dies freut natürlich auch wieder all die Leergutsammler, für die es fast wie Weinachten ist.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

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