fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Die Zukunft der Maghreb-Staaten

31. Januar 2011

Zu erst konnte man den Sturz der Regierung in Tunesien miterleben und nun spielt sich dieser Prozess auch noch im bevölkerungsreichsten Land der arabischen Welt ab und Ägypten bebt. Auch wenn der Westen erklärt mit wie viel Sorge man die Prozesse in Nordafrika sieht, dürfte es hinter den Kulissen wieder einmal völlig anders aussehen. Denn spätestens seit den Veröffentlichungen von Wikileaks, weiß man, dass das was einem täglich als Politik verkauft wird, nur eine Oberfläche darstellt unter der es tatsächlich völlig anders zur Sache geht. Natürlich befürchtet man, dass der Flüchtlingsstrom aus den Maghreb-Staaten so immer weiter zunimmt, wobei sich die westliche Welt natürlich auch die Frage gefallen lassen muss, warum sie nicht endlich nachhaltig und nicht rein von den eigenen Interessen geleitet, den Menschen an Ort und Stelle hilft, denn unterm Strich wäre damit allen mehr geholfen, als mit den Fakten, die man bis zum heutigen Tage auf diesem Gebiet erkennen kann. Es ist aber zu vermuten, dass auch dieser Konflikt im Norden Afrikas, wenn er nicht gar direkt vom Westen angeschoben wurde, dazu genutzt wird wieder einmal die eigene Interessen durchzusetzen.

Religion und Wirtschaft
Bei all den Negativschlagzeilen mit denen die Kirchen, gerade auch in Deutschland, im letzten Jahr zu kämpfen hatten, die natürlich auch einen massiven Mitgliederschwund zur Folge hatten, darf man die Macht, die noch immer vor allem vom Vatikan ausgeht, nicht unterschätzen. Da man sagen muss, dass ein Großteil des raubtierkapitalistischen System auch fest mit dem Christentum, wie auch mit dem Judentum, verwoben ist und hier geht es leider nicht um die Wertvorstellungen, die diese Religionen ausmachen sollten, sondern viel mehr um die Netzwerke, die sich hier über Jahrhunderte bzw. Jahrtausende aufgebaut haben, erkennt man auch gleich neue Grundlagen für Konflikte. Denn der Kampf der Religionen und der Machtwahn der Wirtschaft sind enger miteinander verbunden, als es sich manch einer vorstellen kann. Breitet sich der Islam gerade auch durch eine gewisse Wirtschaftsflucht in Richtung der westlichen Welt aus, scheint sich immer mehr ein gewisser Gegentrend zu zeigen, denn wenn man von der Installation von Demokratien nach westlichem Vorbild spricht, kann man davon ausgehen, dass in einer gewissen Art und Weise auch immer mindestens das Christentum mit an Bord ist. Kulturkreise verschieben sich und jeder scheint im Moment zu schauen, wo er bleibt.

Nun mögen viele Menschen sagen, dass all dies besser sei als der Islam, dem man gerade auch in der westlichen Welt sehr gut das Image einer Terrorreligion angedichtet hat. Dies hilft natürlich gegen lästige Fragen, die da aus der christlich geprägten Welt kommen könnten, denn am Ende des Tages geht es schließlich immer nur um Antiterrorkampf, wobei auch hier einige wichtige Details einfach ausgeblendet werden. Man darf auch nicht vergessen, wie lang die Liste der Grausamkeiten ist, die man dem Christentum anhängen könnte und da ist der aktuelle Missbrauchsskandal der katholischen Kirche, zu dem Papst Benedikt XVI. übrigens noch im schweigt, nur ein kleiner Ausschnitt. Auch hier sollte einem deutlich werden, warum man die Wirtschaft und die Religion strickt von einander trennen sollte. Dies alles kann man aber wohl kaum einem konservativen, christlich geprägten Wirtschaftsboss klar machen, der seine Machtposition immer weiter ausbauen möchte. Genau hier wird einem auch noch einmal klar, warum beide Bereich des Lebens doch so eng miteinander verknüpft sind, denn beide Bereiche kämpfen um ihren Machterhalt bzw. um den Ausbau von Macht. Auf diesem Gebiet scheint auch vieles möglich zu sein und bislang war die Rede noch nicht einmal von der Politik und den Medien, die sich hier natürlich auch eigenständig zeigen sollten.

Medien und Politik
Viele Vertreter der großen etablierten Massenmedien der westlichen Welt hatten fast 30 Jahre lang keine bzw. nur wenige Probleme mit dem System Husni Mubarak und hier verhält es sich mit Ägypten ganz ähnlich, wie zuletzt noch mit Tunesien. Plötzlich meint man all dies massiv kritisieren zu müssen, was natürlich dann schon sehr seltsam anmutet. Denn warum erst jetzt, wo es scheinbar in der Ausweitung des raubtierkapitalistischen System nicht nur den oben genannten Machtinteressen der Wirtschaft so entgegen kommt, sondern natürlich auch der neuen politischen Situation, die sich seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ergeben hat. Hier scheint einmal mehr ein politischer Prozess massiv durch die Medien mitgetragen zu werden, was natürlich zeigt, wie eng die Politik und die Medien miteinander verflochten sind. Hier geht es übrigens genau um einen der vielen Punkte, die man bei den Systemen in den Maghreb-Staaten so kritisiert, die Verflechtung von Politik und Medien. Hier wird natürlich auch deutlich, dass sich auf dem Weg der sich aktuell abzeichnet, nicht  wirklich etwas zum wirklich Positiveren wenden wird, denn so frei und demokratisch, wie viele immer meinen, geht es in der westlichen Welt auch nicht zu.

Bei dem momentan aus westlicher Sicht angestrebten Wandel in vielen Bereichen dieser Welt sprechen wir von einer ganz anderen Art der Unfreiheit. Die neuen Machthaber werden natürlich auch noch weiterhin im Bereich der Religionen zu suchen sein, wie sie es seit Jahrtausenden schon sind, aber Diktatoren im klassischen Sinn oder Monarchen, die ihr Volk versklaven, wird man so nicht mehr finden. Die neuen Unterdrücker und Ausbeuter bestehen aus einer Clique aus Politik, Wirtschaft und Religion, die von den Medien den Hof gemacht bekommen. Mit jedem Staat auf der Landkarte, in dem sich dieses neue System etabliert und erst einmal für große Freude sorgt, da es den Menschen kurzfristig und vor allem oberflächlich besser geht, wird es schwerer die Maßstäbe wirklich freiheitsliebenden und demokratischen Denkens zu verteidigen. Dies bedeutet, man sollte die Prozesse, die sich im Moment im Norden Afrikas von Tunesien bis Ägypten abspielen, ganz genau beobachten und dies nicht nur für die Wochen oder vielleicht Monate in denen einem die etablierten Massenmedien einen scheinbaren Einblick in diese Welt bieten, sondern über Jahre. Der Prozess der hier mit dem Fall des Eisernen Vorhangs begonnen hat, wird ein sehr langer sein, den es gilt über Jahrzehnte zu begleiten und darauf zu achten, dass er in die richtigen Bahnen gelenkt wird.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu