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Die Wahrheit des Wortes

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Die Zeit der faulen Kompromisse ist vorbei

13. Oktober 2010

Stuttgart 21 und der Protest dagegen bleibt auch in dieser Woche ein Thema. Die massiven Probleme, die sich hier schon seit Wochen zeigen, sind aber auch immer sehr gut auf die Lage in Deutschland im allgemeinen zu übertragen. Lange Zeit haben die Bürger im Ländle aber auch im Rest des Landes stillgehalten und sich auch oftmals von schönen Reden blenden lassen. Diese Zeit scheint aber nun vorüber zu sein und die Menschen sind nicht bereit sich auf  all die faulen Kompromisse einzulassen. Das Verhalten der Deutschen Bahn AG zeigt ganz klar, welche absolut harte Linie man auf Seiten der Wirtschaft fährt. Der Kurs der Wirtschaft ist schon seit Jahren immer kompromissloser geworden aber man konnte es den Menschen irgendwie verkaufen. Jedem musste aber klar sein, dass dieser Weg irgendwann enden würde und auf diesen Punkt, auf das Ende dieser Sackgasse steuert das Land nun zu. Ob es in dieser Sackgasse am Ende noch eine Wendemöglichkeit geben wird, hängt auch davon ab, ob die Wirtschaft, aber natürlich auch die Politik, endlich damit aufhört, zu versuchen mit faulen Kompromissen weiterzukommen.

Ist der Neue besser als der Alte?

Als der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn seinen Hut nahm, waren doch sehr viele Menschen erleichtert und hofften, dass nun endlich positivere Zeiten bei der Deutschen Bahn AG unter dem Nachfolger Rüdiger Grube anbrechen würden. Die Medien lobten ihn so sehr, dass für Kritik in den meisten Fällen kein Platz blieb. Die Pannen liefen allerdings weiter und man konnte vielfach nicht wirklich so viel vom großen Wandel bei der Bahn spüren. Es wurde aber auch immer wieder darauf hingewiesen, dass dieser Wandel weg von Mehdorn und hin zu Grube, natürlich auch einen Prozess darstellen würde, der seine Zeit brauchen würde bis das Ziel erreicht sei. Da waren sie wieder die schönen Worte, die alles besser werden lassen sollten. Aber es sollte auch hier bald die Wahrheit ans Licht kommen und Grube seine Chance bekommen, sein wahres Gesicht zu zeigen. Wenn man sich nun in den letzten Tagen und Wochen sein Verhalten im Kontext zu Stuttgart 21 anschaut, kommt wirklich die Frage auf, ob er tatsächlich besser ist als sein Vorgänger? Es scheint doch so, als würde man auch weiterhin eine gewisse Großunternehmerarroganz verspüren, die auch weiterhin aus der Chefetage der Bahn über das Land fegt.

Es würde jetzt keinen Sinn machen darüber zu philosophieren, wie all dies unter der Beteiligung Mehdorns abgelaufen wäre aber man wird das Gefühl nicht los, dass es zu mindestens nicht hätte schlechter laufen können. Das Image der DB war schon seit langer, langer Zeit angekratzt und der gescheiterte Börsengang machte das alles auch nicht wirklich besser und jetzt auch noch Stuttgart 21. Aber all diese Fakten scheinen bei dem Mobilitätsgiganten keine großen Sorgenfalten hervorzurufen. Wenn man es sich genau überlegt, versteht man auch warum dem so ist. Auch wenn auf der Schiene mittlerweile nicht mehr nur die DB unterwegs ist, bleibt doch eine gewisse monopolartige Stellung, die es übrigens auch in anderen Wirtschaftszweigen, wie zum Beispiel in der Energieversorgung gibt. Unter dieser Voraussetzung, kann man sich natürlich wesentlich mehr erlauben, als auf einem wirklich freien Markt mit ausreichender und schlagkräftiger Konkurrenz. Auch hier zeichnen sich klare Wege für Deutschland ab, immer weniger Konzerne teilen sich in den verschieden Bereichen die Märkte auf und schotten sie zum Teil scheinbar auch konsequent ab. Hier wäre natürlich wieder der Staat, die Politik am Zuge aber auch von dort kommt in diesem Kontext reichlich wenig, um es einmal vorsichtig zu formulieren.

Was geschah wirklich bei Karstadt?

Karstadt ist und bleibt ein weiteres Paradebeispiel für faule Kompromisse. Auch hier wurde über Monate alles immer wieder wesentlich positiver dargestellt, als es in der Realität war. Erst in der letzten Woche wurden die Kölner Büroräume und das Bielefelder Privathaus von Thomas Middelhoff, dem deutschen Topmanager dem viele den Kollaps von Karstadt vorwerfen, von der Staatsanwaltschaft Bochum durchsucht. Man darf gespannt sein, ob hier jemals alle Fragen tatsächlich geklärt werden oder ob die ganze Last auf den Rücken der Mitarbeiter hängen bleibt. Immer wieder hatte man sich auf Kompromisse eingelassen, auf vieles verzichtet usw. nun ist die Warenhauskette nach ewigem Tauziehen vom Investor Nicolas Berggruen übernommen worden und bald wird sich zeigen, wie viele der bisherigen Kompromisse faul waren und wird natürlich somit auch abschätzen können, wie viele noch folgen werden. Auch hier zeigt sich ein Bereich in dem die Menschen immer kompromissloser werden und dies, wie der Fall Karstadt zeigt, auch scheinbar aus gutem Grund. Denn bei einem Kompromiss sollte man sich von beiden Seiten auf die Mitte zu bewegen und dies fehlt doch in vielen Bereichen.

Es führt natürlich zu Unmut und Zorn in weiten Teilen der Bevölkerung, wenn man feststellt, dass man im Bereich der Wirtschaft scheinbar als Bürger, Arbeitnehmer, Kunde oder ähnliches immer wieder der ist, der nachgibt, ohne auch nur im Ansatz davon zu profitieren. Wenn man dann noch merkt, wie sehr man von der Politik im Stich gelassen wird, da man hier, aus welchen Gründen auch immer, diesen raubtierkapitalistischen Weg durch die globalisierte Welt teilt, trägt dies auch nicht gerade zur Verbesserung der Stimmung bei. In der Konsequenz verweigern immer mehr Menschen diesen Systemwandel, da sie langsam begreifen, dass auch sie irgendwann einmal zum Opfer werden könnten. Wenn man in der Wirtschaft und der Politik nicht bald damit beginnt diese Arroganz abzulegen, wird sich die neue Protestbewegung in Deutschland, die mehr und mehr einen sehr bürgerlich Kern hat, noch massiver ausweiten und man sollte wissen, und auch das zeigt Stuttgart 21, dass es kaum noch Kompromissbereitschaft gibt, denn auf Kompromisse zu verzichten, ist der sicherste Weg um faulen Kompromissen aus dem Weg zu gehen.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Nojiko // 18. Okt 2010 at 03:42

    Wann hört Ihr endlich auf zu glauben, dass “die Politik” das alles nur “aus Versehen” macht – oder aus Unwissenheit, wie viele Politiker es bei peinlichen, konkreten Nachfragen bei Podiumsdiskussionen selbst gerne darstellen? Peinlich genug, wenn sie es wirklich “nicht könnten”, aber wer mit offenen Augen durch diese Republik wadert, wird sehr bald merken, dass alles Methode hat: Alles öffentliche unddurch Lizensvergabe monopolisierte (Grund-, Kfz-, Öko-,EKsteuer, Abfallabgaben, Abwasserentsorgung und -messung, ÖPNV, Maut, Energie) – all das wird rapide teurer. Arbeitslose werden schikaniert, sogar genötigt (selbst von Gerichten bestätigt, wenn auch nicht oft genug) damit man die Löhne weiter unter das Erträgliche drücken kann, die Gewerkschaften flöten das Lied vom opferbereiten Arbeitnehmer. Im ländlichen Raum, wo wenig Jobs und weite Wege das Arbeitsleben bestimmen, stehen immer mehr Häuser zum Verkauf – nicht etwa “enteignet durch die bösen Linken” – nein! Enteignet durch unsere Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgeber, die einem Angestellten weniger zahlen, als sein Leben kostet! Jeder halbwegs gesunde Kaufmann würde seinen Lohn kalkulieren und darunter seine Zeit nicht verkaufen, aber tausende in D bringen “noch Geld zur Arbeit mit” anstatt das ihnen Zustehende zu verdienen – und sie merken es nicht! Sie halten still, schicken Frau und Kinder “jobben” und lassen sich täglich weismachen, das müsse so sein. Es wird endlich Zeit, dass der Mensch wieder zum Zweck aller Politik und Wirtschaft wird, dass er aufsteht und seinen Willen laut herausschreit – ob in Stuttgart oder anderswo: Wir sind keine Kühe, die man melkt bis sie zum Schlachter gehen!

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