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Die Wahrheit des Wortes

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Die Wulff-Falle

2. Juli 2010

In der Redaktion in Köln hatte damit wirklich niemand gerechnet, plötzlich brauchte es doch volle drei Wahlgänge in der Bundesversammlung bis Christian Wulff zum 10. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde. Wie in diesem Fall gerne üblich, machte man den unterlegenen Kandidaten, Joachim Gauck, gleich einmal zum Sieger der Herzen, denn in Deutschland gibt es halt nur Gewinner. Der wirklich Verlierer ist aber einmal mehr die Bundesregierung aus CDU, CSU und FDP, die man auch gerne Tigerentenkoalition nennt. Kurz vor Bekanntgabe des ersten Ergebnisse wirkte alles noch so, also würde Christian Wulff souverän im ersten Wahlgang gewinnen aber dann konnte er doch nur 600 Stimmen hinter sich vereinen, zu wenig und so dauerte es tatsächlich bis in den dritten Wahlgang, was man durchaus als glatte Niederlage der Tigerentenkoalition vermelden kann und schließlich war es auch nicht die erste Niederlage seit ihrem Amtsantritt im Herbst letzten Jahres.

Was wollen die Medien eigentlich?
Nachdem völlig überraschenden Rücktritt von Horst Köhler, der die Nation so schockte, konnte man überall in den Medien verfolgen, wie Dünnhäutig er doch gewesen sei und das dieses Amt doch zukünftig bitte mit einem Menschen ausgestattet sein müsste, der sich auch sicher auf der politischen Bühne bewegen könnte. Nun wurde so natürlich der Verdacht geschürt, dass sich ein Horst Köhler mit alldem nicht ausgekannt hätte, was natürlich völliger Blödsinn ist, bedenkt man nur, dass er unter anderem Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) war aber so etwas passte halt nicht in das Bild, welches man seiner Zeit scheinbar von ihm aufbauen wollte. Folgt man diesem scheinbar durch die Medien gezielt aufgebauten Bild, müsste nun mit dem Bundespräsidenten Christian Wulff, als Vollblutpolitiker, große Freude aufkommen, da nun jemand dieses Amt leitet, der das politische Geschäft bestens versteht. Jetzt ist es aber plötzlich genau anders, wie schnell sich die Zeiten doch ändern können.

Zwischen dem Rücktritt von Horst Köhler und der vorgestrigen Wahl seines Nachfolgers hatte sich in weiten Teilen der Medien ein Kandidat durchgesetzt und dies war nicht der Bundespräsident Christian Wulff, sondern sein Gegenspieler Joachim Gauck. Nun lobte man plötzlich seine große Distanz zur Politik etc. Damit lobte man ihn natürlich genau an dem Punkt, wo Köhler noch die großen Vorwürfe für bekam. Eine doch sehr plötzliche und ebenso fraglich Entwicklung. Keine Frage, neben diesen Fakten gab es klare, weitere Sachverhalte die natürlich für den parteilosen Gauck sprachen aber man muss eben festhalten, dass seine Vita keine bessere oder schlechtere Position darstellte, als bei Horst Köhler eben auch. Genau dieser plötzliche Sinneswandel ist es dann auch, welcher vielen Menschen immer mehr vermittelt, dass man auch den Medien nicht mehr als der Politik glauben darf.

Nächste Schlappe für die Bundesregierung
Erst kam es zu einem völligen Fehlstart der Bundesregierung, der dann fließend in weitere, handwerklich schlecht gemachte Politik überging. Eigentlich schien auf der innerkoalitionären Agenda nur noch Streit zu stehen. Nun hätte man den überraschenden Rücktritt des 9. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Horst Köhler, so hart er das politische Berlin auch immer getroffen haben mag, als eine große Chance annehmen sollen und hätte somit einen zweiten Start mit Bravur hinlegen können. Dies zu vermitteln, wäre in aller erster Linie die Aufgabe der Regierungschefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewesen. Wie die drei benötigten Wahlgänge nun bewiesen haben, konnte die große Moderatorin der Nation genau dies allerdings nicht vermitteln und so wurde aus der großen Chance immer mehr die Wulff-Falle und genau in diese tappte man nun auch mit voller Wucht hinein. Somit kann man aktuell sagen, dass die Bundesregierung ihre nächste Schlappe hinnehmen muss.

Es sei auch noch festgehalten, dass die Bundesregierung durch diesen Fauxpas mittlerweile schon nicht mehr nur angeschlagen ist, sondern sogar angezählt wurde. Wie dieses taktische Manöver so nach hinten losgehen konnte, bleibt erst einmal ein großes Geheimnis und man kann nur vermuten, dass es Kräfte innerhalb der Tigerentenkoalition gibt, die fleißig am Stuhl von Angela Merkel (CDU) und damit natürlich auch am großen Regierungsstuhl sägen. Somit darf man auch davon ausgehen, dass die Chancen, dass diese Regierung die komplette Legislaturperiode überlebt, weiter gesunken sind. Dies wiederum bedeutet gleichermaßen, dass ein hohes Maß an  Instabilität auch weiterhin die politische Lage im Land bestimmen wird. Wo dies hinführt, konnte man die letzten Jahre sehr deutlich erkennen und muss feststellen, dass es dem Land und vor allem auch der Gesellschaft gar nicht gut tut. In der Folge bedeutet dies einmal mehr, dass sich ganz schnell einiges in diesem Land verändern muss, bevor es völlig und ganz kollabiert und wenn man sich das Sozialsystem, gerade auch im Kontext der demografischen Entwicklungen anschaut, ist es von diesem Punkt nicht mehr weit entfernt.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik

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