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Die Wahrheit des Wortes

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Die Wochenendkrieger

16. April 2012

Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit und es standen gleich zwei große Derbys in Nordrhein-Westfalen an. Am Samstag stand das Derby im Pott an, welches Schalke 04 mit 2:1 vor eigenem Publikum gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund verlor, bevor am Sonntag ein ähnlich brisantes Derby anstand, welches Borussia Mönchengladbach im eigenen Stadion mit 3:0 gegen den 1. FC Köln gewann. Natürlich war die Lage bei beiden Begegnungen sehr angespannt, was in diesem Sinne wirklich niemanden überraschte. Überraschend ist aber noch immer, wenn es um das Thema Fußball und Gewalt geht, die immer wiederkehrende Stigmatisierung der Protagonisten, ohne auch nur im Ansatz auf die Hintergründe und Zusammenhänge mit den allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen einzugehen. Es ist natürlich auch wesentlich einfacher, einen gewissen Teil der Gesellschaft, als Deppen und Idioten darzustellen, als sich mit der Entwicklung in der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit auseinanderzusetzen. Die Parallelen liegen auf der Hand und sind ganz deutlich zu erkennen, wenn man es nur will aber gerade im Bereich der Ausschreitungen im Rahmen des Fußballs zeigt sich, dass man genau das wohl eher nicht will. Diese Gesellschaft ist krank und ein Symptom sind die Wochenendkrieger des Fußballs, die immer wieder für Gewaltexzesse sorgen, auch dies muss deutlich kommuniziert werden.

Eine Frage der Ehre
Ohne Gewalt verherrlichen oder gar rechtfertigen zu wollen, muss man sagen, dass es im Bereich der Fanausschreitungen von Hooligans, Ultras und ähnlichen Gruppierungen auch einmal so etwas wie einen Ehrenkodex gab, der mittlerweile allerdings fast gänzlich aufgelöst ist und in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist. Auch hier erkennt man eine Parallelität zu anderen Bereichen der Gesellschaft, wie zum Beispiel zu den Bereichen der Politik und der Wirtschaft, denn auch hier spielen Begriffe, wie Ehre so gut wie keine Rolle mehr. Man darf sich also nicht wundern, wenn auch im Bereich der Gewalt beim Fußball die Regeln wegfallen, auch hier wird der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten. Schaut man sich dann noch das Verhalten im Fußball selbst an, wie zum Beispiel im Laufe der letzten Woche im vorgezogenen Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, wo sich die Bayern gleich drei Mal im Strafraum fallen ließen, da sie scheinbar keine anderen Möglichkeiten mehr sahen dieses Spiel gegen Dortmund noch zu gewinnen, zeigt sich auch hier, dass Fairness und Sportlichkeit immer seltener auf der Agenda stehen, scheinbar zählen auch hier nur noch Siege und der Weg dorthin ist zweitrangig. Man darf die Gewalt in und um die Fußballstadien in Deutschland nicht separiert sehen, wenn man wirklich Lösungen gegen sie finden möchte aber vielleicht nimmt man es auch als eine Art Kollateralschaden in diesem großen Geschäft einfach hin, was natürlich sehr zynisch wäre.

Zeichen setzen gegen den Staat
Ein weiterer Fakt, der übrigens weit über den Bereich der Gewalt beim Fußball hinausgeht, ist der Anstieg, vor allem in der Massivität, wie gegen die Polizei vorgegangen wird, was sich auch daran zeigt, dass die beiden großen Derbys in Nordrhein-Westfalen am vergangenen Wochenende an zwei verschiedenen Tagen ausgetragen wurden. Der Respekt vor dem Staat, der sich hier eben durch die Einsatzkräfte der Polizei zeigt, sinkt auch immer weiter ab und die Polizei ist ein klares Feindbild, welches auch immer mehr in den Fokus der Wochenendkrieger tritt. Auch hier ist die Parallele zum ganz normalen Wahnsinn in der heutigen Gesellschaft ganz deutlich. Wenn die Deutsche Bank immer wieder im Visier der Staatsanwaltschaft steht, zeigt dies, wie man es dort mit der Einhaltung deutscher Gesetze sieht und auch hier scheint man in der Wirtschaft klar den völligen Verlust von Respekt gegenüber dem Staat und seinen Regeln erkennen zu können. Ähnlich verhält es sich natürlich auch im politischen Berlin, wo man auch immer häufiger von Respektlosigkeit gegen den eigenen Staat sprechen muss. Ohne die Gewalt beim Fußball politisieren zu wollen, werden hier doch auch klare Zeichen gegen den Staat und gegen dieses System gesetzt, was auch erklärt, warum die von den etablierten Massenmedien meist als Deppen und Idioten bezeichneten Gewalttäter aus allen Bereichen der Gesellschaft kommen, denn der Anteil der Unzufriedenen wächst auch in allen Bereichen der Gesellschaft stetig an. Wenn man einen nachhaltigen Rückgang der Gewalt beim Fußball und in der Gesellschaft wünscht, weiß man also, wo man ansetzen muss, ob man es tut, bleibt eher fraglich.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Der BALLacker » England 2012 // 18. Apr 2012 at 10:09

    [...] man an England, dann fallen neben `Fußball` vor allem die Begriffe `schlechtes Wetter` und `Fish and Chips`. Und das Wetter auf der Insel kann [...]

Schreib was dazu