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Die Wahrheit des Wortes

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Die Welt schaut weg

31. März 2008

China zeigt dieser Tage mehr und mehr sein wahres Gesicht. Die Antwort der Weltgemeinschaft kommt da oftmals nur allzu halbherzig. So gab es einen Appell der EU an die chinesische Führung. Dieser wurde mit dem Hinweis von China scharf zurückgewiesen, dass es sich bei der Tibetproblematik um eine interne Angelegenheit handeln würde und keine ausländische Organisation das Recht hätte sich dort einzumischen. Dies ist eine interessante Verhaltensweise Chinas, denn immerhin geht es auch um viele internationale Organisationen die im Kontext der Olympischen Spiele viel Geld mitbringen, dies scheint allerdings sehr willkommen. Es geht aber eben nicht nur um das durchaus bekannte Verhalten Chinas, welches eigentlich auch niemanden mehr überraschen dürfte, sondern auch um das Verhalten von  Medien, Sportlern, Funktionären und Politikern in diesem Zusammenhang.

Aktion für Tibet

Das Team von fairschreiben.de, welches sich immer wieder auch im Bereich freier journalistischer Tätigkeit stark macht und ein Teil der Interessensgemeinschaft Art for Europe (IG A4E) ist, ist aus gegebenen Anlass gerade dabei eine Hilfsaktion für die Rechte Tibets auszuarbeiten. Alle Artikel zu diesem Thema, aber auch alle Hinweise über diese Hilfsaktion findet Ihr ab sofort im Bereich Free Tibet. Denn es kann nicht sein, dass zum Beispiel Frau Nicole Bölhoff, Korrespondentin der ARD, aus Peking berichten muss, dass sie sich nur in einem abgedunkelten Bus mit ihrem Kameramann durch das Land bewegen kann, um so der Verfolgung durch die Staatssicherheit zu entgehen. Ein weiteres Indiz für die verstärkten Einschränkungen der Pressefreiheit in China ist, dass alle Telefonate abgehörte werden, was gerade auch Kontakte zu Informanten sehr erschwert. Alles in allem muss man im Moment sagen, dass China nicht dabei ist sich zu öffnen und dies war eine große Hoffnung im Kontext zur Vergabe der Olympischen Spiele 2008.

Aber um auf China einzuwirken muss nicht zwangsläufig etwas vor Ort geschehen. Es kann überall auf der Welt geschehen, wichtig ist nur das etwas geschieht. Die bisherigen Aktionen sind zwar sehr lobenswert aber es sollte sich in diesem Zusammenhang noch viel mehr bewegen. Ein Beispiel. Seit gut einer Woche berichtet die ARD und das ZDF immer wieder über den diese Tage in den Ruhestand gehenden Pfarrer Christian Führer. Schwerpunkt dieser Berichte und Interviews ist natürlich sein Lebenswerk, welches durch die friedliche Revolution in der ehemaligen DDR geprägt ist. An dem Beweis, dass es friedliche Revolutionen geben kann, hat er mit seinen Friedensgebeten und Montagsdemos rund um seinen Arbeitsplatz, die Leipziger Nikolaikirche, einen großen Anteil gehabt. Es bietet sich förmlich an mit diesem Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit über die Tibetproblematik zu sprechen. Dies wäre vielleicht im Moment wichtiger als auf seine Jeansjacke, den Einsatz gegen Rechts oder die Beziehung zu der Ostpopband `Die Prinzen` einzugehen. Leider geschah dies bis lang nicht. Es ist sehr gut möglich, dass Pfarrer Führer auf dem Gebiet aktiv ist, dann wird es aber in den Medien nicht gut transportiert und die Frage nachdem warum dies so ist, bleibt offen.

Sportler und Funktionäre müssten ein Zeichen setzen

Auch wenn eine Debatte über die Sinnigkeit oder auch Unsinnigkeit eines Boykotts der Olympischen Spiele 2008 in Peking los getreten wurde, bleibt an vielen Stellen die Frage offen, was eigentlich Sportler und Sportfunktionäre gedenken zu tun. Es wird immer wieder erklärt, dass man mit Politik nichts zu tun habe und diese auch nicht auf dem Rücken des Sports ausgetragen werden dürfte. Dann bleibt nur die Frage, ob Menschenrechte nicht etwas sind, wofür sich grundsätzlich jeder einsetzen sollte und somit auch die gerade genannten Personengruppen. Und genau diese Menschen haben nun die Möglichkeit Farbe zu bekennen. Was übrigens nicht nur für die Olympiateilnehmer selbst gilt. Auch an diesem Wochenende fehlten bei den großen Sportaktionen von den Bahnradmeisterschaften in Manchester, die in einem direkten Zusammenhang mit den Olympischen Spielen stehen, bis hin zur Fußballbundesliga, Aktionen die sich mit diesem Themenkomplex beschäftigten. Warum bekennen zum Beispiel Fußballstars nicht klar Farbe? Warum gibt es keine Aktionen der Ligafanclubs? Oder ist für all diese Menschen das Thema Menschrechte nicht von Bedeutung?

Es ist aber auch erschreckend mit anzusehen, wie scheinbar weite Teile der Welt Angst vor China haben. Man hat immer wieder das Gefühl, dass viele Politiker, gerade auch in Deutschland, nur noch geduckt laufen, wenn es um dieses Thema geht. Denn auch hier fehlen ausreichende Zeichen und zu sagen, dass man aus deutscher Sicht, wie geplant niemand Offizielles zu den Spielen nach Peking schickt, ist kein Zeichen, sondern einfach langfristig geplante Politik. China zeigt mit starker Hand, wie es auf die globale Hoffnung der Welt reagiert, die lange Zeit hoffte, dass die Spiele in Peking zu einer liberalisierten Politik im Land führen könnten. Die Frage ist nun, wie die Weltgemeinschaft darauf reagiert und ob sie es weiterhin einfach so hinnimmt und sich somit Handlungsunfähig zeigt. Dies hätte natürlich auch wieder Vorbildcharakter für andere Regime in dieser Welt. Vielleicht findet man letztendlich doch noch Mittel und Wege um China zu erklären, das es so nicht geht.

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Kategorie: Free Tibet · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport

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